Zum Tod des Zürcher Generals in holländischen Diensten, Hans Felix Werdmüller, am 29. November 1725 – vor 300 Jahren
10.01.2026 ElggDen erstrittenen Gewinn in der Fremde im Schloss Elgg investiert, aber kaum genutzt.
Während Jahrhunderten fanden viele Wehrhafte ihr Einkommen im ausländischen Solddienst. Auch in Elgg hing zeitweise das Haushaltsgeld an den Säbeln derer, die sich dem Kriegshandwerk ...
Den erstrittenen Gewinn in der Fremde im Schloss Elgg investiert, aber kaum genutzt.
Während Jahrhunderten fanden viele Wehrhafte ihr Einkommen im ausländischen Solddienst. Auch in Elgg hing zeitweise das Haushaltsgeld an den Säbeln derer, die sich dem Kriegshandwerk aussetzten und aus der Fremde, sofern dort nicht verstorben, teilweise krank, invalid oder verschont heimkehrten. Das von Papst Julius II. geschenkte Banner für die in Norditalien treu geleisteten Dienste gehört zu den aussergewöhnlichen textilen Erinnerungen im Flecken.
Als die Stadt Zürich zur Reformationszeit unter dem Einfluss Huldrych Zwinglis den Solddienst verbot, verliess der Elgger Schlossherr Jörg von Hinwil den Ort unter Protest. Später hatte der politische Wind wieder gedreht: Der fremde Kriegsdienst fand, teils staatlich, teils privat, wieder Zustimmung. Er bot mittels Soldverträgen (Kapitulationen) hohe Einnahmen (Pensionen) und Gelegenheit zu militärischen Karrieren.
Die militärische Karriere des Hans Felix Werdmüller
Der in Zürich geborene Hans Felix Werdmüller (1658–1725) hatte seine ersten Führungserfahrungen als Leutnant in französischen Diensten gemacht. Nachdem jedoch der französische König Ludwig XIV. im Jahre 1685 das Toleranzedikt von Nantes widerrufen hatte, ein schwerer Schlag gegen die reformierten Hugenotten im Land, untersagte die reformierte Limmatstadt ihren Bürgern den Dienst unter dem «Sonnenkönig» und rief 1689 die Soldtruppen zurück.
Sie bewilligte jedoch dem glaubensverwandten Holland ein Zürcher Bataillon im Regiment Albemarle des General d’Albemarle, in das Werdmüller 1690 als Major eintritt, 1693 zum Oberstleutnant, 1701 zum Oberst befördert wird. Der Besitzer, Kommandant und Namensgeber des Regiments, Milord Albemarle, ein niederländischer Adliger, steht in der Gunst König Wilhelms III. von Oranien-Nassau.
Dieser wächst zum entscheidenden Gegenspieler des französischen Autokraten heran, sucht die protestantischen Mächte Europas zu vereinen und Frankreichs Herrschaftsansprüche zurückzuweisen. Mit ihm vereint führen England, die Niederlande und Teile Deutschlands jahrzehntelang die gemeinsame Abwehr. An der Spitze des Regiments Albemarle nimmt Werdmüller an den Belagerungen von Bonn und an der Schlacht bei Höchstädt teil. Am 23. Mai 1706 nimmt er in der Schlacht von Ramillies auf Befehl des englischen Politikers und Feldherrn Marlboroughs mit vier Bataillonen das Dorf Taviers auf dem rechten französischen Flügel ein, was zum Sieg der Allianz führt.
Am 11. Juli 1708 eröffnet er mit der Vorhut die antifranzösische Schlacht von Oudenaarde und belagert im gleichen Jahr die Stadt Lille. Werdmüller wird zum Generalmajor befördert und erhält das Kommando der Festung Tournai und später dasjenige von Maastricht, dem «bolwerk der Nederlanden». Er stirbt am 29. November 1725 in Namur und wird in Maastricht begraben.
Hans Felix Werdmüller in und von Elgg
Die Werdmüller gehören zu den einflussreichsten Geschlechtern der Stadt Zürich. Heinrich von Opfikon besass die Mühle am untern Werd an der Sihl und hiess von nun an Werdmüller. Hans Felix Werdmüllers Stammvater Otto Werdmüller hatte sich im alten Zürichkrieg 1444 als Verteidiger der Werdmühle gegen den Ansturm der Eidgenossen ausgezeichnet. Von den Werdmüllern ist besonders General Hans Rudolf durch die Novelle «Der Schuss von der Kanzel» von C. F. Meyer bekannt geworden, sowie General Hans Konrad, der die Wädenswiler Unruhen von 1645 blutig unterdrückte.
Hans Felix, in fremden Diensten zu Reichtum gelangt, legt sein Vermögen im Haus zum Langenbaum in Uetikon am See, dem Sonnenhof in Zürich Stadelhofen (heute u.a. Schweizerisches Sozialarchiv) an und erwirbt im Jahr 1712 die Herrschaft Elgg. Sein neues Besitztum vermag er aber erst 1715, während einer Friedensphase in Holland, persönlich anzutreten und zwei Jahre später die Huldigung seiner Untertanen entgegenzunehmen.
Mit reichen Mitteln versehen, investiert Werdmüller viel in sein Schlossgut, in die Reparatur der Gebäulichkeiten und in die Anschaffung kostbaren Mobiliars. Obwohl er sich die meiste Zeit auf dem «Sonnenhof» in Stadelhofen oder im Gut «Langenbaum» bei Uetikon aufhält, vergisst er die Herrschaft Elgg keineswegs.
Hans Felix hinterlässt keine Kinder und vermacht der Otto-Werdmüllerschen Familie die Herrschaft Elgg als Fideikommiss (unveränderliches Familiengut). Ein vollständiger Stammbaum der Familie seit 1444 wird für den «weissen Saal» hergestellt. Die Familie nimmt das Wappen Elggs in das ihrige auf und nennt sich seither «Werdmüller von Elgg».
Bedeutsam ist auch die Herstellung eines grossformatigen Zehntenplanes der Herrschaft im Jahre 1721. Er vermittelt ein in historischer Hinsicht äusserst wertvolles Bild des Fleckens und seiner Umgebung. Werdmüllers Biograf meint: «Durch sein ansehnliches Vermögen wurde er zum grössten Wohltäter der Familie» (Leo Weisz).
Die Familie lässt zu seinem Andenken im Chor der Kirche Elgg an prominenter Stelle einen Gedenkstein, eine Kopie des Grabdenkmals in der St. Johannis-Kirche in Maastricht, Holland, errichten. Das Revolutionsjahr 1798 in Elgg ruft nach seiner Entfernung und dem Wegtransport zum Schloss.
MARKUS SCHÄR


