Was beim Einkauf wirklich zählt
20.08.2026Klimafreundlich einkaufen – das nehmen sich viele Menschen vor. Doch im Alltag entscheiden oft andere Faktoren: Gewohnheit, Preis, Verfügbarkeit oder die Hergestellung des Produktes. Warum besteht zwischen guten Vorsätzen und tatsächlichem Kaufverhalten eine Lücke?
...Klimafreundlich einkaufen – das nehmen sich viele Menschen vor. Doch im Alltag entscheiden oft andere Faktoren: Gewohnheit, Preis, Verfügbarkeit oder die Hergestellung des Produktes. Warum besteht zwischen guten Vorsätzen und tatsächlichem Kaufverhalten eine Lücke?
ERNÄHRUNG
Wie beeinflussen unsere Kaufentscheide das Klima – und umgekehrt? Mit diesen Fragen beschäftigt sich unter anderem der «Klimagipfel für Landwirtschaft und Esskultur». Forschende untersuchen dabei, weshalb Menschen trotz ihrer Überzeugungen nicht immer klimafreundlich einkaufen. Bäuerinnen und Bauern erleben diese Entscheidungen direkt im Kontakt mit ihren Kundinnen und Kunden.
Gewohnheiten bestimmen den Einkauf
«Unsere Essgewohnheiten sind tief in Kultur, Tradition und Sozialisation verankert», erklärt Dr. Maiken Maier, die zu nachhaltiger Ernährung forscht. Viele Kaufentscheide würden unbewusst getroffen und seien von Gewohnheiten geprägt. Zwar spielten Wissen, Werte und Motivation eine Rolle, im Alltag konkurrierten diese jedoch mit Preis, Verfügbarkeit und Bequemlichkeit.
Fachleute sprechen dabei vom «Attitude-Behaviour-Gap»: Menschen haben bestimmte Vorstellungen und möchten beispielsweise klimafreundlicher einkaufen, setzen diese Absichten im Alltag aber nicht immer um. Routinen, Zeitdruck und fehlende Anreize können dazu führen, dass doch das vertraute Produkt im Einkaufskorb landet.
Labels allein reichen nicht
CO2-Labels auf Lebensmitteln können das Bewusstsein für die Klimawirkung von Produkten erhöhen. Ihr Einfluss auf das tatsächliche Einkaufsverhalten sei jedoch begrenzt. Wirksamer könnten solche Informationen in Kombination mit anderen Massnahmen sein.
Auch Dr. Lukas Fesenfeld von der ETH Zürich und der Universität Bern betont die Bedeutung der Einkaufssituation. Nachhaltige Produkte würden eher gewählt, wenn sie sichtbar, attraktiv und preislich interessant seien. Preisaktionen, positive Geschmackserlebnisse oder passende Rezeptideen könnten dazu beitragen, dass aus guten Vorsätzen tatsächlich ein anderes Einkaufsverhalten werde.
Regionalität vor CO2-Bilanz
Wie sich diese Erkenntnisse in der Praxis zeigen, erlebt Valérie Cavin auf ihrem Biohof in Malans. Die Produkte werden hauptsächlich direkt vermarktet.
«Explizit nach klimafreundlichen Produkten hat mich noch niemand gefragt», erzählt Cavin. Für ihre Kundschaft seien andere Kriterien wichtiger: Regionalität, biologische Produktion und Tierwohl. Beim Gemüse stehe der pestizidfreie Anbau im Vordergrund, beim Fleisch die Haltung der Tiere. Auch die Qualität spiele eine wichtige Rolle. Beim Preis gebe es Unterschiede. Die Stammkundschaft lege weniger Wert darauf, während Laufkundschaft bei höheren Preisen teilweise genauer hinschaue. Transparenz könne helfen, Preise und Produktionsbedingungen zu erklären.
Auch wenn die CO2-Bilanz selten direkt angesprochen werde, beobachtet Cavin ein zunehmendes Bewusstsein für einen bewussteren Konsum. Gerade beim Fleisch gelte zunehmend das Prinzip «weniger ist mehr». Auch das Vertrauen in die Herkunft und Produktionsweise der Lebensmittel sei wichtiger geworden.
Für Cavin gehört zum klimabewussten Konsum zudem ein Thema, das oft übersehen wird: Food Waste. «Es geht nicht nur darum, wo und was man einkauft, sondern auch darum, dass man das, was man einkauft, isst und nicht wegschmeisst».
Damit zeigt sich: Klimafreundlicher Konsum beginnt nicht zwingend beim Blick auf ein CO2-Label. Er kann bereits bei der Frage anfangen, was tatsächlich gebraucht wird, woher ein Lebensmittel kommt und ob es am Ende auch auf dem Teller landet.
LID.CH
