Zwischen Winterschlaf, Januarloch und Neustart
13.01.2026Die knallig-bunte Tischbombe ist verhallt, der funkelnde Vulkan erloschen. Noch hängen zum Teil die – jedoch langsam müden – Lichterketten an den Balkonen und der letzte Tannenduft liegt in der Luft. Hier, irgendwo zwischen erfrischendem Kalenderblatt und schläfrigem ...
Die knallig-bunte Tischbombe ist verhallt, der funkelnde Vulkan erloschen. Noch hängen zum Teil die – jedoch langsam müden – Lichterketten an den Balkonen und der letzte Tannenduft liegt in der Luft. Hier, irgendwo zwischen erfrischendem Kalenderblatt und schläfrigem Kontoauszug, eröffnet sich ein altbekanntes «Grübchen»: still und doch erwartungsvoll – das Januarloch.
Es gähnt uns an, noch bevor der Christbaum abgeschmückt ist. Nach all den Feierlichkeiten und dem – ab und zu etwas zu turbulenten – Glanz und Gloria reicht ein unachtsamer Schritt, kombiniert mit einem Blick aufs Bankkonto und einem grau-nebligen Morgen zu viel: «Hoppla!» Wir sind bereits mittendrin.
Schnappatmung und Schneepflug
Der Begriff hat seine Wurzeln weniger in der Poesie als im eigenen Portemonnaie. Früher – und teils auch heute noch – war der Januar der Monat, in dem nach Weihnachten die «Kassen» leer waren, die Rechnungen jedoch munter weiter hereintrudelten. Versicherungen, Steuern, Mieten; alles wollte bezahlt werden, während draussen Frost herrschte und drinnen die Motivation im Winterschlaf lag.
Ein finanzielles Loch also, das mit der Zeit Gesellschaft erhielt: Müdigkeit und Erwartungen schlichen sich dazu.
Wir stolpern über gute Vorsätze, die schon seit dem 3. Januar mit Schnappatmung kämpfen: Wir straucheln über die Annahme, dass das neue Jahr bitte sofort glänzen möge und über den Kalender, der plötzlich leer ist, nachdem der Dezember uns mit Terminen zugeschüttet hat wie ein übermotivierter Schneepflug.
Ab in die Pfütze
Doch ist diese «Leere» kein Ort des Versagens, sie ist ein Platz zum Innehalten. Einer, an dem wir uns kurz niederlassen dürfen, statt sofort wieder loszurennen. Es ist ein sanftes, aber bestimmtes «Jetzt mal langsam».
Kein Abgrund, sondern eher eine Pfütze. Kalt wird sie sein, ja. Aber wer sagt denn, dass man im Januar nicht eine Runde plantschen darf? Weder elegant noch trocken – dafür mit Anlauf, Spritzwasser und einem strahlenden Lächeln.
Denn jetzt dürfen wir etwas, das sonst zu selten Raum erhält: einfach mal «herumblöttärlä». Musse. Zeit vertrödeln. Ein Spaziergang ohne Ziel. Ein Kaffee, der kalt werden darf. Ein Buch nur wegen seines schönen Einbands aufschlagen. Nicht alles muss sinnvoll sein. Nicht alles produktiv. Die Stille nicht füllen, bewusst aushalten – und vielleicht sogar mögen lernen.
Auszeit ohne Rechtfertigung
Eine Auszeit braucht keine Rechtfertigung. Gerade zu Jahresbeginn hilft unserer Seele oft kein grosses Ultimatum wie «Jetzt ändere ich mein Leben komplett», sondern vielmehr ein leises «Es reicht, im Hier und Jetzt zu sein».
Genuss mit Augenzwinkern
Und fürs Portemonnaie? Geniessen mit Köpfchen: morgens die heisse Schokolade auf der Couch, mittags ein paar gemütliche Stunden im Café nebenan, Lunch-Resteessen aus dem Kühlschrank, dafür Dinner in der Lieblingsbeiz. Den Kleiderschrank mal wieder ausmisten und längst vergessene Juwelen entdecken, die passenden Accessoires beim Schnäppchen-Einkauf im Sale der lokalen Geschäfte ergattern – kleine Freuden im richtigen Mass.
Winterpause Deluxe
Das Januarloch ist ein Übergang. Ein Innehalten zwischen dem, was war, und dem, was noch keine Form hat. Wer hineinplumpst, darf sich Zeit lassen beim Herauskrabbeln – oder sich einfach kurz niederlassen.
Und vielleicht entdecken wir dort unten etwas Überraschendes: Das neue Jahr verlangt nicht nach Perfektion. Es flüstert: «Atme. Warte. Spring ein weiteres Mal in die Pfütze und gib einfach dein Bestes».
Wichtig dabei: Lächeln nicht vergessen – auch wenn es anfangs noch ein bisschen gefroren ist.
In diesem Sinne wünsche ich einen gelungenen Sprung!

