Wechsel an der Spitze und ein Jahr mit Herausforderungen
21.04.2026 Elgg, RegionDie Zürcher Landbank feierte in Rickenbach ihre 175. Generalversammlung mit Rekordbeteiligung. Neben dem Jubiläum standen ein anspruchsvolles Geschäftsjahr 2025, ein Führungswechsel im Verwaltungsrat, Neuwahlen und der Blick in die digitale Zukunft im Zentrum.
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Die Zürcher Landbank feierte in Rickenbach ihre 175. Generalversammlung mit Rekordbeteiligung. Neben dem Jubiläum standen ein anspruchsvolles Geschäftsjahr 2025, ein Führungswechsel im Verwaltungsrat, Neuwahlen und der Blick in die digitale Zukunft im Zentrum.
Am vergangenen Freitagabend versammelten sich so viele Aktionärinnen und Aktionäre wie noch nie zur Generalversammlung (GV) der Zürcher Landbank (ZLB) in der Mehrzweckhalle Hofacker in Rickenbach. Bankleiter Jürg Randegger blickte auf deren 175-jährige Geschichte zurück, von der Gründung der Sparr-Cassa Elgg 1851 über verschiedene Vorgängerinstitute bis heute. Wie damals sei es ein Anliegen der Bank, «den Leuten einen sicheren Hafen für ihre Ersparnisse zu bieten und ihnen zu helfen, ihre Bedürfnisse und Träume zu finanzieren».
Verwaltungsratspräsident Andreas Bergmann, der durch den statutarischen Teil führte, zeigte sich überwältigt: «Ich glaube, es ist heute nicht mehr selbstverständlich, dass Unternehmen 175 Jahre Bestand haben und weiter prosperieren. Dies ist auch ein Zeichen für die Treue der Aktionäre und Kunden.»
Intensives Jahr
Das Geschäftsjahr 2025 sei intensiv gewesen, sagte Bergmann. Die Exportwirtschaft sei von Zöllen und dem starken Franken besonders betroffen gewesen und habe das Wachstum abgeschwächt. Dafür habe die Schweiz die Inflation im Griff, was für die wirtschaftliche Entwicklung eine solide Grundlage sei. Die Zinssenkungen der Schweizerischen Nationalbank (SNB) hätten jedoch das Zinsdifferenzgeschäft der Bank unter Druck gesetzt. Der Wegfall der Verzinsung der Sichtguthaben bei der SNB habe im Ergebnis der zu einem Minus von 2,7 Millionen Franken im Vergleich zu 2024 geführt.
Zusätzlich wurde die Bank von einem internen Vorfall erschüttert. Kurz nach der letzten Generalversammlung sei eine Veruntreuung durch Angestellte aufgedeckt worden. «Wir haben sofort reagiert, Strafanzeige erstattet, fristlose Entlassungen ausgesprochen und nach internen Untersuchungen weitere Massnahmen ergriffen.»
Trotz dieser negativen Schlagzeilen sei das Vertrauen der Kundschaft erhalten geblieben. Bereits einen Monat nach Bekanntwerden des Falls seien deutliche Zuflüsse an Kundengeldern verzeichnet worden. Gleichzeitig habe man das 25-Prozent-Aktienpaket der Bank Avera sehr erfolgreich in der Region platziert, deutlich über den Erwartungen. Heute befinden sich rund 85 Prozent der Aktien in den Händen von Kundinnen und Kunden der Bank und weniger als 5 Prozent im Eigenbestand, der ebenfalls noch im Kundenkreis platziert werden soll.
Moderates Wachstum
Jürg Randegger bedankte sich bei den Mitarbeitenden, die mit grossem Einsatz den Personalengpass überbrückten, sowie bei den Kundinnen und Kunden für ihr Vertrauen. Weiter stellte er aktuelle Mitarbeitende sowie die Leitungen der vier Standorte Elgg, Räterschen, Rickenbach Sulz und Neftenbach vor.
Folgende Projekte konnte die ZLB 2025 erfolgreich einführen oder weiterentwickeln: TWINT, das Hypo-Dossier (effiziente digitale Kreditverarbeitung), die Vorsorge sowie den E-Newsletter.
Trotz aller Herausforderungen verzeichnete die ZLB 2025 ein «vorsichtiges Wachstum». Mit seiner Präsentation zeigte der Bankleiter ein gemischtes Bild: Während das Zinsgeschäft unter Druck stand, entwickelten sich andere Bereiche positiv. Besonders das Anlagegeschäft und die Depotvolumen legten zu, und auch bei den Kundengeldern sowie den Ausleihungen konnte ein moderates Wachstum erzielt werden.
