«Warum eigentlich nicht ich?»
01.09.2026 AadorfSeit gut drei Jahren gibt es in Aadorf wieder eine Jugendriege – nachdem das Angebot zuvor rund drei Jahre lang nicht bestanden hatte. Der Neustart war erfolgreich: Die drei Riegen sind bis auf wenige Plätze bei den Erstklässlern ausgebucht, zwei Kinder stehen auf der Warteliste. ...
Seit gut drei Jahren gibt es in Aadorf wieder eine Jugendriege – nachdem das Angebot zuvor rund drei Jahre lang nicht bestanden hatte. Der Neustart war erfolgreich: Die drei Riegen sind bis auf wenige Plätze bei den Erstklässlern ausgebucht, zwei Kinder stehen auf der Warteliste. Damit das Angebot langfristig bestehen und weiterentwickelt werden kann, sucht der Jugend- und Kinderturnverein Aadorf (JuKi TV Aadorf) laufend neue Jugileiterinnen und Jugileiter. Wir haben mit Evelyne Reusser, Präsidentin des Jugend- und Kinderturnvereins Aadorf, über die Nachfrage, das Leiterteam und das Ehrenamt gesprochen.
Frau Reusser, wie ist die Jugendriege Aadorf aktuell organisiert?
Evelyne Reusser: Die Jugi gehört zum Jugend- und Kinderturnverein Aadorf, kurz JuKi TV Aadorf. Dazu gehören die Jugi von der 1. bis zur 8. Klasse, das Kinderturnen im Kindergartenalter und das Muki-Turnen ab drei Jahren mit einer Begleitperson. Der Verein wurde im Sommer 2023 gegründet. Zuvor gab es in Aadorf rund drei Jahre lang keine Jugi, weil das damalige Leiterteam keine Nachfolge fand. Wir haben einen neuen Anlauf genommen und konnten mit engagierten Leitenden starten. Heute gibt es drei Riegen: eine für die 1. Klasse, eine für die 2./3. Klasse und eine für die 4. bis 8. Klasse.
Wie gross ist die Nachfrage?
In der 1. Klasse sind wir mit zehn Kindern gestartet und haben noch freie Plätze. In der Jugi 2 sind 22 Kinder dabei, zwei weitere stehen auf der Warteliste. Die Jugi 3 zählt 21 Kinder und ist ebenfalls voll. Insgesamt haben wir vier ausgebildete Jugend und Sport-Leitende und drei Hilfsleitende. Je nach Stundenplan unterstützen uns zusätzlich Jugendliche.
Was schätzen Kinder und Eltern besonders an der Jugi?
Die Kinder haben Spass, bewegen sich und schliessen Freundschaften mit anderen Kindern aus dem Dorf. Die Eltern schätzen die kurzen Wege, die Bewegung ohne Leistungsdruck und die polysportive Ausrichtung. Die Turnstunden sind abwechslungsreich gestaltet und fördern auch den Teamgeist.
Sie suchen trotzdem neue Jugileiterinnen und Jugileiter. Warum?
Aktuell haben wir glücklicherweise genügend Leitende, damit alle Riegen wie geplant stattfinden können. Wir möchten aber vorausschauend planen und unser Team verstärken. Unser Ziel ist, die Verantwortung auf mehrere Personen zu verteilen, sodass sich die Leitenden abwechseln können. So lässt sich das Engagement besser mit Beruf, Familie und Freizeit vereinbaren.
Welche Voraussetzungen braucht es?
Grundsätzlich keine besonderen. Wichtig sind Freude an Bewegung und am Umgang mit Kindern, Verantwortungsbewusstsein und die Bereitschaft, sich auf die Kinder einzulassen. Turnerfahrung ist keine Voraussetzung. Neue Leitende werden schrittweise eingearbeitet und können bei erfahrenen Leiterinnen und Leitern mitmachen. Auch ein (J+S)-Kurs wird vom Verein finanziert.
Wie gross ist der zeitliche Aufwand?
Eine Turnstunde umfasst die Präsenzzeit in der Halle sowie die Vorbereitung. Je nach Erfahrung und Inhalt dauert diese etwa 15 bis 45 Minuten. Mit der Zeit wird die Vorbereitung einfacher, weil man auf bewährte Übungen und Spiele zurückgreifen kann. Zusätzlich gibt es etwa drei bis vier Abendsitzungen pro Jahr. An Wettkämpfen nehmen wir bewusst nur ein bis zwei Mal jährlich teil, damit die Wochenenden der Familien nicht zu stark belastet werden.
Sind auch Jugendliche oder Eltern ohne Turnerfahrung willkommen?
