«Wir wollen zeigen, dass es auch anders geht»
18.03.2025 AadorfIn Aadorf gibt es Shrimps – rund um die Uhr. Doch hinter den kleinen Krustentieren steckt eine grosse Vision.
Am Eingang zum Glüx-Shrimp-Shop an der Wittenwilerstrasse 25 summt ein schwarzer Automat leise vor sich hin. Ein Druck auf den Knopf, und schon landet ...
In Aadorf gibt es Shrimps – rund um die Uhr. Doch hinter den kleinen Krustentieren steckt eine grosse Vision.
Am Eingang zum Glüx-Shrimp-Shop an der Wittenwilerstrasse 25 summt ein schwarzer Automat leise vor sich hin. Ein Druck auf den Knopf, und schon landet eine Packung Shrimps im Ausgabefach – so einfach wie ein Schoggiriegel aus dem Snackautomaten. Doch hinter diesen Garnelen steckt mehr als nur ein schneller Happen für die Pfanne.
«Unsere Black-Tiger-Garnelen wachsen in einem natürlichen Ökosystem in Vietnam auf, ganz ohne Chemie oder künstliche Fütterung», sagt Christoph Bacher, CEO von GlüxShrimp.
Bacher ist kein klassischer Fischereiunternehmer. Er arbeitete als Koch und studierte Hotel-Management und BWL, bevor er die Gelegenheit bekam, eine etablierte Schweizer Firma mit Shrimp-Partnern in Vietnam zu übernehmen. «Ich habe bereits für die Firma gearbeitet und das Potenzial gesehen, mehr Bewusstsein für die Produkte zu generieren.», sagt er. «Ich wollte etwas aufbauen, das nicht nur wirtschaftlich funktioniert, sondern auch ökologisch sinnvoll ist.»
Garnelen aus dem Mangrovenwald
Vietnam sei eines der fortschrittlichsten Länder in der Garnelenzucht, erklärt der Unternehmer. Strenge Hygienestandards, faire Arbeitsbedingungen und soziale Strukturen wie Kindertagesstätten für Arbeiterfamilien seien dort längst etabliert. Bereits vor seiner Unternehmensübernahme hatte Bacher das Land auf einer Rundreise erkundet und erste Eindrücke gesammelt. Doch was ihn besonders faszinierte, war die traditionelle Garnelenzucht in Mangrovenwäldern – eine traditionelle Methode, die bis heute die Lebensgrundlage vieler Farmer in der südlichen Region rund um Ca Mau bildet.
«Unsere Garnelen wachsen nicht in überfüllten Becken, sondern in einem intakten Mangroven-Ökosystem in Mekong auf», sagt der Seafood-Fan. «Die Tiere ernähren sich ausschliesslich von dem, was das Meer ihnen bietet: Mikroorganismen, Plankton und Algen. Keine Zufütterung, keine Antibiotika – nur Natur pur.»
Das hat auch Auswirkungen auf den Geschmack: «Unsere Shrimps haben eine festere Konsistenz und einen intensiveren Geschmack. Industrielle Farmen setzen auf schnelles Wachstum und Futtermittel – wir auf Geduld.» Bis eine Garnele ausgewachsen ist, dauert es bis zu zehn Monate.
Schonender Fang nach Mondphasen
Auch beim Fang geht das Unternehmen andere Wege. Während industrielle Betriebe auf Schleppnetze und Maschinen setzen, orientiert sich GlüxShrimp an der Natur. «Während der Voll- und Neumondphase verändern sich die Strömungen im Mekong-Delta. Dann bewegen sich die Garnelen stärker, und wir können sie mit Netzen an Schleusen abfangen – ganz ohne Stress oder Verletzungen», erklärt der CEO von GlüxShrimp.
Direkt nach dem Fang werden die Garnelen auf Eis gelegt, verarbeitet und schockgefroren. Eine spezielle Glasur aus Trinkwasser wird auf die Black Tiger Garnelen gesprüht und schützt sie so vor Beschädigungen und Gefrierbrand. «So bleibt die Qualität auch nach Monaten erhalten und das Fleisch trocknet nicht aus», ergänzt Bacher.
Klimawandel als wachsende Herausforderung
Doch selbst die nachhaltigste Zucht ist nicht immun gegen globale Veränderungen. Umweltverschmutzung, Klimawandel, steigender Meeresspiegel, längere Regenzeiten, häufigere Taifune und unvorhersehbare Wetterbedingungen beeinflussen die Garnelenzucht sowie die Aufforstung der Mangrovenwälder. Deshalb reist Bacher regelmässig nach Vietnam. «Wir hören uns die Sorgen der Bauern an, sprechen über klimatische Veränderungen und suchen gemeinsam nach Lösungen.»
Nachhaltigkeit endet für den Unternehmer nicht bei der Garnelenzucht. «Viele Konsumenten wissen gar nicht, wie problematisch konventionelle Garnelenzucht ist. Unser Ziel ist es, Bewusstsein zu schaffen. Wir wollen zeigen, dass es auch anders geht.» Auch beim Versand setzt das Unternehmen auf umweltfreundliche Alternativen. Statt Styropor bestehen die Versandboxen aus Stroh. «Viele Kundinnen und Kunden nutzen das Stroh weiter – als Grillanzünder, Isolierung für Haustiere oder als Kratzmatte für Katzen», sagt Bacher schmunzelnd.
Und was war sein bisher grösster Erfolg? «Dass wir ein Produkt auf den Markt gebracht haben, das ökologisch sinnvoll ist – und den Leuten schmeckt.»
MATEA REGELJA

