Jedes Jahr das gleiche Spiel: Die Krankenkassenprämien steigen. Und jedes Jahr wird uns erklärt, weshalb dies unvermeidbar sei. Nun plant der Bundesrat sogar, die Mindestfranchise von 300 auf 400 Franken zu erhöhen. Gleichzeitig soll sie künftig automatisch weiter steigen, ...
Jedes Jahr das gleiche Spiel: Die Krankenkassenprämien steigen. Und jedes Jahr wird uns erklärt, weshalb dies unvermeidbar sei. Nun plant der Bundesrat sogar, die Mindestfranchise von 300 auf 400 Franken zu erhöhen. Gleichzeitig soll sie künftig automatisch weiter steigen, solange die Gesundheitskosten zunehmen. Eine Obergrenze? Fehlanzeige.
Da stellt sich eine einfache Frage: Wo soll das eigentlich hinführen?
Für viele Familien, Rentnerinnen und Rentner sowie Menschen mit tiefem Einkommen sind die Krankenkassenprämien längst zu einer der grössten finanziellen Belastungen geworden. Wer krank ist, bezahlt bereits heute hohe Prämien, Franchise und Selbstbehalte. Nun sollen die Betroffenen noch tiefer in die eigene Tasche greifen.
Dabei spart eine höhere Franchise nicht automatisch Kosten. Wer chronisch krank ist oder regelmässig medizinische Betreuung benötigt, wird deswegen kaum seltener zum Arzt gehen. Die Rechnung landet einfach nicht mehr bei der Krankenkasse, sondern direkt bei den Patientinnen und Patienten. Kosten verschwinden dadurch nicht – sie werden lediglich verschoben.
Besonders stossend erscheint der geplante Automatismus. Steigen die Gesundheitskosten, steigt die Franchise gleich mit. Ohne Deckel, ohne klare Grenze. Doch irgendwann muss sich die Politik die Frage gefallen lassen, wie viel Eigenverantwortung und Eigenbeteiligung der Bevölkerung überhaupt noch zugemutet werden kann.
Natürlich ist unbestritten, dass die Gesundheitskosten ein Problem darstellen. Doch warum wird immer zuerst bei den Versicherten angesetzt? Warum diskutiert man weniger über überhöhte Medikamentenpreise, unnötige Behandlungen oder fehlerhafte Abrechnungen? Dort entstehen Milliardenkosten, die letztlich ebenfalls von den Prämienzahlern getragen werden.
Die Menschen haben zunehmend den Eindruck, dass sie für ein System bezahlen müssen, dessen Kosten sie kaum beeinflussen können. Und genau deshalb wächst der Unmut. Die Frage ist nicht mehr, ob die Schmerzgrenze erreicht wird, sondern ob sie für viele nicht längst überschritten ist.
Wer das Vertrauen der Bevölkerung erhalten will, muss Antworten liefern. Es braucht innovative Lösungen um die Kosten zukünftig zu senken.