«Wir achten darauf, dass genügend getrunken wird»
14.07.2026 ElggDie erste Hitzewelle des Jahres im Juni hat die Schweizer Bevölkerung kalt oder in diesem Fall besser heiss erwischt. Nicht zuletzt für ältere Menschen stellt sie eine grosse Herausforderung dar. Wie gehen die Alterszentren in der Region damit um? Die «Elgger/Aadorfer ...
Die erste Hitzewelle des Jahres im Juni hat die Schweizer Bevölkerung kalt oder in diesem Fall besser heiss erwischt. Nicht zuletzt für ältere Menschen stellt sie eine grosse Herausforderung dar. Wie gehen die Alterszentren in der Region damit um? Die «Elgger/Aadorfer Zeitung» hat beim Pflegezentrum Eulachtal in Elgg nachgefragt.
ELGG Frau Costa, wir haben erst gerade eine für den Juni besonders intensive und lange Hitzeperiode hinter uns. Wie geht es den Bewohnenden des Pflegezentrums Eulachtal? Wie sind sie allgemein mit der Hitze zurechtgekommen?
Simone Costa, Co-Geschäftsführerin Pflegezentrum Eulachtal (PZE): Auch bei uns kamen die Bewohnenden und Mitarbeitenden teilweise an ihre Grenzen. Insgesamt aber haben sie die lange Hitzeperiode glücklicherweise gut überstanden.
Ventilatoren und Klimaanlagen halfen nach Wunsch dabei, die Innenräume zu kühlen. Mit kalten Waschlappen, Fussbädern usw. versuchten wird, die Körper herunterzukühlen. Gleichzeitig achteten wir darauf, dass ausreichend getrunken wurde und mit einem Glacé sorgten wir zwischendurch für eine erfrischende Abkühlung.
Die Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich empfiehlt, in den Wohnräumen von Pflegebedürftigen eine Tagestemperatur von 26° C möglichst nicht zu überschreiten. Wie gut gelingt Ihnen das in Elgg, und gibt es einen Notfallplan?
Es gelingt uns nicht in allen Räumen, die Temperaturen unter 26° C zu halten. Die Räume werden gezielt gelüftet und früh wieder abgedunkelt, damit möglichst wenig Wärme eindringen kann. Im Zuge unserer Umbauarbeiten im Pflegezentrum Elgg wurden im Medikamentenzimmer und auf Abteilung 3 gezielt Klimaanlagen eingebaut.
Was unternimmt das Alterszentrum, wenn MeteoSchweiz eine offizielle Hitzewarnung für die Region herausgibt?
Wir versuchen, unsere Mitarbeitenden über unser internes Kommunikationstool, in Form von Merkblättern und in Gesprächen vor Hitzetagen darauf aufmerksam zu machen, was zu beachten ist, damit die Hitze gut aushaltbar ist. Dies beinhaltet Gesundheitstipps, Möglichkeiten zum Abkühlen und auch Hinweise, wie die Zimmer am besten vor Hitze geschützt werden.
Wie sind ihre Gebäude gegen die sommerliche Hitze isoliert, und wo stossen Sie bei langanhaltenden Hitzewellen an bauliche Grenzen?
Auf diese Frage ist keine einheitliche Antwort möglich: Unsere Gebäude sind alle sehr unterschiedlich – sowohl vom Bau wie auch vom Alter der Gebäude her.
Verfügen Sie über Klimatisierung einzelner Räume, oder welche Methoden wenden Sie an, um das Haus möglichst kühl zu halten, vor allem auch bei Tropennächten (nicht unter 20° C)?
Es gibt vereinzelte klimatisierte Räume, dabei handelt es sich jedoch nicht um Bewohnerzimmer. Wir halten uns an die allgemein bekannten Empfehlungen wie etwa jene der Gesundheitsförderung Schweiz: Wir achten darauf, die Bewohnerzimmer morgens gut zu lüften und anschliessend abzudunkeln. Nach Sonnenuntergang werden die Fenster und Türen wieder geöffnet, damit die angestaute Luft entweichen kann.
An Hitzetagen sollten körperlich anstrengende Aktivitäten in die kühlen Morgenstunden verlegt werden. Wie aufwändig ist es, dies umzusetzen und in die Tagesabläufe zu integrieren?
Massnahmen der Aktivierungstherapie werden nach Möglichkeit in kühlere Räume verlegt oder nach draussen, solange es kühler ist. Ein grosser Vorteil ist, dass der Serenadenplatz (Bereich im hinteren begrünten Hof des Pflegezentrums in Elgg) nicht der Sonne ausgesetzt ist, und daher gut genutzt werden kann. Und solche kühlen Schattenplätze sind in fast allen unserer Häuser zu finden.
Die Hitze betrifft nicht nur die Bewohnenden, sondern fordert auch das Pflegepersonal. Welche Massnahmen ergreifen Sie, um die Mitarbeitenden zu schützen?
Der Schutz unserer Mitarbeitenden ist uns genauso wichtig wie derjenige der Bewohnenden. Auch da stossen wir aufgrund der Gebäudeinfrastruktur an unsere Grenzen. Wir stellen Ventilatoren auf, und Mineralwasser sowie Früchte stehen unseren Mitarbeitenden gratis zur Verfügung. Sie dürfen sich immer mal wieder eine kurze Auszeit nehmen, um durchzuatmen. Zudem gab es Glacé und Vitaminwasser.