Gestiegen und noch nicht zur Zufriedenheit der Bank ist die Cost-Income-Ratio (Verhältnis von Aufwand und Ertrag). Die Kapitalquote ist gemäss Randegger weiterhin sehr gut und liegt über den regulatorischen Anforderungen. Der Jahresgewinn von 1,6 Millionen Franken befindet sich auf dem Niveau von vor den ausserordentlichen Jahren 2024/25.
Gesunde Bank im Dorf
Die Bank bleibt ihrem konservativen Risikoprofil treu. Der Fokus liegt weiterhin auf Hypotheken, hauptsächlich beim Wohnen, dem lokalen Gewerbe und der Landwirtschaft im regionalen Markt. Ein grosser Teil der Finanzierungen ist im tiefen Belehnungsbereich. «Wir sind eine risikoarme Regionalbank», betonte Randegger.
Sehr erfolgreich war die ZLB auch beim Zufluss von Netto-Neukundengeldern von 26,7 Millionen Franken, inklusive der 7 Millionen Investitionen in die Aktien. Der Geschäftsaufwand ist im Berichtsjahr nur leicht gestiegen.
Randegger hob auch das funktionierende IT-System nach der Rückkehr ins Clientis-Netzwerk hervor. Ebenfalls wichtig seien die Investitionen ins Personal, aufgrund der Kundennähe «das wichtigste Gut der ZLB. Wir sind eine stabile, gesunde Bank im Dorf für Ihre und die nächste Generation», sagte Randegger in seinem Fazit zum turbulenten Jahr.
Geschäfte genehmigt
Unter der Leitung von Andreas Bergmann wurden von den anwesenden 619 und vertretenen 235 Aktionärinnen und Aktionären der Lagebericht und die Jahresrechnung angenommen, die Organe entlastet sowie die Verwendung des Bilanzgewinns und die Dividendenausschüttung von total 950’000 Franken (19 Prozent des Nennwerts) genehmigt. Ein Teil davon erfolgt zum letzten Mal aus der steuerbefreiten Kapitaleinlage.
Wechsel im Verwaltungsrat
Ein zentraler Punkt der Versammlung war der personelle Wechsel im Verwaltungsrat. Verabschiedet und gewürdigt wurde das langjährige Mitglied Valentin Schnyder aus Elgg.
Nach 17 Jahren als Präsident trat Andreas Bergmann von seinem Amt zurück, bleibt dem Gremium jedoch weiterhin als Mitglied erhalten. Der bisherige Verwaltungsrat (Andreas Bergmann, Sibylle Kunz, Daniel Mägerle, Bernhard Rüdin, Emil Walt) wurde in globo bestätigt.
Neu in den Verwaltungsrat gewählt wurden Bettina Gysi aus Dickbuch und Martin Hübscher aus Bertschikon.
Als neuer Präsident wurde schliesslich Emil Walt gewählt, seit vier Jahren Mitglied des Verwaltungsrates und «ein profunder Kenner der Finanzwirtschaft», so Bergmann.
Walt würdigte in seiner ersten Rede in der neuen Funktion seinen Vorgänger. Andreas Bergmann habe den Verwaltungsrat mit Weitsicht, Integrität und Engagement massgeblich geprägt. «Unter seiner Führung wurden entscheidende strategische Weichen gestellt, und die ZLB ist heute stark und zukunftsfähig.» Er habe ein Klima des Vertrauens und der kollegialen Zusammenarbeit geschaffen. Von den Aktionärinnen und Aktionären wurde Bergmann grosser Applaus zuteil.
Bestätigt wurde auch die bisherige Revisionsstelle.
Schwerpunkte 2026
Jürg Randegger stellte die Schwerpunkte für das Jahr 2026 vor: E- und Mobile-Banking, effiziente interne Prozesse, Anlagen und Vorsorge. Weiter werden die regulatorischen Verschärfungen beschäftigen, das überarbeitete Leitbild umgesetzt und die Planung der Strategie für die kommenden Jahre in Angriff genommen. «Ihre Zürcher Landbank wird Ihre Zürcher Landbank bleiben, wie Sie sie kennen und lieben», schloss er. In diesem Sinne werde auch die Jubiläumsfeier am Muttertags-wochenende zusammen mit der Gewerbeausstellung des HGV gefeiert.
Der Abend klang mit einem gemeinsamen Nachtessen und traditioneller Unterhaltung durch das Comedy-Duo Messer & Gabel aus Appenzell aus.
Die nächste GV der ZLB findet am Freitag, 16. April 2027, in Rickenbach statt.
BETTINA STICHER



