Das weiss mä doch!
31.01.2026 KolumneEs werden jedes Jahr mehr Monopoly Noten als US-Dollar gedruckt. Monopoly Geld im Spielwert von 30 Milliarden, US-Dollar im Wert von nur einer Milliarde.
«Das weiss mä doch!»
Mit der Spucke, die ein Mensch in seinem Leben produziert, füllt man zwei ...
Es werden jedes Jahr mehr Monopoly Noten als US-Dollar gedruckt. Monopoly Geld im Spielwert von 30 Milliarden, US-Dollar im Wert von nur einer Milliarde.
«Das weiss mä doch!»
Mit der Spucke, die ein Mensch in seinem Leben produziert, füllt man zwei Swimmingpools. «Das weiss mä doch!»
Und im schweizerischen Nationalpark gibt es gleich viele Ameisen wie Steinböcke.
«Da weiss mä doch!»
Was für unnützes Wissen wir manchmal doch wissen müssten? Diese Frage stelle ich mir ab und zu in einseitig verlaufenden Diskussionen, wo ein Alphatier alles besser weiss. Realistischerweise müsste man dann nicht von «Diskussion» sprechen, sondern von «mitgelauschtem Selbstgespräch». Ich ertappe mich dabei, wie ich innerlich zurücklehne und zu sinnieren beginne, während der Alleinunterhalter munter seine «Das weiss mä doch»-Sprüche an den Mann und die Frau bringen möchte. Welche Ziele er (oder vielleicht auch sie) damit verfolgt, erschliesst sich mir nur selten. Oder müsste ich das auch wissen? Vermutlich unnützes Wissen mehr.
Der kleine Bruder und die aufmüpfige Schwester von «Das weiss mä doch!» ist «Das isch jetzt eifach so!» und «Isch doch logo?» Was haben diese Geschwister gemeinsam? Vielleicht Arroganz? Fehlende Empathie? Das könnte man meinen, aber ich glaube, es ist keines von Beidem, sondern einfach der falsche Ton. Denn wir wissen ja alle: Der Ton macht die Musik.
Als Informatiker muss ich allerdings gestehen, dass mir diese drei Geschwister sehr häufig begegnen, zumindest gedanklich in verwandter Form. Wenn ein IT-Kunde zum x-ten Mal mit dem gleichen Problem antrabt. «Gopf, das söttsch jetzt langsam wüsse!» denkt’s in einer «Das weiss mä doch»-Manier. «Natürlich zeig ich dir das gern!», säuselt‘s über meine Lippen!
Oder wenn ich im Fernsupport jemanden anweise, mal den Stromstecker vom Drucker zu ziehen und er dann fragt, welches Kabel das ist. Dann frage ich ihn möglichst unbefangen durch den Hörer: «Villicht isch es das Kabel, wo i de Stromsteckdose iigsteckt isch?» Innerlich schreit es: «ISCH
DOCH LOGO!»
«Gopf, das söttsch jetzt langsam wüsse!»
Und doch darf und muss ich immer wieder lernen, dass nicht alles, was ich weiss, andere wissen müssen, umgekehrt muss ich nicht alles wissen, was andere mir als fehlendes Wissen ankreiden. Vielleicht hat es mich einfach noch nie interessiert und ich habe mir noch nie Gedanken darüber gemacht. So wie Sie sich wohl noch nie Gedanken über zwei Swimmingpools voll Spucke gemacht haben – zumindest bis heute!
Ich habe festgestellt, dass erst Nichtwissen Wachstum ermöglicht durch neues Lernen! Wenn mich etwas zu interessieren beginnt, wächst auch das Bedürfnis nach Wissensaufbau und dann habe ich kein Problem zu lernen, was ich wissen will. Dann wird unnützes Wissen, das ich mir auch noch aneignen möchte, zum Bremsklotz, zur unnötigen Ablenkung. Schön fokussiert bleiben, auf das, was man wirklich wissen will, ist meine Devise.
Ich vermute, dass bei meinem letzten Beispiel mit den Ameisen und Steinböcken der flüchtige Gedanke «Das stimmt sicher nöd!» durch Ihre Hirnwindungen geflitzt ist, stimmt’s? Die Aussage, dass es gleich viele Steinböcke, wie Ameisen im Nationalpark gibt, ist jedoch korrekt, wie man einem Flyer der Akademie der Naturwissenschaften Schweiz aus dem Jahr 2011 entnehmen kann. Nur bezieht sie sich nicht auf die Anzahl, sondern auf die Biomasse der Tiere. Bei einer Population von rund 260 Steinböcken und Steingeissen (2009) und einem maximalen Gewicht von 110 kg für Böcke und 50 kg für Geissen, erreichen sie eine Biomasse von 18,5 Tonnen. Die 2,25 Milliarden Ameisen (15’000 Nester mit je 150’000 Arbeiterinnen) ergeben gemäss der Broschüre ebenfalls 18,5 Tonnen Biomasse Ameisen.
Jetzt überlasse ich es Ihnen, dieses Wissen über Steinböcke und Ameisen im Nationalpark sich anzueignen oder als unnütz zu vergessen. Ich sage nicht: «Das weiss mä doch!»
STEFAN WANZENRIED
FEDERDIRIGENT.CH



