Einer ist die Stimme, in Wirklichkeit aber ein ganzes Orchester. Der andere verwandelt sich nach Belieben in Gestalten aus Märchen, skurrilen Fantasien und Improvisationen.
Ein Cartoon muss man erst einmal interpretieren können, bevor sich dessen Sinn entschlüsselt. ...
Einer ist die Stimme, in Wirklichkeit aber ein ganzes Orchester. Der andere verwandelt sich nach Belieben in Gestalten aus Märchen, skurrilen Fantasien und Improvisationen.
Ein Cartoon muss man erst einmal interpretieren können, bevor sich dessen Sinn entschlüsselt. Für gezeichnete Cartoons gibt es kein Zeitlimit, anders als bei einem erzählten Witz, der ja auch eine Art Cartoon ist. Zudem ist der Interpretationsspielraum bei einem gezeichneten Cartoon weit offen. Nehmen wir als Beispiel die Interpretationsaufgabe vom Cartoon im Tages-Anzeiger – unser Mitbürger Hans Maag hat es schon dreimal auf den ersten Rang geschafft. Zwei Wolken mit offenen Augen. Aus der einen Wolke zuckt ein Blitz. Aus der andern hängt ein kurzes Kabel mit einem Stecker. Als bester Kommentar ausgezeichnet: «Du, ich habe zu Hause noch ein Verlängerungskabel.» Rang 2: «Hast du den Anschluss verpasst?» Rang 3: «Händ’s dir de Stecker zoge?» Zur Interpretation braucht es Fantasie. Für Les Toons nicht weniger.
So lachen denn manchmal nur die einen, und die andern fragen sich, was sie schon wieder nicht verstanden haben.
Cartoon um Cartoon
Bei der Vorstellung am letzten Samstag im Werkgebäude gab das Westschweizer Duo Les Toons einen Cartoon nach dem andern, einen Comic nach dem andern. Florian als Pantomime legte ein rasantes Tempo vor. Ein Künstler mit einem elastischen Körper – biegsam und verbiegbar –, der dank seinem Partner Julien am Beatbox keineswegs geräuschlos blieb: Mit Mund, Nase und Rachen lieferte dieser die tonale Begleitung. Tierlaute von Hunden und Katzen sind einfach zu imitieren, und deren Bewegungen lassen sich vom Mimen gut darstellen. Auch ein US-Kavallerie-Regiment, das siegesgewiss unter Trompetenfanfaren gegen die Indianer losreitet, lässt sich nachstellen. Schwieriger wird es, wenn ein Vogel verschluckt wird, der daraufhin im ganzen Körper herumirrt, bis er oben den Ausweg wiederfindet. Wenn dann eine Zugabe am Schluss der Vorstellung von den Besuchenden mit vier Vorschlägen mitbestimmt werden konnte – Krokodil, Flaschengeist, Bierflasche, Badehose –, wird die Interpretation schon ziemlich anspruchsvoll. Was für Geräusche macht ein Flaschengeist, der sich mit dem Krokodil in Badehose herumschlagen muss, während die Bierflasche sichtbar von der ersten Stuhlreihe zur Bühne kullert? Und in welcher Bildsprache soll man das imitieren?
In Aadorf wurde das Duo beim Kleinkunstfestival «Die Krönung» als Könige ausgezeichnet. Die Kulturkommission Elgg sah den Auftritt von Les Toons an der letztjährigen Künstlerbörse in Thun und war begeistert. Beim Elgger Publikum war die Pantomime offenbar weniger gefragt – die Stuhlreihen im Werkgebäude waren doch recht spärlich besetzt.
PETER ZINGGELER