Unbedingt. Jugendliche können als Hilfsleitende einsteigen und erste Erfahrungen sammeln. Auch junge Erwachsene und Eltern sind willkommen. Bei der Gründung unseres Vereins haben sich beispielsweise vier Elternteile als Jugileitende gemeldet, obwohl sie keine grosse Turnerfahrung hatten. Mit Unterstützung im Team, praktischer Erfahrung und einem (J+S)-Kurs haben sie sich Schritt für Schritt zu engagierten Leitungspersonen entwickelt. Man muss also kein Profi sein.
Wie schwierig ist es, Freiwillige zu finden?
Die Suche ist nicht ganz einfach. Viele Menschen sind beruflich und privat stark engagiert und haben weniger Zeit für ein Ehrenamt. Gleichzeitig ist das Interesse der Kinder an der Jugi gross. Wir erleben aber immer wieder, dass sich Menschen gerne engagieren, wenn man sie direkt anspricht und ihnen den Einstieg erleichtert. Diese Herausforderung betrifft nicht nur uns, sondern viele Vereine.
Welche Bedeutung hat die Jugi für Aadorf?
Für uns geht es nicht nur um Sport und Bewegung, sondern auch um Gemeinschaft und Freundschaften. Wenn ich an meine eigene Jugi-Zeit zurückdenke, sind es vor allem die gemeinsamen Erlebnisse und schönen Erinnerungen, die geblieben sind. Viele Freundschaften von damals bestehen bis heute. Genau solche Erfahrungen möchten wir auch den Kindern ermöglichen.
Eine Herausforderung ist, dass es für Jugendliche nach der Sekundarschule kein anschliessendes Turnangebot in Aadorf gibt; ein aktiver Damen- oder Turnverein für Jugendliche und junge Erwachsene fehlt. Wenn Jugendliche nach der Sekundarschule in eine Aktivriege wechseln möchten, empfehlen wir deshalb die Aktivriege in Guntershausen. Ein Wechsel in einen anderen Ort ist natürlich nicht für alle einfach.
Was wünschen Sie sich von der Bevölkerung?
Wir wünschen uns, dass sich die Menschen angesprochen fühlen und sich überlegen: «Warum eigentlich nicht ich?» Man braucht keine grosse Turnerfahrung und muss auch kein Profi sein. Freude an Bewegung und am Umgang mit Kindern sind viel wichtiger. Wer Interesse hat, darf gerne einmal unverbindlich in einer Turnstunde schnuppern und sich selbst ein Bild machen.
Was würden Sie jemandem sagen, der noch unsicher ist?
Meldet euch einfach bei uns. Niemand muss sich sofort langfristig verpflichten. Wer einmal dabei war, merkt schnell, wie viel Freude die Arbeit mit den Kindern macht. Das Lachen und die Begeisterung der Kinder geben einem unglaublich viel zurück.
Gibt es Pläne, das Angebot auszubauen?
Grundsätzlich würden wir unser Angebot gerne weiterentwickeln. Dafür brauchen wir genügend Hallenzeiten, ein engagiertes Leiterteam und Kinder, die das Angebot nutzen. Gerade bei den älteren Kindern verändert sich das Interesse an der Jugi häufig mit dem Übertritt in die Sekundarschule. Deshalb suchen wir nicht eine bestimmte Anzahl neuer Personen, sondern generell Menschen, die Freude daran haben, sich einzubringen.
Wer sich engagiert, schenkt den Kindern nicht nur eine Turnstunde, sondern Zeit, Bewegung, Gemeinschaft und Erinnerungen. Genau darum geht es uns: gemeinsam etwas für die Kinder in Aadorf zu schaffen.
INTERVIEW: EMANUELA MANZARI
Die Jugendriege Aadorf in Zahlen
• Jugi 1, 1. Klasse: 10 Kinder, noch freie Plätze (Turnzeit: Montag, 16:30 - 17:45 Uhr)
• Jugi 2, 2./3. Klasse: 22 Kinder, voll, 2 Kinder auf der Warteliste (Turnzeit: Dienstag, 17:30 - 18:45 Uhr)
• Jugi 3, 4.–8. Klasse: 21 Kinder, voll, keine Warteliste Mittwoch, (Turnzeit: 18.45 - 20:15 Uhr)
• Leiterteam: 4 ausgebildete J+S-Leitende, 3 Hilfsleitende
• Gegründet: Sommer 2023, nach rund drei Jahren ohne Jugi-Angebot in Aadorf
• Interessierte können sich unverbindlich beim JuKi TV Aadorf melden und in einer Turnstunde schnuppern. Weitere Informationen unter www.tvaadorf.ch


