«Zämä gahts besser»
22.01.2026 KolumneEs sind oft die feinen Klänge, ja sogar die nonverbalen Nuancen, die den Ton angeben: ein kurzer Schwatz vor dem Dorfladen, ein freundliches Lächeln auf dem Spazierweg entlang der Felder zwischen Aadorf, Elgg und Hagenbuch, ein paar Sätze am Bahnhof, während man auf den Zug ...
Es sind oft die feinen Klänge, ja sogar die nonverbalen Nuancen, die den Ton angeben: ein kurzer Schwatz vor dem Dorfladen, ein freundliches Lächeln auf dem Spazierweg entlang der Felder zwischen Aadorf, Elgg und Hagenbuch, ein paar Sätze am Bahnhof, während man auf den Zug wartet. Nichts Weltbewegendes – und doch genau das, was Zusammenhalt ausmacht.
Oft frage ich mich: Wie gelingt uns dieses Miteinander eigentlich am besten?
Möglicherweise mit etwas mehr Wohlwollen. Mit der Bereitschaft, dem Gegenüber zunächst gute Absichten zu unterstellen. Mit einem «Lass gut sein», wo Rechthaben keine Goldmedaille hervorbringt. Oder mit einem Augenzwinkern, das sagt: «Wir müssen nicht immer gleicher Meinung sein, um miteinander auszukommen.» Was ist aus dem guten alten «Yes, we can!» geworden?
Aus jener Selbstverständlichkeit, mit der man sich aufeinander verlassen konnte, in der ein Wort galt und Teamgeist nicht theoretisch philosophiert, sondern aktiv gelebt wurde? Geteiltes Leid war halbes Leid und gemeinsames Anpacken gehörte selbstverständlich dazu; ob im Verein, bei einem Anlass oder einfach dann, wenn jemand Hilfe brauchte.
Gerade hier, wo man sich beim Einkaufen begegnet, sich vom Sportplatz her kennt oder schon seit Jahren immer wieder über den Weg läuft, war gelebte Gemeinschaft lange mehr als eine nette Phrase. Unterschiedlich in den Ansichten, verschieden in den persönlichen Wegen – und doch verbunden durch das Wissen, dass man sich gegenseitig bereichern kann.
Das Geheimnis ihrer Stärke liegt darin, dass diese gelebte Gemeinschaft genau wegen unserer Unterschiede funktioniert.
Die Zeit scheint schnelllebiger zu sein, individueller, in manchen Bereichen anspruchsvoller und leider oft unnahbarer. Umso wertvoller ist die Erfahrung, dass wir nicht alles selbst tragen müssen. «Zämä gahts besser» ist keine nostalgische Floskel, sondern eine Erkenntnis, die sich im Alltag immer wieder bestätigt. Im Kleinen wie im Grossen; beim gemeinsamen Organisieren, beim Zuhören, beim füreinander Dasein.
Wenn wir einander mit Offenheit begegnen, wenn wir uns bewusst Zeit nehmen, statt vorschnell zu urteilen, entstehen Vertrauen, Sicherheit, Zuversicht – erstaunlich tragfähige Fundamente. Sie machen uns gelassener, grosszügiger und erinnern uns daran, das Leben nicht allzu schwer zu nehmen. Auch dann, wenn mal wieder nichts nach Plan verläuft.
Verschieden zu sein gehört zur Realität, ja zur Normalität. Dies fordert uns heraus, keine Frage. Aber gleichzeitig eröffnen sich uns kaleidoskopische Perspektiven und gelegentlich ein Schmunzeln darüber, wie bunt das Leben doch ist.
Vielleicht finden wir so Schritt für Schritt zurück zu dem, was uns trägt: zu Verbundenheit, Verlässlichkeit und dem guten Gefühl, nicht allein unterwegs zu sein.
Und manchmal ist die beste Antwort auf vieles ganz einfach:
Zämä gahts besser.

