Ich möchte mich nicht ausführlich zur laufenden Kampagne für die Neutralitätsinitiative äussern, sondern schon etwas vorausblicken. Im November folgt die nächste wichtige Abstimmung, nämlich ausgerechnet zum Waffenexport. Dieses Stichwort vermisse ich in den ...
Ich möchte mich nicht ausführlich zur laufenden Kampagne für die Neutralitätsinitiative äussern, sondern schon etwas vorausblicken. Im November folgt die nächste wichtige Abstimmung, nämlich ausgerechnet zum Waffenexport. Dieses Stichwort vermisse ich in den pathetischen Begründungen zur Initiative. Ich meine, wenn man denn schon so schampar neutral sein wollte, wie die Initiative vorsieht, müsste man konsequenterweise auch gegen jegliche Waffenexporte sein. Strikt neutrale Schweiz hiesse doch, gar keine Waffen mehr irgendwohin zu liefern, sondern nur für den Eigenbedarf zu produzieren. Davon lese ich aber keine Zeile. Und wie verträgt sich umgekehrt der verknorzte Kauf des F35 angesichts der aktuellen immer irrer werdenden amerikanischen Regierung mit Neutralität?
Gegen Neutralität im Sinne von Unparteilichkeit spricht ja nichts. Kein Mensch in unserem Land will Krieg. Das könnte man aber aufgrund der seit Wochen hängenden Plakate meinen. Das Problem an der Initiative liegt ganz klar in der Bestimmung, dass die Schweiz keine Sanktionen gegen ein Krieg führendes Land oder ein anderes gewalttätiges Regime mehr unterstützen und mittragen dürfte (konkret steht im Moment natürlich Russland im Fokus). Sich auch da raushalten zu wollen, ist mit Blick auf aktuelle Konflikte nur eigennützig wenn nicht feige. Abgesehen davon hat sich die Schweiz in der Vergangenheit nicht nur mit Ruhm bekleckert. Sie hielt oft zu denen, wo sie profitieren konnte, Stichwort Apartheid Regime in Südafrika und viele andere.
Apropos Waffen: Der Präsident der SVP fuchtelt gerne mit einer Hellebarde herum und die Anhängerschaft trägt rote Hellebärdchen im Knopfloch am Tschoppe. Führen wir uns mal vor Augen, was eine Hellebarde ist. Sie war vor dem Aufkommen der Schusswaffen eine effiziente Stich-, Schlag- und Reisswaffe. Man konnte damit Gegner aufspiessen oder mit dem obliegenden Haken einen Reiter vom Pferd reissen und dann mit dem Hiebteil erschlagen oder köpfen. Schön, sich das plastisch vorzustellen, oder! Und diese martialische Waffe soll im Ernst als Symbol dienen für Unabhängigkeit und Selbstbewusstsein der Schweiz? Mir graust. Und Ihnen? Da wäre mir dann doch das Alphorn lieber, Symbol für traditionelle Alpwirtschaft, Zusammenhalt, Brauchtum und Musik, die ans Herz geht:
«S’Schwizerländli isch nu chli, aber schöner chönts nid si.
Gang it Wält, so wit du wit, schönri Ländli gits gar nid.»