699 Ziegen und Böcke umfasst der Vereinsbestand des Ziegenzuchtvereins Thurgau.
Sie erfreut sich kantonsweit einer zunehmenden Beliebtheit, die Ziege, im Volksmund Geiss genannt oder «die Kuh des armen Mannes». Der 13-jährige Joshia und sein um drei Jahre älterer ...
699 Ziegen und Böcke umfasst der Vereinsbestand des Ziegenzuchtvereins Thurgau.
Sie erfreut sich kantonsweit einer zunehmenden Beliebtheit, die Ziege, im Volksmund Geiss genannt oder «die Kuh des armen Mannes». Der 13-jährige Joshia und sein um drei Jahre älterer Bruder Boas aus Dettighofen bei Lengwil, sind am Samstag im Rahmen der Jahresversammlung in der Taverne «Jacky’s» Istighofen als jüngste Mitglieder in die Reihen des Ziegenzuchtvereins Thurgau aufgenommen worden. Die beiden Joungster haben von ihrem Nachbarn, dem 74-jährigem Paul Gehrig, zwei Brienzer Ziegen erworben und besitzen heute ein halbes Dutzend. Auch der 15-jährige Martin Brändle, der auf seinem elterlichen Bauernhof im «Euggelberg» in Märstetten fünf Toggenburger Ziegen hält, wird zusammen mit drei Älteren in die Reihen des Vereins aufgenommen. Im Gegensatz zu anderen Vereinen erfreut sich dieser an vielen jungen Mitgliedern in seinen Reihen und diese werden von den älteren Mitgliedern mit viel Freude und Goodwill begleitet und beraten.
Wachsender Bestand
Paul Gerig ist das älteste Mitglied in den Reihen des Vereins. Er hat vor 60 Jahren mit dem Züchten begonnen und erinnert sich: «Damals waren lediglich die beiden Rassen Toggenburger und Brienzer bewilligt und kantonsweit zählte man rund ein halbes Hundert Ziegen.» Er amtete während 30 Jahren im Vorstand der Thurgauer Ziegenzüchter und über 30 Jahre als Zuchtbuchführer. Lange Zeit wirkte er auch als Experte und ist heute noch als «Pseudo-Tuberkulose-Abtaster» tätig, also ein eigentliches Urgestein der Thurgauer Ziegenzucht. Er besitzt heute noch 20 Brienzer und weiss: «Wer Ziegen hält, muss über deren Bedürfnisse und Verhalten Bescheid wissen. Er ist dafür verantwortlich, dass die Tiere gesund bleiben und die Tierschutzvorschriften eingehalten werden.» Und wie sieht es aus mit der Nutzung heute? «In früheren Zeiten nutzten wir die Milch und den daraus gewonnenen Käse für den Eigenbedarf, während die Vermarktung heute deutlich zugenommen hat», erklärt der erfahrene Ziegenzüchter, der heute noch 20 Brienzer hegt und pflegt und seinen jungen Kollegen manchen wertvollen Tipp weitergeben kann.
1000 Ziegen im Kanton
Präsident Daniel Keller freut sich 39 der insgesamt 65 Thurgauer «Geisseler», wie er seine Mitglieder liebevoll nennt, begrüssen zu dürfen. Er blickt zurück auf die Highlights des Vereinsjahrs. Dazu gehören die Beständeschau in Weinfelden, die Vereinsreise ins Prättigau, wo auf einem Betrieb für die Selbstvermarktung 100 Gemsfarbige Ziegen gemolken werden, und die Herbstbeurteilung. Zuchtbuchführer Kilian Appert teilt mit: «699 Ziegen und Böcke umfasst unser Vereinsbestand am Stichtag, dem 1. Juni 2025.» Dabei gehören die Rassen Gemsfarbige (278), Bündner Strahlen (108) und Saanen (122) zu den am meisten gezüchteten Rassen. Insgesamt tauchen in seinem Bericht über den Vereinsbestand 14 verschiedene Rassen auf, wobei die Nera Verzasca (4) und die Capra Sempione (5) am wenigsten vertreten sind. Aber der Trend ist deutlich: Innerhalb eines halben Jahrhunderts haben im Thurgau die Ziegen um das vierzehnfache zugenommen. Appert rechnet mit rund 1000 Ziegen auf dem ganzen Kantonsgebiet. Einstimmig winken die Anwesenden die Berichte und die zum 15. Mal von Kassier Alex Gassner vorgelegte Jahresrechnung durch. Der nächste Grossanlass des Ziegenzuchtverein Thurgau ist die Ziegenschau bei der Markthalle «Sangen» in Weinfelden am 16.Mai 2026.
WERNER LENZIN