Elgger Senioren blickten hinter Aadorfer Kulissen
17.10.2026 Aadorf, ElggDie Seniorenvereinigung Elgg und Umgebung besuchte am Donnerstag die KIFA AG in Aadorf. Die Teilnehmer erhielten spannende Einblicke in ein Familienunternehmen, dessen Verpackungen international zum Einsatz kommen. Die Firmeninhaber Ruedi und Urs Heim führten persönlich durch den ...
Die Seniorenvereinigung Elgg und Umgebung besuchte am Donnerstag die KIFA AG in Aadorf. Die Teilnehmer erhielten spannende Einblicke in ein Familienunternehmen, dessen Verpackungen international zum Einsatz kommen. Die Firmeninhaber Ruedi und Urs Heim führten persönlich durch den Betrieb.
Nicht nur unsere bestellten Alltagswaren müssen für den Transport verpackt werden, sondern auch Flugzeugteile, Maschinen oder andere heikle und empfindliche Geräte. Dank der Firma KIFA AG in Aadorf können solche Dinge sicher reisen.
Am vergangenen Donnerstagnachmittag bekamen 44 Mitglieder der Seniorenvereinigung Elgg und Umgebung an der traditionellen Firmenbesichtigung Hintergrundinformationen und persönliche Einblicke in die Arbeit des Unternehmens.
CEO Ruedi Heim begrüsste die Besucher. Gemeinsam mit seinem Bruder Urs Heim führt er das Familienunternehmen seit über 20 Jahren in vierter Generation. Nach einer ausführlichen Präsentation zur Firmengeschichte, den Tätigkeitsbereichen und aktuellen Herausforderungen ging es in zwei Gruppen auf einen Rundgang durch die Produktionshallen.
20’000 unterschiedliche Kistengrössen
Die KIFA AG wurde am 30. Oktober 1919 gegründet. Im Jahr 2000 übernahmen die Brüder Heim die Geschäftsführung von ihrem Vater und ihrem Onkel. 2005 entstand in Aadorf eine grosse Produktionshalle. Heute beschäftigt das Unternehmen an verschiedenen Standorten rund 120 Mitarbeitende. Seit 2016 gehört auch Airbus zu den Kunden. Daher ist die KIFA AG auch mit einem Büro in Hamburg präsent.
Das Kerngeschäft des Unternehmens ist das Entwerfen und Herstellen von Holzverpackungen sowie das fachgerechte Verpacken von Waren. Die Auftraggeber stammen laut Heim hauptsächlich aus dem Maschinenbau, der Medizinaltechnik, der Luftfahrt oder der Fahrzeugindustrie. Pro Jahr führe man etwa 30’000 Aufträge aus, und zwar weitgehend digital, vom Auftrag bis zur Rechnung.
Dass eine Kiste mehr ist als «ein paar zusammengenagelte Bretter», wie er sagte, verdeutlichte Ruedi Heim eindrücklich. Sie haben die Aufgabe, die Ware zu schützen, einerseits mechanisch, aber auch vor Kälte, Hitze und Nässe. Zudem gebe es immer mehr Verpackungsvorschriften. Jährlich werden rund 62’000 Kisten hergestellt, durchschnittlich 250 pro Arbeitstag. In den vergangenen fünf Jahren produzierte KIFA AG knapp 20’000 unterschiedliche Kistengrössen.
Effizienz dank Digitalisierung
Eine wichtige Voraussetzung für die effiziente Produktion ist die Digitalisierung. «In den letzten Jahren haben wir stark in die Digitalisierung investiert», sagte der CEO. Die Digitalisierung sei ein zentraler Hebel, um wettbewerbsfähig zu bleiben und den Kunden den bestmöglichen Service zu bieten. Die digitale Plattform sei heute das Herzstück der Dienstleistungen des Unternehmens.
