Zeitreise durch Elgg: Kohlenabbau am Schneitberg in Elgg
27.10.2026 Schneitberg, HISTORIEIn loser Folge berichtet Christoph Ziegler über die Geschichte von Elgg. Wie war es früher, welche Spuren sieht man heute noch davon? Solche Fragen inspirieren ihn zu kurzen, unterhaltsamen Artikeln in der «Elgger/Aadorfer Zeitung». Die Informationen sucht er aus dem Internet ...
In loser Folge berichtet Christoph Ziegler über die Geschichte von Elgg. Wie war es früher, welche Spuren sieht man heute noch davon? Solche Fragen inspirieren ihn zu kurzen, unterhaltsamen Artikeln in der «Elgger/Aadorfer Zeitung». Die Informationen sucht er aus dem Internet und alten Schriften zusammen. Besonders wichtige Quellen sind für ihn die Elgger Chroniken von Kaspar Hauser und Karl Mietlich oder die Geschichte des Landstädtchens Elgg aus dem Jahr 2010. Daneben verarbeitet er auch eigene Erlebnisse und Erfahrungen. Heute lesen Sie über den Kohlenabbau am Schneitberg in Elgg, geplant sind weitere Artikel zum Beispiel über die Raubritter von Schauenberg oder Elgg als Winzerdorf.
Kohlenabbau am Schneitberg in Elgg
Kohlenbergwerke in Elgg? Elgg als Ruhrpott der Schweiz? Kaum vorstellbar. Doch seit dem Mittelalter wurde überall in Europa Kohle abgebaut, und ab dem 17. Jahrhundert ersetzte die Braunkohle zunehmend das knapper werdende Holz. Käpfnach bei Horgen oder Elgg waren Bergbaugebiete im Kanton Zürich. Kohle für den Betrieb von Fabriken. Heute fördert China fast die Hälfte der Kohle weltweit. In Deutschland baut man pro Jahr noch etwa 90 Millionen Tonnen ab und will wegen den schädlichen CO2-Emissionen bis in 10 Jahren ganz aus dem Kohleabbau aussteigen. Kohle war vor allem früher wertvoll. Heute noch spricht man von «Kohle», wenn man Geld meint.
Bei uns am Schneitberg wurde also Braunkohle abgebaut. 1763 entdeckte ein Schmied aus Winterthur auf den Äckern im Birmistel das begehrte Gut. Nachher sicherte sich der Winterthurer Dr. med. Johann Heinrich Ziegler die Schürfrechte und erstellte im Birmistel und im Gisidal zwei Stollenanlagen. Er brauchte Kohle als Brennstoff für die Destillation in seiner chemischen Fabrik in Winterthur-Neuwiesen. 1811 wurde auch beim Reservoir Fürst nach Kohle gegraben. Für Elgg war das ein gutes Geschäft, musste doch für einen Zentner Kohle nur 85 Rappen bezahlt werden, während er in Winterthur fast das Doppelte kostete. Vor allem die Glashütte (das Gebiet beim Hohbühl, wo heute der Zweirad-Sport oder Meta-Bau ihr Geschäft haben, heisst heute noch «Glashütten») brauchte für ihren Betrieb viel Kohle als Brennmaterial. Leider drang schon bald Wasser in die Flöze (Kohlenschichten), der Betrieb wurde unwirtschaftlich und 1837 schliesslich eingestellt. Dies bedeutete auch das Ende der Elgger Glashütte, welche in ihrer Blütezeit immerhin 60 Arbeitsplätze bot.
1971 reichten zwei Jungforscher im Rahmen des Wettbewerbs von «Schweizer Jugend forscht» eine wissenschaftliche Arbeit über das Stollensystem Elgg ein. Sie entdeckten 300 Meter neue Höhlengänge, erstellten einen Plan des gesamten Systems und gelangten zur Erkenntnis, dass die beiden Höhlen Birmenstall und Fürst nie zusammenhingen. Das weckte natürlich das Interesse der Elgger Jugend. Ich erinnere mich noch gut, wie ich als Knabe an Mittwochnachmittagen, mit einer Taschenlampe und Gummistiefeln ausgerüstet, die Kohlenhöhle erkundete. Ich hoffe, dass mein Vater das nicht liest, war dieses gefährliche Unterfangen doch ausdrücklich verboten. Natürlich konnten auch wir den Beweis der Durchgängigkeit nicht erbringen, aber ein gutes Abenteuer war es schon. 2021 versuchten es Erwachsene mit moderner Technik, doch auch sie scheiterten.
Heute sind die Stollen grossenteils überwuchert und praktisch unzugänglich. Als ich meiner Frau vor einigen Jahren den Eingang zum Stollen bei der Naturfreundehütte zeigte, war ich enttäuscht, dass der Eingang viel kleiner ist, als ich ihn in Erinnerung hatte. Aber als Kind kommt einem ja oft etwas viel grösser vor, als es in Wirklichkeit ist.
CHRISTOPH ZIEGLER


