SP oder Service Public?
24.01.2026 KolumneDie Nerven bei der SRG liegen derzeit blank, stimmen wir doch anfangs März darüber ab, ob die Radio- und Fernsehgebühren künftig wieder auf ein vernünftiges Mass gesenkt werden sollen. Blicken wir zurück: Frü- her war diese Gebühr an den tatsächlichen ...
Die Nerven bei der SRG liegen derzeit blank, stimmen wir doch anfangs März darüber ab, ob die Radio- und Fernsehgebühren künftig wieder auf ein vernünftiges Mass gesenkt werden sollen. Blicken wir zurück: Frü- her war diese Gebühr an den tatsächlichen Besitz eines Empfangsgeräts gebunden, notabene egal, ob man die Schweizer Kanäle konsumierte oder nicht. Mit allerlei politischen Tricks brachte man es fertig, dass nun alle Haushalte ihren Obolus an die SRG zu entrichten haben. Die danach engagierten, privaten Inkasso-Stellen arbeiteten zwar mit überschaubarer Professionalität, dafür mit umso fetteren Gewinnmargen, welche die SRG eigentlich selbst hätte einstreichen können. Im Zuge dieses politischen Tricks wurden auch alle Unternehmen zur Kasse gebeten, als ob Arbeitsplätze dazu da sind, um dort während der Arbeitszeit SRG-Programme zu konsumieren.
Die so nun sprudelnden Gelder führten dazu, dass insbesondere das Schweizer Fernsehen – weniger das Radio – mit immer mehr Geld immer weniger Qualität in die heimischen Stuben lieferte. Der Personaletat stieg und steigt weiter an. In den Sportsendungen analysieren Heerscharen von Experten, was man auf dem Rasen, dem Eisfeld oder auf der Abfahrtspiste hätte besser machen können. In den Wettersendungen erfährt man zunächst in epischer Länge, wie das Wetter gewesen ist, bevor mit zunehmender Unsicherheit prognostiziert wird, wie es die kommenden Tage sein könnte. Die Korrespondenten in aller Welt entfernen sich lieber aus der Gefahrenzone und begeben sich in Deckung, wenn’s brenzlig wird. So philosophiert ein David Nauer bevorzugt in Wien darüber, was im Kampfgebiet der Ukraine derzeit abgeht. Über die Entführung des Venezuelanischen Staatchefs Maduro mutmasst eine Karen Naundorf im 7000 Kilometer entfernten Buenos Aires, was in Caracas abgegangen sein könnte. Ganz zu schweigen vom Auftritt eines Roger Aeblis in Washington, der dem zahlenden Zuschauer weder am 4. noch am 5. Januar nichts, aber wirklich gar nichts Hintergründiges über den Coup der Amis erzählen konnte. So müssen wir bereits dankbar dafür sein, wenn einem wenigstens ein Sebastian Ramspeck oder neu auch ein Thomas von Grüningen aus einem Hinterzimmer im Studio Leutschenbach die aktuelle Weltlage – aus welchen Quellen auch immer – erklären. Und dann ist man bei einem Arthur Honegger nie sicher, ob er bei seinen Anmoderationen im «10 vor 10» einfach aus Parteiprogramm der SP zitiert.
Die Medienlandschaft hat sich in den letzten Jahren gewaltig verändert. Mit der Ausbreitung des Internets kam eine neue Komponente hinzu. Private Anbieter durften vermehrt in den vormals abgeschotteten Rundfunk-Markt eintreten – verbunden mit allerlei wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Die Politik sorgte dafür, dass die SRG aus ihrem zwangsgebühren-überfüllten Honigtopf etwas Brosamen an die Privaten abgeben musste, nahm sie damit gewissermassen aber gleich in Geiselhaft, auf dass diese Sender ja nicht aufmüpfig werden. So wird nun gemeinsam darüber gejammert, dass mit der Annahme der Halbierungsinitiative, die sie so nämlich gar nicht ist, die SRG abgeschafft werde.
200 Franken sind in der Tat genug. Das ist keine exotische Forderung, sondern ein ordnungspolitischer Grundsatzentscheid: weniger Pflicht, mehr Augenmass. Und es ist auch ein Signal an einen Apparat, der sich über Jahre daran gewöhnt hat, dass das Geld im Strömen fliesst – egal, ob das Publikum einschaltet, wegzappt oder längst woanders seine Informationen holt. Das Publikum wird auch mit tieferen Gebühren weiterhin den notwendigen Service Public geliefert bekommen, darf dafür vermehrt auf SP-Botschaften verzichten!

