Junger Elgger Sportler verbindet Faustball und Banklehre
21.04.2026 Elgg, AadorfIntensives Faustball-Training, Schweizermeisterschaften und internationale Einsätze mit der Nationalmannschaft und daneben eine KV-Lehre bei der Raiffeisen Aadorf: Fabrice Broccon aus Elgg verfolgt trotz des grossen Aufwands seine sportlichen und beruflichen Ziele und geniesst auch seine ...
Intensives Faustball-Training, Schweizermeisterschaften und internationale Einsätze mit der Nationalmannschaft und daneben eine KV-Lehre bei der Raiffeisen Aadorf: Fabrice Broccon aus Elgg verfolgt trotz des grossen Aufwands seine sportlichen und beruflichen Ziele und geniesst auch seine Freizeit.
Dreimal pro Woche geht es für Fabrice Broccon aus Elgg abends nach der Arbeit oder der Schule für zweieinhalb Stunden ins Faustballtraining bei der FG Elgg-Ettenhausen. Zusätzlich absolviert er ein bis zwei Krafttrainings im Fitnessstudio. Am Wochenende ist er an Meisterschaftsspielen im Einsatz. Beruflich befindet sich der Elgger mit einer KV-Lehre bei der Raiffeisenbank in Aadorf auf dem Weg ins Erwachsenenleben. Als Schüler bis zur zweiten Sek habe er zusätzlich noch regelmässig Fussball und Tennis gespielt und trainiert. Ein scheinbar übervoller Terminkalender. Doch: «Wenn man sich richtig organisiert, bleibt auch noch Zeit für anderes», ist er überzeugt.
Zum Faustball kam der heute 18-Jährige bereits in der ersten Klasse. Damals habe ein Nachwuchstrainer die Sportart in der Schule vorgestellt, erzählt er. «Mir hat es gefallen und seitdem spiele ich Faustball.» Sportliche Vorbilder in der Familie habe es keine gegeben. «Es ist einfach so entstanden, weil Faustball in Elgg weit verbreitet ist und man die Sportart hier gut kennt.» Sein Zwillingsbruder spiele Fussball, seine Schwester sei früher im Geräteturnen aktiv gewesen. «Für beide ist Sport aber ein reines Hobby.»
Schweizer Meister, Europa- und Weltmeisterschaft
Die ersten Erfolge liessen beim faustballbegeisterten Jugendlichen nicht lange auf sich warten. Bereits in der U10 gewann er seinen ersten Schweizer Meistertitel. Nach einigen Jahren ohne Titel sei für ihn ab der U14 eine besonders erfolgreiche Phase gekommen. «Wir haben serienweise gewonnen», sagt Fabrice Broccon. Weitere Schweizer Meistertitel folgten in der U14, zweimal in der U16 sowie nochmals in der U18. Mit 15 Jahren sei er zum ersten Mal in der U18-Nationalmannschaft dabei gewesen. Heute spielt der junge Sportler in der Nationalliga B.
Zudem gehört er aktuell zum erweiterten U21-Kader der Nationalmannschaft. Internationale Erfahrung sammelte er bereits mehrfach: 2023 an der Europameisterschaft in Münchwilen, 2024 an der U18-Weltmeisterschaft in Chile und 2025 an der Europameisterschaft (EM) in Österreich. Auch dieses Jahr steht ein internationaler Anlass bevor. Dieses Mal mit der U21-Nationalmannschaft in Deutschland. «Die Chancen sind da, aber als jüngster Jahrgang bin ich nicht unbedingt Leistungsträger», sagt Broccon mit Blick auf die bevorstehende Selektion. Diese sei für ihn eine Herausforderung. «Die Leistungsdichte ist klein, das heisst, dass viele auf gleichem Niveau spielen.» Von 25 Spielern wird bei zwei Selektionsdurchgängen im Mai auf 14 und im Juli auf 10 Spieler reduziert, die schliesslich an der EM teilnehmen können.
Sportförderung mit Talent und Elite Card
Im Rahmen der Sport-Förderung hatte der Elgger Sportler bisher die nationale Talent Card von Swiss Olympic. In der U21 folge nun die Elite Talent Card, erklärt er.
Neben dem Sport legt Fabrice Broccon auch Wert auf seine berufliche Laufbahn. Für die KV-Lehre bei der Raiffeisen Aadorf habe er sich bewusst entschieden. «Mir gefällt bei der Bank, dass man viele verschiedene Abteilungen kennenlernt», sagt er. Besonders zugesagt habe ihm bisher die Arbeit in der Privatkundenberatung der Geschäftsstelle Wiesendangen, wo er gleichzeitig Einblick in die Anlageund die Kreditberatung erhalten habe. Danach stehe ihm vieles offen. Das Kaufmännische liegt in der Familie. Sein Bruder absolviert ebenfalls das KV, sein Vater arbeitet als Geschäftsführer, seine Mutter als Buchhalterin. Die Schwester befindet sich in der Ausbildung zur Fachfrau Gesundheit.
Dass sich Spitzensport und Ausbildung vereinbaren lassen, sei nur dank der grosszügigen Unterstützung des Arbeitgebers und der Schule möglich. Für Trainingslager und internationale Einsätze werde er freigestellt, so der Elgger Sportler. «Die Tage, die ich für den Sport brauche, bekomme ich frei.» Den verpassten Schulstoff müsse er jedoch selbst nacharbeiten. Zudem sei er vom Sportunterricht dispensiert. «Da habe ich zusätzliche Zeit, um Hausaufgaben zu machen.» Ferientage würden ihm in der Bank dafür keine abgezogen.
Sportliche und berufliche Ziele
Sein sportliches Ziel ist klar die Nati A. Dass man mit Faustball den Lebensunterhalt nicht verdienen könne, sei ihm bewusst. «Das ist eher ein Profi-Hobby», sagt er. Faustball sei auch keine olympische Disziplin. Aber es gebe die World Games. Doch diese seien für ihn noch in weiter Ferne. «Dafür müsste man im A-Kader bei den Herren sein.
Das dauert noch ein paar Jahre», so Broccon.
Im Sommer macht Fabrice Broccon, der zurzeit im dritten Lehrjahr ist, seinen Abschluss. Danach arbeitet er bis zur Rekrutenschule weiter bei der Bank. Auch beim Militär gebe es eine Sportförderung – entweder gezielt als Militärsportler oder in Form von Dispensationen, ähnlich wie in der Ausbildung. Was er danach macht? «Da muss ich noch evaluieren», sagt er. «Aber ich tendiere dazu, weiter bei der Raiffeisenbank zu arbeiten.»
Trotz des vollen Programms bleibt auch Zeit für anderes. In seiner freien Zeit trifft Fabrice Broccon Kollegen, spielt Tennis oder Padel-Tennis und reist gerne. «Nur in der Saison spürt man schon, dass man wenig Freizeit hat», räumt er ein.
BETTINA STICHER




