Lützelmurg in Aawangen soll aufgewertet werden
19.09.2026 Aawangen, ThurgauEin Abschnitt der Lützelmurg in Aawangen soll ökologisch aufgewertet werden. Hindernisse für die Fischwanderung werden saniert, Lebensräume verbessert und Uferverbauungen teilweise zurückgebaut. Die Gesamtkosten des Projekts belaufen sich auf rund 560’000 Franken. ...
Ein Abschnitt der Lützelmurg in Aawangen soll ökologisch aufgewertet werden. Hindernisse für die Fischwanderung werden saniert, Lebensräume verbessert und Uferverbauungen teilweise zurückgebaut. Die Gesamtkosten des Projekts belaufen sich auf rund 560’000 Franken. Zurzeit liegt es öffentlich auf.
Die Lützelmurg soll im Gebiet Aawangen auf einem Abschnitt von gut einem halben Kilometer naturnäher gestaltet und als Lebensraum für Fische und andere Wasserlebewesen aufgewertet werden. Hintergrund ist die Biodiversitätsstrategie des Kantons Thurgau. Eine der darin vorgesehenen Massnahmen hat zum Ziel, die Längsvernetzung in den kantonalen Flüssen und Bächen zu verbessern. Fische und andere Wasserlebewesen sollen sich möglichst ungehindert entlang der Gewässer bewegen können. Dazu wurde ein Projekt ausgearbeitet, das zurzeit öffentlich aufliegt.
Das Amt für Umwelt des Kantons Thurgau, Abteilung Wasserbau und Hydrometrie, hat die Lützelmurg als prioritär eingestuft. «Die Lützelmurg ist im Kanton Thurgau eines der ökologisch wertvollsten Bachforellen-Gewässer und hat deshalb im Rahmen der Wiederherstellung der Längsvernetzung oberste Priorität. Mit der Entfernung und dem Umbau der künstlichen Hindernisse im Projektperimeter kann eine vergleichsweise lange Gewässerstrecke wieder durchgängig gemacht werden», erklärt der stellvertretende Projektleiter Maurice Koll auf Anfrage.
Vorrangiges Ziel des Projekts ist es gemäss den Unterlagen, die Längsvernetzung wiederherzustellen und die Lebensbedingungen für Bachforellen und weitere Fischarten zu verbessern. «Diese sollen auch während Perioden mit niedrigem Wasserstand oder Hitzeperioden geeignete Rückzugsorte vorfinden. Dazu sind eine ungehinderte Wanderung und möglichst vielfältige Strukturen im Fluss überlebenswichtig für die kälteliebende Art», so Koll. Dazu sollen unter anderem tiefe Kolke entstehen, die insbesondere ausgewachsenen Fischen als Lebensraum und kühle Refugien dienen und für die Überwindung von Hindernissen wichtig sind.
Mehr Lebensraum bei gleichbleibendem Hochwasserschutz
Die vorgesehenen Massnahmen sollen gemäss dem Projektbeschrieb zu einem vielfältigeren und naturnäheren Gewässer führen. Durch die bessere Durchgängigkeit könnten sich Fische wieder über längere Abschnitte der Lützelmurg bewegen. Kolke, Fischunterstände, Totholz sowie abwechslungsreichere Strömungsverhältnisse würden zusätzliche Lebensräume schaffen. Der teilweise Rückbau der Uferbefestigungen ermögliche zudem eine natürlichere Entwicklung des Gewässers, welches im Projektperimeter als Geotop von nationaler Bedeutung eingetragen sei. Die Lützelmurg erhalte durch die Aufwertung mehr Raum für eine natürliche seitliche Entwicklung, wie es auch im Inventar des Geotops ursprünglich festgehalten sei, erklärt Maurice Koll.
Ganz sich selbst überlassen könne man die Lützelmurg aber nicht überall. Um bestehende Infrastrukturen wie die Autobahnbrücke, Gasleitung, Waldstrasse sowie die unterhalb liegenden Siedlungsgebiete durch Erosion und Hochwasser zu schützen, müsse eine fortschreitende seitliche Erosion deshalb stellenweise verhindert werden. Bestehende Sohlschwellen und Uferverbauungen bleiben teilweise bestehen. Sie werden jedoch so angepasst, dass die Fischgängigkeit verbessert und die Bauwerke langfristig erhalten werden können. Dadurch bleibt die Hochwassersicherheit erhalten oder wird sogar verbessert. Bei der Planung wurden zudem die Gemeindestrasse, Wasserleitungen, Grundwasserschutzzonen sowie die Interessen der Grundeigentümerinnen und Grundeigentümer berücksichtigt. Die Auswirkungen auf die Hochwasserabflüsse wurden mit einer hydraulischen Simulation überprüft.
Aufwertung des Ökosystems in Aadorf
Und was bedeutet die Aufwertung für die Gemeinde Aadorf: «Ein Teil der Lützelmurg wird mit diesem Projekt fischgängig gemacht, was eine Aufwertung des Ökosystems bedeutet», erklärt Aadorfs Gemeindepräsident Matthias Küng auf Anfrage. Mit Einschränkungen müsse höchstes während der Bauphase und auch dann nur in geringem Masse, gerechnet werden.
Abschluss im Spätsommer 2027 vorgesehen
Die Gesamtkosten für die ökologische Aufwertung der Lützelmurg belaufen sich gemäss Projektunterlagen auf rund 560’000 Franken. 280’000 Franken davon gehen zu Lasten des Kantons, 252’000 Franken trägt der Bund. Fünf Prozent davon, also rund 28’000 Franken, müsse gemäss dem kantonalen Gesetz über den Wasserbau und den Schutz vor gravitativen Naturgefahren die Gemeinde übernehmen, so Küng. Das Projekt liegt noch bis 23. September öffentlich auf und muss anschliessend vom Departement für Bau und Umwelt (DBU) des Kantons Thurgau genehmigt werden.
Sofern keine Einsprachen eingehen und das Verfahren planmässig verläuft, können die Bauarbeiten voraussichtlich bis im Spätsommer 2027 abgeschlossen werden. Für die Terminierung der Arbeiten sind insbesondere die Schonzeiten von Vögeln und Fischen ausschlaggebend. Während der Bauphase sollen die Auswirkungen auf die bestehenden Naturwerte möglichst geringgehalten werden.
BETTINA STICHER
Weitere Informationen unter: www.aadorf.ch


