Was ich noch sagen wollte ...
21.03.2026 KolumneWegschauen oder fernsehen?
Die sogenannte SRG-Halbierungsinitiative ist gescheitert – deutlich oder krachend bleibe dahingestellt. Aber eigentlich war schon der Name des Vorhabens falsch, denn er war mehr dem politischen Framing gewidmet und entsprach alles andere als einer exakten ...
Wegschauen oder fernsehen?
Die sogenannte SRG-Halbierungsinitiative ist gescheitert – deutlich oder krachend bleibe dahingestellt. Aber eigentlich war schon der Name des Vorhabens falsch, denn er war mehr dem politischen Framing gewidmet und entsprach alles andere als einer exakten mathematischen Beschreibung. Vielleicht hat diese um rund 11 Prozent falsche Berechnung ja einige des Kopfrechnens mächtigen Stimmberechtigten dazu bewogen, ein «Nein» in die Urne zu werfen.
Rückblickend analysiert, trotz gutem Start bei den ersten Umfragewerten, war das Vorhaben eh chancenlos. Gegen ein Quasi-Monopol-Medium hat man es immer schwer. Das weiss die Bevölkerung von Iran, Nordkorea oder Russland nur all zu gut. Auch wenn die Berieselung in unseren Breitengraden nicht gar so einseitig ist, so hat die SRG am Ende doch alle Register der Beeinflussung gezogen. Den Schwinger-Freunden wurde angedroht, dass man nicht mehr ganze Sonntage aus den Sägemehlringen berichten werde. Die Anhänger des gepflegten Jodelgesangs waren verunsichert, wie lange sie noch die «Musikwelle» hören können, und die Hüttenfanatiker glaubten, dass man auf das Porträt der noch nicht vorgestellten zwei Dutzend SAC-Hütten ab sofort verzichten müsse. Und auch die Fussballchaoten haben wohl dagegen gestimmt, sollten sie überhaupt stimmberechtigt sein, weil sie befürchteten, dass sie ihre, in den Stadien veranstalteten Gewalt- und Pyro- Exzesse am Sonntagabend nicht mehr am TV-Gerät bestaunen können.
So wurde bewusst eine Drohkulisse aufgebaut, bei der fast jede Frau und jeder Mann das Gefühl haben musste, gerade seine Lieblingssendung, sein bevorzugtes Sendegefäss stünde nicht mehr zur Verfügung.
Die Initianten ihrerseits haben die Chance verpasst, aufzuzeigen, wie man mit weniger Geld mehr harte Facts vermitteln und den viel beschworenen Service Public dennoch aufrechterhalten kann. Auch für die SRG wären die leicht eingeschränkten finanziellen Mittel eine Chance gewesen, sich neu zu orientieren. Vorbei sind nämlich die Zeiten, in denen ganze Familien voller Erwartung und gespannt vor der Flimmerkiste sassen, wer jetzt wohl die Benissimo- oder die Happyday-Millionen bekommt. Gerade bei den Jungen herrscht heute eher das Weg- statt das Fernsehen vor. Das Verhalten des Medienkonsums hat sich geändert. Man will das konsumieren, was man will – und für das Spezielle ist man auch bereit, etwas zu bezahlen. So florieren heute Bezahlsender und Streaming-Dienste.
Dass jetzt von links, den Profiteuren des Staatsfernsehens, gar der bundesrätlich verordneten Gebührensenkung auf 300 Franken der Kampf ansagt wird, ist verständlich. Sie haben ihre Millionen gut in den Abstimmungskampf investiert und können so weiterhin ihre zweifelhaften Botschaften mit grosszügiger Unterstützung der Gebührenzahler verbreiten.
Dr. Roman Engeler
Die in dieser Kolumne vertretenen Meinungen liegen in der Verantwortung der Autorin/des Autors und decken sich nicht zwingend mit der Haltung der Redaktion.

