«Wichtig sind Weiterbildung und Sozialkompetenz»
30.06.2026 ThurgauUnter dem Motto «Der Schritt ins Arbeitsleben» erhielten neun Jungschreinerinnen und 30 Jungschreiner an einem eintägigen Seminar im Verkehrssicherheitszentrum Thurgau AG von Hampi Niederer, Präsident des Verbandes Schreiner Thurgau VSSM, wertvolle Tipps für ihr ...
Unter dem Motto «Der Schritt ins Arbeitsleben» erhielten neun Jungschreinerinnen und 30 Jungschreiner an einem eintägigen Seminar im Verkehrssicherheitszentrum Thurgau AG von Hampi Niederer, Präsident des Verbandes Schreiner Thurgau VSSM, wertvolle Tipps für ihr Berufsleben. Informationen zu Geld, Finanzanlagen und Bewerbungen ergänzten das Programm, das mit Autound Anhängerfahren abgerundet wurde.
Organisiert wird der Anlass «Der Schritt ins Arbeitsleben» vom Verband Schreiner Thurgau VSSM in Zusammenarbeit mit der Gewerblichen Berufsschule Weinfelden. «Ich freue mich über ihre Vollzähligkeit», begrüsst Berufsbildner Martin Brändli die Jungschreinerinnen und -schreiner. Hampi Niederer, neuer Präsident des Verband Schreiner Thurgau, legt den Fokus seiner Ausführungen auf die Situation im Betrieb, den Schreiner-Gesamtarbeitsvertrag und die Dienstleistungen des Verband Schreiner Thurgau VSSM. «Bis jetzt waren sie nicht dem Gesamtarbeitsvertrag unterstellt und verbrachten ihre vergangene Lehrzeit während vier Tagen im Lehrbetrieb und einen Tag in der Berufsschule», begrüsst er die angehenden Berufsleute.
37 bleiben dem Beruf treu
Der Präsident rät ihnen, in den überbetrieblichen Kursen und im Lehrbetrieb das Erlernte nun anzuwenden. «Dies sollen sich nicht vergessen, aber was sie vergessen dürfen, ist ihre vertragliche Situation», sagt er. «Sie sind Schreiner, ihre Stärken sind ihr Potential und jeder von ihnen muss seine Stärken kennen und das tun, was er am besten kann», riet der Präsident. Freude bereitet ihm in diesem Zusammenhang die Tatsache, dass von den insgesamt 39 angehenden Schreinerinnen und Schreiner lediglich zwei mitteilen, dass sie nicht im Beruf bleiben werden. «Als neues Mitglied eines Teams erwartet man von ihnen Offenheit, Toleranz, Hilfsbereitschaft und das Einfügen ins Team», hebt der Präsident hervor. Er macht die jungen Berufsleute darauf aufmerksam, dass sie nun ein Mehrfaches des bisherigen Lehrlingslohns verdienen, nämlich 4623 Franken als Schreiner EFZ und 3793 als Schreiner EBA. Gemäss Niederer werden diese Löhne nach fünf Jahren Berufserfahrung auf 5447 Franken, respektive 4447 Franken ansteigen. Zudem macht er die Teilnehmenden darauf aufmerksam: «Sie sind jetzt gleichzeitig auch die neuen Vorbilder für die Lernenden im Betrieb». Auch rät er ihnen, bei einem Fehler das Gespräch zu suchen, dazu zu stehen, denn: «Grobfahrlässigkeiten können eine mündliche oder schriftliche Ermahnung oder gar finanzielle Konsequenzen zur Folge haben.» Ein weiterer Ratschlag geht dahin, sich Ziele zu setzen für die berufliche Zukunft und sich stets bewusst zu sein, dass die Freude an der Arbeit zu guten Leistungen führt.
Weiterbildung ist das Gebot der Stunde
Gemäss Gesamtarbeitsvertrag, der laut Niederer dem Arbeitnehmer und -geber dient, liegt die wöchentliche Arbeitszeit bei 41.5 Stunden und es gelten 23 Tage Ferien jährlich. Er warnt vor Schwarzarbeit und weist darauf hin, dass die tägliche Arbeitszeit rapportiert werden muss. Mit Blick auf die Fünftagewoche nennt er unterschiedliche Modelle in den Betrieben. Auch die Entlöhnung oder Kompensation der Überzeit, der Zuschlag von 25 Prozent und der 13. Monatslohn sind im Gesamtarbeitsvertrag klar geregelt.
Die neun bezahlten Feiertage im Thurgau müssen bezahlt werden, wobei der 1. Mai eine Ausnahme bildet. Niederer rät den zukünftigen Schreinern: «Bilden sie sich weiter, denn nicht nur Produktions- und Projektleiter sind gesucht, sondern auch Fertigungsund Avorspezialisten, Techniker und Meister.»
Geschicklichkeit mit Auto und Veloanhänger
Im Rahmen von drei Workshops bietet sich den Teilnehmenden die Möglichkeit, sich mit verschiedenen für das Berufsleben wichtigen Themen zu befassen. Stefan Gut vom Institut für Finanzbildung verdeutlicht ihnen mit der Präsentation seines «Geldführerscheins», dass eine finanzielle Bildung für Sicherheit, Unabhängigkeit und Freiheit sorgt. Wie wichtig auf dem Arbeitsmarkt ein richtiges Vorgehen bei der Bewerbung sein kann, erfahren sie von Stefan Frei und Stella Seefried an einem weiteren Posten. Dabei richtet sich der Fokus auf die Bewerbung, den Aufbau eines Begleitschreibens und des Lebenslaufs und vermittelt verschiedene Tipps für das Vorstellungsgespräch. Informationen erhalten sie auch, wie es nach der Lehre hinsichtlich der beruflichen Laufbahn weiter gehen könnte. Auf dem Gelände des Verkehrssicherheitszentrums stellen die Lehrlinge unter der Leitung von Alexandra und Flavio Giordano, unterstützt von Monique Hafner, ihre Geschicklichkeit im Zusammenhang mit dem Autorfahren unter Beweis. Viel Spass und Plausch bilden dabei das Rückwärtsfahren und das Platzieren eines Senkels auf einer Zielscheibe. Auch ein Slalom mit dem Veloanhänger, einem Löffel im Mund, mit einem Tischtennisball darauf, verlangt Geschick. Bei einem abschliessenden Wettbewerb mit einem Dutzend aktueller Fragen über das Verhalten im Verkehr können die Teilnehmenden ihr Wissen unter Beweis stellen.
WERNER LENZIN


