Zwischen Bühne und Ich: Franziska Hoby über «Isabelle la Belle»
26.02.2026 Leute aus der RegionFrau Hoby, ein Solo zu spielen, bedeutet totale Freiheit – aber auch totale Verantwortung. Was geniessen Sie daran am meisten und was ist manchmal eine kleine Herausforderung?
Man steht allein auf der Bühne, ohne Partner oder Partnerin für die Improvisation. Doch ...
Frau Hoby, ein Solo zu spielen, bedeutet totale Freiheit – aber auch totale Verantwortung. Was geniessen Sie daran am meisten und was ist manchmal eine kleine Herausforderung?
Man steht allein auf der Bühne, ohne Partner oder Partnerin für die Improvisation. Doch gerade darin liegt der grosse Freiraum, eine ganz eigene, unverwechselbare Poesie zu entfalten. Das Publikum gilt es vom ersten Moment an zu fesseln, während man allein den Rhythmus und die Spannung des Stücks bis zum Ende der Aufführung trägt. Diese volle Verantwortung ist Herausforderung und Privileg zugleich.
Gab es einen Moment während Ihrer Proben, in dem Sie selbst über Isabelle la Belle schmunzeln mussten?
Eigentlich immer wieder. Sie ist so frech und unbekümmert – auch während der Proben.
Wenn Isabelle la Belle ein Cocktail wäre: Mit welchen Zutaten wäre er «geschmückt» und wie würde er Ihnen serviert?
Ein Austern-Shooter, in der Schale serviert – von einem Boxenjungen – in einem an David Lynch erinnernden Bühnenbild.
Stellen Sie sich vor, Sie könnten mit einem Ihrer drei inneren Dämonen heute Abend essen gehen – was würden Sie bestellen und wer zahlt die Rechnung?
Ich hätte keinen Appetit, ein grüner Salat würde mir reichen. Sehr wahrscheinlich müsste ich am Ende für alle bezahlen.
Hat sich Ihr Blick auf das Thema «Meine inneren Stimmen und ich» durch die Arbeit an diesem Stück verändert?
Ja, bestimmt. Da Isabelle la Belle eine Clownfigur ist, ist die Schauspielerin mit ihrer eigenen Identität konstant konfrontiert. Bei Improvisationen in der Kreationszeit entfalteten sich Situationen, die man lieber weiter heruntergedrückt hätte – nun hat der Regisseur gerade dies auch entdeckt, und es gibt keine Möglichkeit mehr, sich davor zu verstecken. Das Paradox ist, dass sich hinter einer naiven Theaterfigur ein grösseres Bewusstsein über sich selbst entwickelt. So ja, bestimmt hat sich mein Blick auf meine inneren Stimmen mitverändert.
Was hat Sie dazu bewegt, das aktuelle Stück in Englisch zu schreiben und zu performen?
Isabelle la Belle verkörpert den Traum, eine internationale Künstlerin zu sein. Die englische Sprache wird dabei zur Bühnenkonvention – ein Mittel, das sie zu beherrschen glaubt. Doch gerade diese Ausdrucksform entfremdet die Figur zunehmend von sich selbst.
Welche Szene Ihres Stücks würden Sie auf ein «Post-it» kleben, wenn Sie diese als Lebensweisheit weitergeben? Es gibt eine Szene, in der die drei Charaktere miteinander konfrontiert sind, und Isabelle fordert die Diva ruhig auf zu atmen: «Breathe, breathe, we have to breathe, like a tree, inhale – exhale.»
Was wünschen Sie sich, dass Ihr Publikum dank Ihrer Inszenierung mit in den eigenen Alltag nehmen kann?
Das Leben ist ein eigenartiges Wesen, das man nicht genau definieren kann. Wir sind von Natur aus vielschichtig, vielfältig, tragen unterschiedliche Stimmen, Widersprüche und Sehnsüchte in uns und sollten uns immer wieder von diesem Aspekt überraschen lassen – sonst wird alles so steif!
Ich wünsche mir, dass das Publikum diese innere Vielfalt nicht als Störung, sondern als Reichtum begreift
– und sich erlaubt, ihr mit mehr Neugier, Humor und Nachsicht zu begegnen. Vielleicht auch mit dem Mut, die eigenen inneren Dämonen nicht zum Schweigen zu bringen, sondern ihnen zuzuhören – und dabei trotzdem weiter zu atmen.
INTERVIEW: SARAH UTZINGER

