Der Federdirigent: 297'114 Kilometer
30.07.2026 KolumneDer Federdirigent… schreibt sich augenzwinkernd von der Seele, was er nicht für sich behalten kann.
297'114 Kilometer
Es war die längste Reise unseres Lebens – nein nicht 297’114 Kilometer – nur ...
Der Federdirigent… schreibt sich augenzwinkernd von der Seele, was er nicht für sich behalten kann.
297'114 Kilometer
Es war die längste Reise unseres Lebens – nein nicht 297’114 Kilometer – nur 10’120 Kilometer in knapp sechs Wochen. Von der Schweiz zum Nordkapp und wieder zurück. Mit unserem Privatauto …, zumindest die ersten 8000 Kilometer der Reise. Dann ist der Zahnriemen unseres Schwedenpanzers gerissen und hat den Motor demoliert, einfach so – ohne Vorwarnung. Motor-Totalschaden! Dabei hatte der Volvo V60 erst 297’114 Kilometer auf dem Buckel. Ich habe damit gerechnet, dass ich die 333’333 noch voll machen werde. Wieder nicht! Schon mit dem Vorgänger habe ich das gleiche Ziel gehabt, einem V50: Auch dieser gab mit dem gleichen Kilometerstand auf: 297’000 km! Zylinderkopf explodiert! Ist dieser Kilometerstand eine Sollbruchstelle bei Volvo?
Aber jeder kriegt eine dritte Chance. So fahre ich heute mit einem vollektrischen Volvo XC40 rum. Früher als geplant auf elektrisch umgestellt. Da wir aber gerade dieses Jahr auch eine PV-Anlage mit Speicher installiert haben, trifft sich das gut. Warum aber eine dritte Chance? Vermutlich bin ich ein unverbesserlicher Optimist und einfach in diese Automarke vernarrt. Wenn ich mir das gleiche Ziel nun mit diesem Occasionsgefährt stecke, mit meinen (normalerweise) rund 10’000 Kilometern pro Jahr, dann werde ich erst in 22,5 Jahren auf der Strecke bleiben. Vielleicht wäre es dann der richtige Zeitpunkt, um mit dem Autofahren aufzuhören …, mit 81. Ich steige dann auf die etabliert autonom fahrenden Autos um und gut ist!
Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen! Ich musste es ein paar Mal hören und andere dachten es wohl klammheimlich (auch du, lieber Leser?):
Warum geht man mit einem Auto, das einen Kilometerstand von 289’761 Kilometer hat, eine 10’000km-Reise an?
Nun – wie soll ich herausfinden, ob dies eine gute oder schlechte Entscheidung war, wenn ich es nicht ausprobiere? Es hätte ebenso gut gut gehen können, denn warum reisst ein Zahnriemen, wenn die Servicetermine eingehalten wurden? Dürfte ja gar nicht passieren, das hat mir sogar ein ehemaliger Automechaniker gesagt und dieses Ereignis als negativen Lotto-6er eingestuft. Jeder andere kleine Schaden hätte wohl problemlos repariert werden können. Aber mit einem Schaden von rund Fr. 10’000 Franken bei einem 15-jährigen Diesel mit so vielen Kilometern? Da hat man halt das Geschenk.
Nicht genug mit Geschenken: Mit unserem Pannendienst hatten wir auch ein Geschenk! Den vollen Namen möchte ich gar nicht erwähnen (beginnt einfach mit A und hört mit CS auf). Der «nette Herr» auf der anderen Seite wollte oder konnte uns partout kein adäquates Ersatzfahrzeug finden. Zu speziell seien unsere Wünsche. Aber wir wollten doch nur einen Kombi mit einer Anhängerkupplung? Was war daran so schwierig? Schliesslich hatten wir zwei E-Bikes dabei (auf einer Anhängerkupplung) und viel Gepäck und eine teure Kühlbox. Einen halben Tag lang hat er danach gesucht (wirklich?). Irgendwann sagte der «nette» Herr: «Schauen Sie selbst weiter, ich kann Ihnen nicht mehr helfen.»
Und als er uns dann noch vergebens zum Flughafen geschickt hatte (Taxi hin und zurück selber bezahlt), «häts mer de Nuggi usetätscht!» Ich habe dann selbst mit einem renommierten Autovermieter in der Schweiz telefoniert, der ebenfalls Schwierigkeiten hatte, ein passendes Fahrzeug für uns zu finden, aber zwei Stunden nach unserem Telefonat kam die frohe Botschaft: «Ich habe ein Auto gefunden, sie können es morgen um 9 Uhr abholen!» Na also – geht doch?
Wir haben die Ferien ein paar Tage kürzer gehalten, konnten dann aber unsere Rückreise mit einem Toyota Hilux (Pickup-Monster) doch noch geniessen.
Was bleibt? Eindrücke von einer wunderschönen Reise mit zwei stressigen von insgesamt 40 wundervollen Reisetagen. Und der Eindruck, dass es besser nicht hätte enden können. Mit einem XC40 in der Garage, der über unsere selbst generierte Sonnenenergie geladen wird.
Aber eine Frage bleibt mir unbeantwortet: Bietet eine Versicherung wirklich Sicherheit auf Reisen?
STEFAN WANZENRIED
federdirigent.ch


