«Befiehl du deine Wege»
Mit dem Ewigkeitssonntag, in diesem Jahr der 22. November 2026, endet das evangelische Kirchenjahr. In einem Gottesdienst gedenken wir aller in den letzten 12 Monaten Verstorbenen.
Wenn wir von einem Menschen Abschied nehmen, dann ...
«Befiehl du deine Wege»
Mit dem Ewigkeitssonntag, in diesem Jahr der 22. November 2026, endet das evangelische Kirchenjahr. In einem Gottesdienst gedenken wir aller in den letzten 12 Monaten Verstorbenen.
Wenn wir von einem Menschen Abschied nehmen, dann blicken wir zurück auf die Zeit, die wir miteinander erlebt haben. Wir denken an schöne und vergnügte Stunden, Höhepunkte des miteinander gestalteten Lebens. Wir denken auch an Verletzungen und Missverständnisse, mit denen wir einander das Zusammenleben erschwerten. Wir denken an Krisen, die wir so gut wie möglich miteinander bewältigten und wo wir einander von unbekannten Seiten erlebten.
Und wir werden auch damit konfrontiert, unserem eigenen Älterwerden und unserer Endlichkeit ins Auge zu blicken.
Herausfordernd ist dies, zumal die Tage in dieser Jahreszeit sowieso schon kürzer werden, und Dunkelheit und Nebel manchen Menschen aufs Gemüt drücken.
Was baut uns dann auf? Was schenkt uns Hoffnung?
Der Dichter Paul Gerhardt hat vor rund 375 Jahren für sich in Psalm 37,5 die Antwort auf diese Fragen gefunden: «Befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn; er wird’s wohl machen.»
Aus diesem Vers formte er das vertrauensvolle Lied «Befiehl du deine Wege».
Das ganze Lied ist eine Auslegung von Psalm 37,5, und wenn wir die Anfangswörter der zwölf Strophen von oben nach unten lesen, – sie sind im Gesangbuch kursiv gedruckt – dann ergibt sich genau dieser Psalmvers: «Befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn; er wird’s wohl machen.»
Paul Gerhardt kommuniziert interaktiv mit der Dichtkunst des Psalms und erfüllt diesen mit neuem Leben. Fast jede Liedstrophe ist emotional geladen und beschreibt seelische Zustände, wie z.B. Kummer, Sorgen, Not, Leid, Tod, Sterblichkeit, Kränkung und Schmerz. Immer geht es um die Gefahr, dass wir Menschen im und am Leben scheitern könnten.
Paul Gerhardt kennt all diese Bedrohungen und das Leid aus eigener Erfahrung. Aber er bleibt nicht beim Leid stehen. Seine Antwort auf alle Herausforderungen dieses Lebens spricht er mit den Worten aus Ps 37,5: «Befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn; er wird’s wohl machen.» Oder eben: «Befiehl’ du deine Wege…!»
Blick nach vorne, lass dich nicht gefangen nehmen, von dem, was dir Angst macht und dich erstarren lässt. Dann wirst du inmitten deiner Krise hoffentlich den Abstand bekommen, der so wichtig ist. Dann wirst du selbst erkennen, dass da noch jemand anderes ist. Dass du in deiner Not und in deiner Angst nicht alleingelassen bist, sondern dass Gott selbst, dieser manchmal so rätselhafte, undurchschaubare Gott, dennoch da ist und dich begleiten und stärken will!
STEFFEN EMMELIUS, PFARRER EVANGELISCHE KIRCHGEMEINDE AADORF-AAWANGEN
Zum Mitnehmen in den Alltag
Höre oder singe ein ermutigendes Lied: «Befiehl du deine Wege», «Tears in heaven» (Eric Clapton), «Let it be» (Beatles), «Joy» (Raye) uvm.