Zwischen Ausbildung und Weltcup-Traum
09.04.2026 Sport, ElggWenn andere Feierabend machen, beginnt für Cyril Kupper oft der zweite Teil seines Tages. Der 17-Jährige aus Elgg absolviert eine Lehre als Konstrukteur im AZW (Ausbildungszentrum Winterthur) in Winterthur – und trainiert daneben sechsmal pro Woche, total bis 18 Stunden ...
Wenn andere Feierabend machen, beginnt für Cyril Kupper oft der zweite Teil seines Tages. Der 17-Jährige aus Elgg absolviert eine Lehre als Konstrukteur im AZW (Ausbildungszentrum Winterthur) in Winterthur – und trainiert daneben sechsmal pro Woche, total bis 18 Stunden leistungsorientiert Radsport.
Sein grosses Ziel: Profi werden. «Olympia – warum nicht? Dabei sein allein wäre schon ein Traum», sagt Cyril Kupper mit einem Lächeln.
Geboren am 3. Juli 2008 als Sohn von Thomas und Vreni Kupper, wuchs Cyril Kupper mit einem jüngeren Bruder Andrin in Elgg auf. Schon als kleiner Junge war er mit seinem Vater ab und zu mit dem Velo unterwegs. «Die Freude an der Bewegung stand immer im Vordergrund», erzählt er. Ab der vierten Klasse trainierte er im Biketeam Aadorf – jeweils am Montagabend eineinhalb Stunden im Wald rund um Aadorf. Technik spielte damals noch eine untergeordnete Rolle, wichtiger waren Bewegung und Spass.
Erste kleine Rennen folgten, die Begeisterung wuchs. Durch die Teilnahme an den Rennen, wurde Cyril Kupper auf den Radverein Winterthur (RV Winterthur) aufmerksam, woraufhin er im Frühling 22 den Verein wechselte. Dort wurde intensiver trainiert – zweimal pro Woche, strukturierter, ambitionierter.
In der sechsten Klasse fuhr er nach der Schule von Elgg nach Winterthur ins Training. «Ein Hightech-Velo hatte ich damals noch nicht», erinnert er sich. «Aber es ging auch so.»
Aufnahme ins Rennteam
Mit dem Übertritt in die Oberstufe folgte der nächste Schritt: die Aufnahme ins Pasolino Racing Team des RV Winterthur und ins Regionalkader von Swiss Cycling.
Er begann nach Trainingsplan zu trainieren, beantragte in der Schule eine Sportdispens und erhielt die Talentkarte von Swiss Olympic. Voraussetzung dafür waren gute schulische Leistungen. «Die Noten mussten stimmen – und das taten sie.» Disziplin sei entscheidend, sagt er. «Der Tag ist durchgetaktet: Schule, Training, Lehre.»
Heute steht Cyril Kupper im zweiten Lehrjahr als Konstrukteur. In der Werkstatt lernte er schweissen, drehen und fräsen, später folgt die Arbeit am Computer mit technischen Zeichnungen. Die Grundausbildung schliesst er diesen Sommer ab, danach geht die Lehre in einem Partnerbetrieb weiter. Das AZW ist Swiss-Olympic-Partner, was ihm zusätzliche freie Zeit und eine flexible Ferienregelung ermöglicht.
Der Aufwand ist gross – auch finanziell. Ein Rennvelo kostet zwischen 10’000 und 12’000 Franken, hinzu kommen Verschleissteile, Reisekosten, Startgelder und Übernachtungen. Insgesamt rechnet die Familie mit rund 20’000 Franken Ausgaben pro Jahr.
Auf Unterstützung angewiesen
Da das Rennteam in Winterthur letzten Herbst umstrukturiert wurde, ist Cyril Kupper derzeit keinem Team angeschlossen.
Um seinen Sport weiterhin auf hohem Niveau ausüben zu können, ist er auf Sponsoren angewiesen. Aktuell unterstützt ihn die Spenglerei Schnyder AG, die FRUTIGER Company AG, die BAUBERGER AG, Show Concept, die Zürcher Landbank, Hasler + Co AG, der Bikeshop Aadorf, das Biketeam Aadorf sowie Update Fitness.
Gleichzeitig ist der junge Sportler weiterhin auf zusätzliche Partner angewiesen, um Trainings, Material und internationale Rennen langfristig finanzieren zu können. «Jede Unterstützung hilft, meinen Traum Schritt für Schritt weiterzuverfolgen.»
Trainiert wird er von Georg Hasselmann von Medbase Winterthur. Leistungsdiagnostik, Laktattests und Trainingsauswertungen via Garmin gehören zur Routine. «Der Austausch läuft viel über WhatsApp. Der Plan wird laufend angepasst.»
Jugendeuropameisterschaft
Ein besonderes Erlebnis war die Jugendeuropameisterschaft 2023 im italienischen Il Ciocco. Eine Woche lang fanden mehrere Rennen statt – Einzelund Teamwettkämpfe. Cyril Kupper klassierte sich im grossen Schlussrennen auf Rang 63 von rund 136 Fahrern. «Für uns alle war das sehr eindrücklich», erzählt sein Vater. Die Familie unterstützte ihn vor Ort.
Am 14. März startet der junge Sportler in Verona in die neue Saison – danach folgt beinahe wöchentlich ein Rennen. Nach der Lehre möchte er voll auf den Sport setzen.
Trotz Ambitionen bleibt Cyril Kupper bodenständig. In Elgg ist er gut verankert, war Fähnrich der Äschligesellschaft und pflegt seine Freundschaften. «Sport ist ein Ausgleich – zwei Welten. Man muss Freude daran haben. Wenn Eltern sagen, man müsse Sport machen, funktioniert es nicht.» Seine Mutter sagt rückblickend: «Er wollte das immer selbst. Wir unterstützen ihn – aber den Weg muss er allein gehen.»
Mit seiner Herzlichkeit und Offenheit empfing Cyril Kupper die Redaktorin, und seine Begeisterung, immer weiterzukommen und seine Ziele zu verfolgen, war dabei deutlich zu spüren.
EMANUELA MANZARI
Porträt: Cyril Kupper
Geburtsdatum: 3. Juli 2008
Wohnort: Elgg
Familie: Eltern Thomas und Vreni Kupper, ein jüngerer Bruder Andrin Sport: Mountainbike/Cross Country
• Beginn im Biketeam Aadorf (4. Klasse)
• Wechsel zum RV Winterthur
• Mitglied Pasolino Racteam des RV Winterthur
• Regionalkader Swiss Cycling
• Talentkarte Swiss Olympic
• Teilnahme Jugendeuropameisterschaft 2023 (Il Ciocco, ITA)
Trainer: Georg Hasselmann, Medbase Winterthur
Beruf: Lernender Konstrukteur EFZ, AZW Winterthur
• Werkstattpraxis (Schweissen, Drehen, Fräsen)
• Technisches Zeichnen / Maschinenbauteile konstruieren
Saisonstart 2026: 14. März in Verona Ziel: Profi werden – Teilnahme an Weltcup-Rennen und Olympia
Weitere Informationen auf: www.cyrilkupper.ch



