Quer gedacht: Frag doch KI!
07.11.2026 KolumneMir fehlt die zündende Idee für eine Kolumne. Bis Mittwoch vor Erscheinen sollte ich liefern. Der Termin naht! Ich überlege, ob ich über die Abstimmung zu den Waffenexporten etwas schreiben soll. Das kann ich in einem Satz. Die neuen Regelungen kommen für mich gar nicht ...
Mir fehlt die zündende Idee für eine Kolumne. Bis Mittwoch vor Erscheinen sollte ich liefern. Der Termin naht! Ich überlege, ob ich über die Abstimmung zu den Waffenexporten etwas schreiben soll. Das kann ich in einem Satz. Die neuen Regelungen kommen für mich gar nicht in Frage. Also Thema Bundesratswahlen? Nein, das ist ein gefundenes Fressen für die nationalen Medien, gehört nicht in unser Regionalblatt. Ich grüble weiter. Die Erlösung kommt von einem Kollegen an einer Sitzung. Frag doch KI! Ich staune. Soll ich im Ernst meine Kolumne, die nach meinem Verständnis eigene Gedanken und Betrachtungen über ein selbst gewähltes Thema enthalten soll, von einem Rechner schreiben lassen? Wie kann man nur!
Die Realität sieht so aus, dass uns KI längst in einem atemberaubenden Tempo überrollt hat. Natürlich, ich finde es auch toll, in Sekundenbruchteilen Antworten und Texte auf unterschiedlichste Fragen und Themen zu erhalten. Aber ich frage mich schon, was das mit uns macht, wenn wir das Denken dermassen auslagern. Selber denken, eigenes Urteilsvermögen, das macht doch den Menschen aus, oder! Es wird wie immer zwei Seiten geben. Computer und KI können entlasten, Routinearbeiten erledigen, Protokollierungen und Übersetzungen besorgen, Vorschauen auf Veranstaltungen verfassen und vieles andere mehr. Heikler wird es vermutlich, wenn ich an die mir naheliegenden Bereiche Juristerei oder an die Tätigkeit von Pfarrpersonen denke. Will ich wirklich, dass nicht die Anwältin die Rechtsschrift oder der Richter das Urteil schreibt sondern KI? Soll ich mir vorstellen, dass wenn tausende von Predigten digitalisiert wären, nicht die Pfarrerin oder der Pfarrer predigt sondern faktisch KI? Oder will ich statt persönlicher Worte des Festredners am 1. August eine Rede von KI hören? Denken wir ferner an die Robotik, die noch tausende von Arbeitsplätzen vernichten wird, schwirrt uns erst recht der Kopf. Wie schnell finden wir Antworten auf Fragen wie: Welche Berufe soll man überhaupt noch ausbilden? Welche Lehrgänge müssen innert kürzesten Fristen umgebaut werden? Und was passiert mit all den Menschen, die keine Aufgabe mehr haben werden? Da wird uns meines Erachtens das Thema Grundeinkommen wieder einholen.
Noch ein anderes Beispiel: Kürzlich habe ich auf youtube (ich weiss, auch wieder sowas digitales … aber tolles) eine sensationelle Blues Sängerin entdeckt. Super Sound, Wahnsinns Stimme, toller Text – eine echte Trouvaille denke ich. Aber, worauf stosse ich kurz darauf? Sie ist KI generiert. Was zur Frage führt, die Seiten füllen würde, wie wir überhaupt noch merken können, ob etwas echt oder künstlich digital ist.
Zum Schluss frage ich doch noch KI, nämlich, was KI nicht beantworten kann. Zwei der Antworten lauten:
Künstliche Intelligenz kann keine Fragen mit echter persönlicher Erfahrung, echtem Bewusstsein, echten Gefühlen oder unvorhersehbaren Logiken korrekt beantworten.
Fragen nach echten eigenen Empfindungen kann KI nicht beantworten, da sie keine Gefühle besitzt und nichts empfindet.
Wie tröstlich!

