Ich vermute, wir alle kennen diese Frage gut. Sie ist uns in unserem Leben schon oft in verschiedensten Situationen begegnet. Zum ersten Mal wurde sie Ihnen vielleicht gestellt, als Sie mit dem Nagellack vom Mami die Puppe angemalt oder ihr mit der Nagelschere die Haare geschnitten haben. In ...
Ich vermute, wir alle kennen diese Frage gut. Sie ist uns in unserem Leben schon oft in verschiedensten Situationen begegnet. Zum ersten Mal wurde sie Ihnen vielleicht gestellt, als Sie mit dem Nagellack vom Mami die Puppe angemalt oder ihr mit der Nagelschere die Haare geschnitten haben. In diesem Fall drückte die Frage wohl weniger Wissensdurst als Entsetzen aus. Wurde der Teenager beim Studieren von Sexheften ertappt, war die Frage – Sie werden zustimmen – einfach nur peinlich. Viel besser erging es uns auch nicht, wenn wir als Schüler, statt den geforderten Aufsatz zu schreiben, gelangweilt und ideenlos aufs Blatt kritzelten und der Lehrer mit hochgezogenen Augenbrauen die erwähnte Frage stellte.
Als überflüssig werden wir die Frage bezeichnen, wenn wir am Ferienort unverhofft auf Bekannte oder gar Nachbarn treffen und sie uns aus lauter Überraschung und Verlegenheit mit dem «Ja, was mached dänn Ihr da?» konfrontieren. «Ja, was wohl?» werden wir als Antwort nur denken und dem Frieden zuliebe sicher nicht aussprechen. Vielmehr werden wir vorschützen, wir hätten uns angesichts des Regenwetters zu Hause ganz kurzfristig entschlossen … und etwas so genannten Smalltalk pflegen.
Die Frage kann aber natürlich auch eine Ernsthafte sein und unter anderem dazu dienen, dass uns etwas erklärt wird. Sie kann aus Gwunder erfolgen. Dann erklären Eltern ihren Kindern eine Verrichtung im Haushalt oder Garten oder Lehrmeister und Arbeitskolleginnen oder – kollegen demonstrieren einen Arbeitsvorgang. Auch im Umgang mit der IT und der zunehmenden Digitalisierung benötigen wir Anleitung und Unterstützung.
Speziell gerührt sind wir vermutlich, wenn wir als Grossvater oder Grossmutter gefragt sind. Enkeln etwas von unserem Tun erklären zu können, ist eine sehr dankbare Aufgabe, die von Herzen guttut.
Ein anderer Aspekt scheint mir zu sein, dass die Frage offen ist und eine Antwort zulässt. Mich dünkt – und ich bin, so glaube ich, nicht der Einzige –, dass in der heutigen Kommunikation kaum gefragt, sondern sofort geurteilt und kommentiert wird. Insbesondere in Kommentarspalten im Netz herrscht eine unglaubliche Lust am Belehren, altklugen Urteilen und Rechthaben.
Auf die zunehmenden unsäglichen Hasstiraden (Hater Phänomen) will ich gar nicht weiter eingehen. Sie sind Gift für eine friedfertige dialogfähige Gesellschaft und müssten mit den zur Verfügung stehenden Mitteln unterbunden werden. Ich kann bestens nachvollziehen, dass sich zum Beispiel Mitglieder des Bundesrates oder von Parlamenten nicht mehr alles gefallen lassen wollen.
A propos Regierung: Gerne würde ich die Titelfrage gewissen Präsidenten stellen (ich wähle aus naheliegenden Gründen nur die männliche Form). Würde sie die Herren zum Nachdenken anregen? Ich muss es leider bezweifeln.