Wenn die Welt langsam an Kontrast verliert
27.08.2026 Aadorf, GESUNDHEITDr. med. Dirk Duwendag, Augenarzt im Augenzentrum Aadorf, möchte die Leserinnen und Leser für das Thema Augengesundheit sensibilisieren. In diesem Beitrag erklärt er, woran sich ein Grauer Star erkennen lässt, wann eine Operation sinnvoll sein kann und weshalb eine ...
Dr. med. Dirk Duwendag, Augenarzt im Augenzentrum Aadorf, möchte die Leserinnen und Leser für das Thema Augengesundheit sensibilisieren. In diesem Beitrag erklärt er, woran sich ein Grauer Star erkennen lässt, wann eine Operation sinnvoll sein kann und weshalb eine individuelle augenärztliche Beratung dabei eine wichtige Rolle spielt.
Die Zeitung muss etwas näher ans Gesicht. Beim Autofahren in der Dämmerung blenden entgegenkommende Scheinwerfer stärker als früher. Farben wirken weniger kräftig, Konturen weniger klar. Oft geschieht all dies so langsam, dass man sich an die Veränderungen gewöhnt.
Dahinter kann eine der häufigsten altersbedingten Veränderungen des Auges stehen: der Graue Star, medizinisch Katarakt genannt. Dabei wird die ursprünglich klare Linse im Inneren des Auges zunehmend trüb. Das einfallende Licht kann dadurch nicht mehr ungehindert und präzise auf die Netzhaut fokussiert werden. Das Sehen wird unschärfer und kontrastärmer.
Mehr als eine Zahl auf der Sehtafel
Wie stark ein Grauer Star tatsächlich beeinträchtigt, lässt sich nicht allein an der gemessenen Sehschärfe ablesen. Zwei Menschen mit demselben Visus können ihren Alltag sehr unterschiedlich erleben. Kontrastsehen, Blendempfindlichkeit und die individuellen Anforderungen an das Sehen spielen dabei eine ebenso wichtige Rolle.
Entscheidend ist deshalb die Frage, was im täglichen Leben noch zuverlässig gelingt: Ist Autofahren bei Dämmerung weiterhin sicher? Kann längere Zeit ermüdungsfrei gelesen werden? Werden Gesichter und Konturen klar erkannt?
Solche funktionellen Einschränkungen sind für die Beurteilung oft aussagekräftiger als ein einzelner Messwert.
Wann muss ein Grauer Star operiert werden?
Eine Katarakt muss nicht allein deshalb operiert werden, weil sie bei einer Untersuchung sichtbar ist. Im frühen Stadium können eine angepasste Brille, bessere Beleuchtung oder andere einfache Massnahmen zunächst ausreichen. Eine feste Sehschärfe, bei deren Unterschreiten automatisch operiert werden muss, gibt es nicht.
Eine Operation wird vor allem dann sinnvoll, wenn die Linsentrübung das alltägliche Sehen relevant beeinträchtigt und von einem Eingriff eine Verbesserung zu erwarten ist. Auch die Schweizerische Ophthalmologische Gesellschaft betont, dass eine sichtbare Linsentrübung allein noch keine Operationsindikation darstellt. Entscheidend sind die individuellen Sehbedürfnisse sowie die gemeinsame Abwägung von erwartetem Nutzen und Operationsrisiko.
«Eine Kataraktoperation ist Vertrauenssache», sagt Dr. med. Dirk Duwendag. «Eine gute Beratung beginnt deshalb nicht mit der Frage, welche Linse eingesetzt werden soll, sondern ob eine Operation zum jetzigen Zeitpunkt überhaupt sinnvoll ist.» Seine Erfahrung aus mehreren Tausend durchgeführten Kataraktoperationen bringt er heute in die Beratung und Operationsplanung im Augenzentrum Aadorf ein. Ist die Entscheidung für eine Operation gefallen, wird die getrübte körpereigene Linse entfernt und durch eine klare Kunstlinse ersetzt. Medikamente oder Augentropfen können eine bestehende altersbedingte Katarakt dagegen nicht beseitigen.
Die Vermessung vor der Operation ist entscheidend
Vor dem Eingriff wird das Auge genau vermessen. Bei dieser sogenannten Biometrie werden unter anderem die für die Berechnung der Kunstlinse erforderlichen Eigenschaften des Auges bestimmt. Gleichzeitig wird festgelegt, welches Sehergebnis nach der Operation angestrebt wird.
Denn die neue Linse beseitigt nicht nur die Trübung. Ihre Stärke beeinflusst auch, welche Brillenkorrektur später benötigt wird. Neben bewährten monofokalen Linsen stehen je nach Ausgangssituation beispielsweise torische Linsen zur Korrektur einer Hornhautverkrümmung sowie verschiedene Linsenkonzepte zur Verringerung der Brillenabhängigkeit zur Verfügung.
Nicht jede Linse eignet sich jedoch für jedes Auge und jeden Anspruch. Insbesondere Linsen zur Korrektur der Alterssichtigkeit können eine grössere Brillenunabhängigkeit ermöglichen, gleichzeitig aber auch mit optischen Phänomenen wie Halos oder erhöhter Blendempfindlichkeit verbunden sein. Eine sorgfältige Auswahl und realistische Erwartungen sind deshalb wichtiger als die Frage nach der vermeintlich «besten» Linse.
Gutes Sehen darf wieder selbstverständlich werden
Der Graue Star entwickelt sich meist über Jahre. Entsprechend leicht wird die schleichende Verschlechterung zunächst dem normalen Älterwerden zugeschrieben.
Wer jedoch zunehmend schlechter bei Dämmerung sieht, sich stärker geblendet fühlt oder trotz angepasster Brille keine zufriedenstellende Sehqualität mehr erreicht, sollte die Ursache augenärztlich abklären lassen. Nicht jede Sehverschlechterung ist ein Grauer Star – und gerade deshalb lohnt sich die genaue Untersuchung.
Im Augenzentrum Aadorf können solche Veränderungen vor Ort abgeklärt und die verschiedenen Möglichkeiten in Ruhe besprochen werden.
DR. MED. DIRK DUWENDAG, AUGENZENTRUM AADORF