Dem Pflegepersonal stehen Arbeitsoberteile zur Verfügung, die speziell für die hohen Sommertemperaturen ausgelegt sind und den Tragekomfort an heissen Tagen erhöhen.
Das Durstempfinden lässt im Alter nach. Mit welchen praktischen oder kreativen Methoden motivieren die Pflegerinnen und Pfleger die Bewohnenden, insbesondere Menschen mit Demenz, zum regelmässigen Trinken?
Die Mitarbeitenden bieten den Bewohnenden regelmässig Frischgetränke an und achten darauf, dass sie genügend trinken. Die Aktivierung hat zudem eine Sommerbar organisiert, um mit verschiedenen alkoholfreien Drinks die Bewohnenden zum Trinken zu animieren.
Das Trinken ist jedoch grundsätzlich ein Thema, nicht nur an Hitzetagen. Unser Pflegepersonal ist geübt darin dafür zu sorgen, dass die Bewohnenden genügend trinken. Dazu gehört zu wissen, was die betagten Menschen mögen (zum Beispiel gesüssten oder ungesüssten Tee) sowie andere Möglichkeiten anzubieten, wie etwa Eiswürfel mit Geschmack, Früchte usw.
Bestimmte Medikamente können bei extremer Hitze gefährlich werden. Wie gelingt es, die Dosierungen an Hitzetagen sinnvoll anzupassen?
Es gibt kein pauschales Schema, nach dem man Dosierungen an heissen Tagen anpasst. Jede Anpassung ist eine ärztliche Entscheidung, die individuell getroffen wird. Entscheidend ist das laufende Beobachten von Trinkmenge, Gewicht, Blutdruck und Allgemeinzustand – auf dieser Basis entscheidet das ärztliche Team, ob ein Medikament vorübergehend reduziert oder pausiert wird.
Für die Bevölkerung gilt: Medikamente niemals eigenmächtig absetzen oder in der Dosis verändern. Wer unsicher ist, klärt das mit dem Hausarzt respektive der Hausärztin oder der Apotheke. Am meisten schützt ohnehin das Naheliegende: ausreichend trinken, Kühle und Schatten suchen, Anstrengung in die kühlen Tagesrandzeiten legen.
Das Abdunkeln von Räumen und das Meiden der Sonne kann aufs Gemüt schlagen. Man ist drinnen eingesperrt. Wie schaffen Sie für die Bewohnenden des Alterszentrums die Balance zwischen notwendigem Hitzeschutz und sommerlicher Lebensqualität, auch im Freien?
Natürlich ist es wichtig, die Bewohnenden vor der Hitze zu schützen, ohne dabei ihre Lebensqualität einzuschränken. Eine zentrale Rolle spielt dabei unsere Aktivierung: Mit vielfältigen Angeboten fördern wir soziale Kontakte, sorgen für Abwechslung im Alltag und schaffen schöne gemeinsame Erlebnisse, auch während heisser Tage. Glücklicherweise haben wir in unseren Einrichtungen überall kühlere Plätze sowie Schattenplätze in – teilweise sehr grosszügig angelegten – Gärten.
Aktivitäten finden bewusst im Schatten oder in kühleren Bereichen statt. Ein besonderes Highlight war beispielsweise der Besuch von Alpakas in Elgg. Unsere Bewohnenden konnten im Schatten sitzen, etwas trinken und die Begegnung mit den Tieren geniessen. In unserem Zentrum Sonne wurde letzten Sommer ein Pool aufgestellt. Solche Anlässe tragen wesentlich zum Wohlbefinden bei und ermöglichen trotz hoher Temperaturen sommerliche Lebensqualität.
Die Hitzeperiode im Juni war voraussichtlich nicht die letzte dieses Jahr. Und in Zukunft dürften sie gemäss Prognosen länger und noch heisser werden.
Was haben Sie aus vergangenen Hitzetagen, gelernt? Was könnte noch optimiert werden? Gibt es Pläne für langfristige Investitionen, zum Beispiel bauliche Anpassungen?
Die Situationen in den Häusern werden immer wieder evaluiert. Die häufiger vorkommenden und länger andauernden Hitzetage sind eine Herausforderung. Gerade bauliche Massnahmen müssen weit vorausgeplant werden und sind nicht immer sofort umsetzbar. Wir sind sehr bestrebt, unsere Einrichtungen fortlaufend anzupassen.
Neben baulichen Optimierungen setzen wir verstärkt auf klare Abläufe, die Sensibilisierung unserer Mitarbeitenden und individuelle Unterstützung für unsere Bewohnenden. So können wir auch in Zukunft flexibel auf künftige Hitzeperioden reagieren und die Lebensqualität bestmöglich erhalten.
Wie können Angehörige oder Freiwillige helfen?
Angehörige und Freiwillige können Pflegefachpersonen entlasten, indem sie Zeit schenken: Zuhören, Gesellschaft leisten, Getränke reichen und auf das Wohlbefinden achten. Gerade an sehr heissen Tagen sind diese kleinen Gesten oft wichtiger als grosse Aktivitäten.
INTERVIEW: BETTINA STICHER

