Zwischen Landwirtschaft, Wald, Freizeit und Naturschutz
14.04.2026 LANDWIRTSCHAFTDie Elgger Gemeinderätin Stephanie Hugentober sitzt ab Mai auch im Kantonsrat. Im Gespräch mit der «Elgger/Aadorfer-Zeitung» spricht sie über ihre politischen und persönlichen Ziele und das Engagement in Exekutive und Legislative.
Frau Hugentobler, Ab dem ...
Die Elgger Gemeinderätin Stephanie Hugentober sitzt ab Mai auch im Kantonsrat. Im Gespräch mit der «Elgger/Aadorfer-Zeitung» spricht sie über ihre politischen und persönlichen Ziele und das Engagement in Exekutive und Legislative.
Frau Hugentobler, Ab dem Mai sind Sie neu Mitglied des Zürcher Kantonsrats. Sie rücken für die zurücktretende Theres Agosti Monn nach. Was bedeutet es für Sie, dass Sie nun doch noch für Ihr sehr gutes Wahlergebnis belohnt werden?
Stephanie Hugentobler: Ich habe mich damals sehr über das Resultat gefreut und fühle mich auch heute noch geehrt. Gleichzeitig war ich doch auch froh, dass es nicht ganz für den direkten Einzug gereicht hat. Ich war damals frisch im Gemeinderat und wollte mich zuerst auf dieses Amt konzentrieren. Beides zusammen wäre mir zu diesem Zeitpunkt zu viel gewesen.
Heute ist die Situation eine andere. Ich gehe im Sommer in meine zweite Legislatur, kenne die Abläufe und fühle mich sicherer in meiner Rolle. Deshalb ist der Zeitpunkt jetzt für mich ideal.
Dass ich nun nachrücken darf, empfinde ich weniger als Lohn für das tolle Ergebnis, sondern viel mehr als Chance. Diese neue Aufgabe ist etwas Besonderes, der ich mit grossem Respekt und einer gewissen Demut begegne.
Der Gemeinderat Elgg stellt mit der Gemeindepräsidentin Ruth Büchi-Vögeli und Ihnen zwei Vertreterinnen im Kantonsrat. Wie ist das für Sie? Was bedeutet das aus Ihrer Sicht für Elgg?
Ich finde das sehr erfreulich. Es zeigt, dass auch eine kleinere Gemeinde wie Elgg politisch präsent ist.
Gleichzeitig ist es spannend, weil wir zwar teilweise mit ähnlichen Themen konfrontiert sind, aber nicht immer mit der gleichen Perspektive darauf schauen. Das kann auch im Kantonsrat ein Gewinn sein, wenn unterschiedliche Sichtweisen zu umfassend abgestimmten Lösungen führen.
Mir ist wichtig: ich vertrete nicht einfach die eigene Gemeinde, sondern den ganzen Kanton – meine Wählerinnen und Wähler und somit alle Menschen aus meinem Wahlkreis. Aber die Verankerung vor Ort hilft, die Bodenhaftung zu behalten.
Welche Themen stehen für Sie zurzeit im Vordergrund, welches werden Ihre politischen Schwerpunkte sein?
Ich sehe mich als Generalistin. Mich interessieren viele Themen, vor allem solche mit direktem Bezug zum Alltag der Menschen.
Ich freue mich deshalb neben der eigentlichen Arbeit im Kantonsrat auch sehr auf die Herausforderungen in der Geschäftsprüfungskommission, der ich vermutlich angehören werde. Dort kann ich meine vielseitigen Interessen gut einbringen und Einblick in unterschiedliche Bereiche erhalten.
Ein Thema, das mich besonders beschäftigt, ist das Spannungsfeld zwischen Landwirtschaft, Wald, Freizeitnutzung und Naturschutz. Das kenne ich aus meiner Tätigkeit im Gemeinderat sehr gut – und ich finde es wichtig, hier Lösungen zu finden, die tragfähig und nachhaltig sind.
Grundsätzlich interessieren mich gesellschaftliche Fragen stark: Wie gelingt Zusammenhalt und wie können wir diesen festigen? Und wie schaffen wir pragmatische Lösungen, die im Alltag funktionieren? Politisch sehe ich mich dabei in vielen Fragen im sozialliberalen Flügel der SP.
«Wie schaffen wir pragmatische Lösungen, die im Alltag funktionieren?»