Im Extremfall könne eine bestellte Kiste innerhalb von vier Stunden produziert und ausgeliefert werden. Das sei besonders wichtig, weil die endgültigen Masse einer Verpackung oftmals erst bekannt seien, wenn eine Maschine für den Transport zerlegt worden sei. Gemeinsam sei den Kunden, dass sie hochwertige Produkte herstellen und auch exportieren.
Ein Blick in die Produktionshallen
Nach der Präsentation teilten sich die Besucher in zwei Gruppen auf. Unter der Führung von Ruedi und Urs Heim ging es durch die Produktionshallen, wo trotz moderner Maschinen auch handwerkliche Arbeit geleistet wird. Automatisierte Anlagen und Roboter übernehmen einen grossen Teil der Routinearbeiten. An verschiedenen Stationen erläuterten die beiden Firmeninhaber die Arbeitsabläufe und zeigten Beispiele von Verpackungen für unterschiedliche Industriegüter.
Die Teilnehmer konnten verfolgen, wie Holz zugeschnitten, bearbeitet und zu Kisten zusammengesetzt wird, und dazwischen Fragen stellen, sofern es von den Produktionsgeräuschen her möglich war. Den Männern gefiel die produktive, lebendige, nach Holz und Metall riechende Atmosphäre, in der nebst der Maschinenarbeit auch angepackt wurde und man aufpassen musste, nicht von einem Gabelstapler überfahren zu werden, sichtlich.
Rund 95 Prozent des verwendeten Holzes sind gemäss Ruedi Heim Nadelhölzer, hauptsächlich Fichte und Tanne. Der jährliche Holzbedarf beträgt etwa 30’000 Kubikmeter. Rund 60 Prozent stammen aus der Ostschweiz, der Rest aus Vorarlberg und dem Schwarzwald. Damit erfolgt die Beschaffung überwiegend in einem Umkreis von etwa 100 Kilometern, wie der Firmeninhaber auf eine Frage aus den Reihen der Besucher erklärte.
Besonderes Augenmerk gilt auch der Qualität des Holzes. Gerade bei automatisierten Arbeitsabläufen können Unregelmässigkeiten zu Störungen führen. Plattenkisten werden von Hand genagelt, da sie sich laut Heim nicht so gut für die automatische Kistenstrasse eignen.
Die Besucher erfuhren zudem, dass empfindliche Maschinenbauteile vor dem Verpacken fotografiert werden, und wie spezielle Transportvorrichtungen beispielsweise Flugzeugteile vor Beschädigungen schützen.
Aus den Holzresten wird Wärme für Aadorf
Ein weiteres Thema war die nachhaltige Nutzung der Holzreste. Was bei der Produktion übrig bleibt, wird zur Wärmeerzeugung genutzt. Das Aadorfer Fernwärmenetz entstand auf Initiative des Vaters der heutigen Firmeninhaber. Jährlich erzeuge man rund 8,6 Millionen Kilowattstunden Wärme. Das entspreche rechnerisch dem Bedarf von etwa 1100 Einfamilienhäusern. KIFA AG selbst benötige davon lediglich rund zehn Prozent. Der grösste Teil versorge unter anderem Schulen, das Schwimmbad, das Altersheim, den Gemeindesaal und zahlreiche Wohnungen.
«Das Holz schützt die Kundenware und wird zu Wärme fürs Dorf», freut sich Ruedi Heim über die gelungene doppelte Verwendung.
Auch neue Vorschriften zur Verpackung und zur Rückverfolgbarkeit von Holz beschäftigen das Unternehmen. Sie bringen zusätzliche Anforderungen und administrativen Aufwand mit sich. Nach dem abwechslungsreichen Rundgang blieb bei einem Apéro Gelegenheit, Fragen zu stellen. Albert Merz, Präsident der Seniorenvereinigung, bedankte sich mit «Hagenstaler Mannen» bei den Brüdern Heim für die Zeit, die sie sich extra für die Elgger Männer genommen haben. Ruedi Heim, der durch das Reiten in jungen Jahren eine besondere Beziehung zur Nachbargemeinde hat, wie er erklärte, freute sich über das Interesse der Besucher.
BETTINA STICHER




