Zwischen Hoffnung, Freude, Euphorie und Verzweiflung
24.07.2025 KolumneWas klingt wie ein Filmdrama, ist in Wahrheit die ungeschönte Gefühlsachterbahn der Schreibenden seit Pepes Einzug.
Importiert aus dem Süden, endete die Reise ins Glück unvermittelt auf dem harten Boden seiner Realität. Er wurde zum Wanderpokal. Verschiedene Besitzer ...
Was klingt wie ein Filmdrama, ist in Wahrheit die ungeschönte Gefühlsachterbahn der Schreibenden seit Pepes Einzug.
Importiert aus dem Süden, endete die Reise ins Glück unvermittelt auf dem harten Boden seiner Realität. Er wurde zum Wanderpokal. Verschiedene Besitzer und Hundetrainer versuchten sich am hübschen Rüden mit dem Wuschelkopf. Weil er nicht funktionierte wie vorgesehen, wurde er weitergereicht. Auf Umwegen fand er schliesslich den Weg nach Wittenwil, wo er nun seit sieben Wochen sein «Fürimmer-Zuhause» gefunden hat. Sieben Wochen – ein Wimpernschlag im Leben, und doch der längste Ort, den er je Heimat nennen durfte.
Kampf um Sofa, Käse und Bett
Sofa, Bett? Alles meins – und wenn es dir nicht passt, knurr ich dich an! So die Strategie von Pepe. Bis dato äusserst erfolgreich – aber da hat der Bursche die Rechnung ohne seine neue Besitzerin gemacht, oder wenigstens ohne deren Blumen-Wasserspritze. Nach drei Tagen und dem Kauf eines Luxus-Hundebetts mit Memory-Matratze war das Thema gegessen.
Generell hat der Tauschhandel Einzug gehalten im Haushalt. Das im Käse steckende Messer musste mit gutem Zureden gegen ein Gutzeli eingetauscht werden, den ergatterten Käse gabs nur im Gegenzug mit einer Hundewurst zurück. Ein weniger geschicktes Pfötchen hatte der Vierbeiner beim Klau eines in einer Serviette eingewickelten Spitzbuben: Er entschied sich für die Serviette, entschwand mit seiner Beute ins Badezimmer, um sie in Kleinstteile zu sezieren. Der Spitzbub schmeckte hervorragend, meine Schadenfreude war grenzenlos. Bei Altpapier, Altkarton und Hundekotbeuteln erübrigt sich ein Tauschangebot, soll er doch damit glücklich werden.
Eine andere Baustelle sind Hundebegegnungen und generell Ausflüge im Freien. Donnergrollen und Wind sind gefährlich. Ebenso Schreckschüsse, die Krähen verscheuchen – sind sie auch noch so weit entfernt. Immerhin: Flugzeuge sind mittlerweile nicht mehr direkt aus der Hölle. An der Angst vor Schiesslärm hingegen müssen wir noch tüchtig arbeiten; ob sich Gewitter verbieten lassen, bleibt ungewiss.
Aber zurück zu den Hundebegegnungen. Sie sind reine Glückssache. Freut er sich? Tickt er aus? Welche Hunde mag Pepe, welche nicht? Besser mal ausweichen. So steht frau nun öfter als ihr lieb ist im kniehohen, nassen Gras zur Morgenstunde. Sie ist nun eine von diesen Hundebesitzerinnen, die früher selbstgerecht belächelt wurden und mit dem Gedanken bedacht: «Warum bringt sie dem Hund denn nichts Gescheites bei?» Wird dann doch – nach Absprache mit dem Entgegenkommenden – eine Kreuzung gewagt, endet es unter Umständen im Drama. Da helfen all die Bücher nichts, in denen detailliert beschrieben ist, wie man sich in solchen Situationen zu verhalten hat. Auf keinen Fall an der Leine zerren, sie ist nämlich weder als Abschleppseil noch als Telefonleitung gedacht, sondern als Bindungselement, das Sicherheit geben soll. Klingt fantastisch – nur nützen all die Ratgeber nichts, solange die Hunde sie nicht auch lesen. Wir bleiben dran!
Im Kleinen Grosses verändern
Aller Zweifel zum Trotz: Schaut der Hund einen dann mit diesem Blick aus seinen Kulleraugen an, hält den Kopf schräg und schmeisst sich voller Zuneigung entgegen, ist alles vergessen. Dann ist da nur noch dieses struppige Fell, das sich an einen drückt, dieses pochende Herz. Nicht perfekt, aber echt. Vielleicht ist dieser Weg das Ziel: kein braver Vorzeigehund, sondern ein starkes Gegenüber. Mit Ecken, Kanten und ganz viel Charakter. Und ja, manchmal steht man dafür halt im nassen Gras.
Warum ich mir das antue? Die tägliche Flut niederschmetternder Nachrichten macht mich zunehmend ratlos. Ich will etwas verändern – wenn nicht im Grossen, dann im Kleinen. Und für dieses Kleine ist die Veränderung am Ende ganz gross.
MARIANNE BURGENER