Was sind für Sie die Unterschiede in der Arbeit in der Exekutive in einer Gemeinde und in der Legislative des Kantons?
Darf ich auf diese Frage in einem Jahr oder so nochmals antworten? Denn jetzt sehe ich das erst von aussen und somit theoretisch. Darum jetzt einfach so, wie ich es mir aktuell als Kantonsrat-noch-Greenhorn vorstelle:
In der Exekutive ist man sehr nah an der Umsetzung. Man entscheidet und trägt direkt Verantwortung dafür, dass etwas funktioniert.
Im Kantonsrat arbeitet man stärker auf übergeordneter Ebene: Es werden Rahmenbedingungen gesetzt, diskutiert und abgewogen. Das ist weniger unmittelbar, aber genauso entscheidend.
Ich glaube, meine Erfahrung aus der Gemeinde hilft mir, auch auf kantonaler Ebene den Blick für das Praktische nicht zu verlieren.
Sie sind in einer politischen Familie aufgewachsen und kennen daher politische Meinungsverschiedenheiten und Diskussionen schon lange. Was hat sich in dieser Zeit verändert?
Ich bin in einer politisch geprägten Familie aufgewachsen – mein Vater war Landwirt und 16 Jahre Elgger Gemeinderat für die SVP. Diskussionen gehörten bei uns immer dazu und tun es auch heute noch.
Das hat mich sicher geprägt. Gleichzeitig bin ich meinen eigenen Weg gegangen – auch bei der Wahl meiner Partei, was natürlich für zusätzliche Diskussionen gesorgt hat. Und es ist mir bis heute wichtig, dass ich mir meine Meinung bilde und diese auch vertreten kann, selbst wenn sie nicht immer deckungsgleich mit der Parteilinie ist. Man muss auch mal etwas aushalten können.
Ich finde, es braucht nicht nur innerhalb von Familien, sondern auch innerhalb einer Partei unterschiedliche Stimmen. Gerade an den Rändern entstehen oft spannende Perspektiven und Verbindungen.
«Es braucht auch innerhalb einer Partei unterschiedliche Stimmen.»
Wie gehen Sie mit der zunehmend von der Öffentlichkeit wahrgenommenen Polarisierung in der Politik um?
Ich nehme schon wahr, dass Diskussionen heute schneller verhärten und teilweise auch dünnhäutiger geführt werden.
Für mich ist wichtig, dass man respektvoll bleibt und sich selbst nicht zu ernst nimmt. Ein bisschen Humor hilft oft, Dinge wieder zu entspannen.
Ich versuche zuzuhören, nachzufragen und auch Grautöne auszuhalten. Polarisierung bringt Aufmerksamkeit, aber selten gute Lösungen. Ich bin überzeugt, dass wir viel mehr Brücken als zusätzliche Gräben brauchen; weniger Zündler und Öl-ins-Feuer-Giesser, dafür mehr Toleranz, Offenheit und Nachsicht.
Was ändert sich in Ihrem Leben, wenn Sie sich nun auch im Kantonsrat engagieren. Gibt es etwas, wo Sie kürzertreten wollen oder müssen?
Der Kantonsrat bringt zeitliche Verpflichtungen mit sich, die sich mit meiner bisherigen beruflichen Tätigkeit nicht mehr vereinbaren liessen. Deshalb orientiere ich mich aktuell beruflich neu.
Mir ist wichtig offen zu sagen: Die beiden politischen Ämter – Gemeinderat und Kantonsrat – reichen finanziell nicht zum Leben. Als alleinlebende Alleinverdienerin brauche ich eine zusätzliche Erwerbstätigkeit.
Ich gehe diesen Schritt sehr bewusst. Gleichzeitig bin ich in einer Lebenssituation, in der ich mich gut auf diese Aufgabe einlassen kann: Mein Sohn ist 32, ich brauche auf keine Partnerschaft Rücksicht zu nehmen und kann somit meine freie Zeit selbst gestalten, auch zum Aufladen meiner Batterien.
Ich freue mich sehr auf diese neue Aufgabe, mich einzumischen, wo es nötig ist, und die Interessen der Menschen zu vertreten, die mir ihre Stimme anvertraut haben – im wahrsten Sinne des Wortes.
INTERVIEW: BETTINA STICHER

