«Wir beziehen vorsorglich Trinkwasser von Aadorf»
22.10.2026 AadorfIm Rekordsommer 2026 gab es nicht nur viele Hitzetage, sondern auch grosse Trockenheit. Die «Elgger/Aadorfer Zeitung» hat in ihrem Einzugsgebiet nachgefragt, was das für die Gemeinden bedeutet. Elgg bezieht Wasser von der Gemeinde Aadorf und hat zum Wassersparen aufgerufen. Die ...
Im Rekordsommer 2026 gab es nicht nur viele Hitzetage, sondern auch grosse Trockenheit. Die «Elgger/Aadorfer Zeitung» hat in ihrem Einzugsgebiet nachgefragt, was das für die Gemeinden bedeutet. Elgg bezieht Wasser von der Gemeinde Aadorf und hat zum Wassersparen aufgerufen. Die Versorgung ist gewährleistet. Investitionen sind geplant.
Herr Heierli, wie stand es diesen Sommer mit der Hitze und vor allem der langen Trockenperiode um die Wasserversorgung in der Gemeinde Elgg ganz allgemein?
Thomas Heierli*: Solche langanhaltenden Trockenperioden verursachen einen Rückgang von Quellwasser und auch der Grundwasserspiegel sinkt seit April 2026 stetig.
Können Sie konkrete Zahlen oder Vergleiche mit einem durchschnittlichen Jahr nennen?
Der mittlere Grundwasserstand kann etwa bei 498 Meter über Meer angesetzt werden (Mittelwert von Minimum und Maximum seit 1993). Der mittlere Tiefstand der letzten drei Jahre liegt bei 496 Meter über Meer. Aktueller Stand ist etwa bei 494,6 Meter über Meer. Der tiefste Grundwasserspiegel wurde im Jahr 2018 mit 494,2 Meter über Meer gemessen. Im Jahr 2003, welches vielleicht vielen noch als Trockenjahr in Erinnerung ist, war der Tiefstand bei 494,6 Meter über Meer.
Woher stammt Elggs Trinkwasser? Aus eigenen Quellen, vom Grundwasser oder von externen Wasserversorgungen?
Die Fläche der Gemeinde Elgg ist ziemlich gross und in der Höhenlage sehr unterschiedlich. Diese topografischen Gegebenheiten erfordern verschiedene Druckzonen. Die höher gelegenen Ortschaften sind alle mit Quellwasser versorgt. Die Druckzone «Elgg Dorf» (Städtli und Neuelgg) werden nebst Quellwasser auch mit Grundwasser versorgt.
Wie viel Wasser verbraucht die Gemeinde durchschnittlich pro Tag (Privathaushalte, Industrie, Landwirtschaft)? Ist der Verbrauch an besonders heissen Tagen grösser?
Verbrauch im Mittel: Zone Elgg: 920 m3; Zone Dickbuch, Wenzikon, Jakobstal: 70 m3; Zone Hofstetten, Steig: 25 m3; Zone Sennhof, Burghof, Oberhof: 35 m3; Zone Huggenberg, Tiefenstein, Geretswil: 30 m3; Zone Heurüti: 15 m3; Total: 1095 m3.
Der Verbrauch in einem trockenen Sommer ist rund zehn Prozent höher als in einem normalen Sommer. In der Zone Elgg war der mittlere Tages-Verbrauch im August 2026 bei 1023 m3.
Beobachten Sie, dass der private Wasserverbrauch während Hitzeperioden stark zunimmt? Wenn Ja, um wie viel etwa?
Natürlich wird vor allem mehr für die Bewässerung von privaten Gärten benötigt. Auch Bade-Pools werden vermehrt gefüllt und vermutlich wird auch einmal mehr geduscht.
Musste die Gemeinde Elgg zusätzliches Trinkwasser von anderen Gemeinden oder einem regionalen Verbund beziehen? Wenn ja, woher?
Ja wir beziehen vorsorglich von der Gemeinde Aadorf (EW Aadorf) seit etwa Mitte Juli täglich 250 m3 Wasser für die Zone Elgg. Dies aus dem Grund, weil wir verhindern wollen, eines Tages an der Minimalkote beim Grundwasserpumpwerk anzustehen.
Wie gross ist normalerweise der Anteil des eigenen Wassers und wie gross der Anteil des zugekauften Wassers?
Normalerweise geben wir das Wasser wieder an diejenigen Wasserversorgungen zurück. In diesem Jahr wird das ziemlich sicher nicht möglich sein. Der Anteil des Aadorfer Wassers für die Zone Elgg beträgt zurzeit etwa 25 Prozent (rund 250 m3 pro Tag).
Mussten Sie aufgrund der Trockenheit bereits besondere Massnahmen ergreifen? Gab oder gibt es zum Beispiel einen Aufruf zum Wassersparen?
Wir haben bereits in der Grossauflage der «Elgger/Aadorfer Zeitung» vom 30. Juni und dann auch wieder in den Ausgaben August und September zum Wassersparen aufgerufen. Zwischendurch haben wir auch auf unserer Webseite auf das notwendige Wassersparen aufmerksam gemacht. Vor zwei Wochen haben wir einen Flyer mit einem dringenden Appell zum Wassersparen an alle Haushalte verteilt. Der Gemeinderat setzt weiterhin auf die Eigenverantwortung der Bevölkerung und darauf, dass die Wasserversorgung durch einen sparsamen Umgang mit Wasser sichergestellt werden kann. Sollte sich die Situation weiter verschärfen, müssen zusätzliche Massnahmen geprüft werden.
Sind Investitionen vorgesehen, etwa in Reservoirs, Leitungen, zusätzliche Wasserfassungen oder eine stärkere Vernetzung mit anderen Versorgungen? Ja. Die Investitionen richten sich nach der Generellen Wasserversorgungsplanung. Diese wurde im Jahr 2024 neu erarbeitet. Im Investitionsplan sind in den kommenden Jahren die Neubauten der Reservoire Fürst und Rumisberg vorgesehen. Die Erschliessung von neuen Wasserressourcen ist nicht geplant, dafür aber weitere Zusammenschlüsse mit anderen Wasserversorgungsnetzen.
Gibt es ein Szenario, bei dem trotz der guten Vernetzung tatsächlich mit einer Wasserknappheit gerechnet werden muss? Oder anders gefragt, wie lange wäre die Gemeinde Elgg ohne Niederschläge noch problemlos mit Wasser versorgt?
In einem durchschnittlichen Jahr fallen in Elgg zwischen 1100 und 1200 mm Niederschlag. Bis heute sind es aber 2026 nur knapp über 500 mm. Damit werden wir voraussichtlich das trockenste Jahr seit Messbeginn 1970 haben. Insofern ist die aktuelle Situation ein absoluter Stresstest für die Wasserversorgung. Die bisherigen Minusrekorde mit je etwa 900 mm Jahresniederschlag hatten wir 2003, 2015 und 2018. Die Daten zeigen, dass die langfristige Niederschlagsmenge zwar recht stabil ist, wohingegen Phasen mit extrem viel oder extrem wenig Niederschlag häufiger werden. Massnahmen zum Umgang mit dieser neuen Realität sind ebenfalls in der Generellen Wasserversorgungsplanung enthalten. Als wichtige Massnahme diesbezüglich steht der Verbund mit dem Tösstal im Vordergrund. Dieser erfordert nebst vertraglichen Anpassungen auch den Bau einer neuen Verbindungsleitung zwischen Hofstetten und Sennhof.
INTERVIEW: BETTINA STICHER
* Thomas Heierli ist Gemeinderat in Elgg (Ressort Werke und Tiefbau).


