WAK: 25 Jahre Anpacken, Wachsen, Weiterdenken
06.06.2026 ElggRund 100 Personen nahmen an der GV der WAK teil. Neben erfreulichen Zahlen, neuen Wohnprojekten und grossen Zukunftsplänen sorgte vor allem die Verabschiedung von Mitgründer Bernhard Egg für emotionale Momente. Dass die Genossenschaft auch nach fast 25 Jahren voller Ideen steckt, ...
Rund 100 Personen nahmen an der GV der WAK teil. Neben erfreulichen Zahlen, neuen Wohnprojekten und grossen Zukunftsplänen sorgte vor allem die Verabschiedung von Mitgründer Bernhard Egg für emotionale Momente. Dass die Genossenschaft auch nach fast 25 Jahren voller Ideen steckt, zeigte sich bis zum letzten Traktandum.
Der Kultursaal im Bärenhof war bis auf den letzten Platz besetzt: Rund 100 Personen nahmen an der 24. Generalversammlung (GV) der Genossenschaft für Wohnen, Arbeit und Kultur (WAK) teil. Zu Beginn erinnerte Bernhard Egg an die im Frühling verstorbene Emmi Schneider-Ammann, die während mehr als 20 Jahren Mitglied der Genossenschaft gewesen war.
Im Jahresbericht des Vorstands blickte Michèle Zwicky auf ein bewegtes Jahr zurück: «Zusammenfassend waren es intensive Monate. Wir haben neue Projekte angestossen und uns mit weiteren Liegenschaften beschäftigt; so haben wir den Zuschlag für das Grundstück Humbergweg erhalten und konnten das Würmli Haus kaufen. Nicht zuletzt haben wir anlässlich des GrUm’25 mit Muskelkraft und Holzwärme ein römisches Bad betrieben.»
Die Wohnsituation sehe bei der WAK so aus, wie überall. Berichte über leere Wohnungen seien ein Gerücht, es gäbe schlicht keine. «Im Bereich Arbeit mussten wir uns mit dem Kostümverleih Simsalabim allerdings von einem Stück Geschichte trennen.» Die nicht verkauften Kostüme seien sicher eingelagert und aus den Räumlichkeiten wurde die neue Heimat der WAK. In die alten Büros sei dafür neues Leben eingekehrt, aus ihnen wurden Schulräume. «Viel beschäftigt hat uns die Guhwilmühle, vor allem in der Projektentwicklung. Es ist ein Projekt, das zeigt, was erreicht werden kann, wenn viele mit grossem Engagement am selben Strick ziehen.» Der Jahresbericht wurde von der Versammlung einstimmig angenommen.
Solides Wachstum
Präsident Erich Wegmann, der sich selbst als «Mikrofonträger» bezeichnete, übergab in der Folge an Bernhard Egg, der in seiner Funktion als (noch) «Finanzoberhaupt» über die wichtigsten Kennzahlen informierte. Er zeigte sich äusserst zufrieden mit dem erfolgreichen Wachstum der WAK und dem auf knapp 4 Millionen Franken angewachsenen Landwert im Besitz der Genossenschaft. Miteinhergehend haben sich die Anlagekosten der Gebäude auf über 17 Millionen erhöht. Das Anlagevermögen hat sich gegenüber Vorjahr um über 3,5 Millionen Franken vermehrt. «Das ist ein wunderbarer Wert, der sich in den stillen Reserven und dem Gebäudeversicherungswert widerspiegelt.» Auf der Gegenseite schlage die veränderte Hypothekarsituation zu Buche – aber der grösste Grund zur Freude sei die Höhe der privaten Darlehen, die mittlerweile fast 5,5 Millionen betrage, was mehr als erfreulich beachtlich sei. «Wenn wir anderen Genossenschaften davon erzählen, werden wir stets um diese komfortable Situation benieden!» Die Treue der mittlerweile 258 Mitglieder zeige sich auch in einer grosszügigen Schenkung, was im Saal mit spontanem Applaus quittiert wurde.
Der Blick in die Erfolgsrechnung sei ebenfalls erfreulich. Sie zeige gestiegene Mieteinnahmen (aktuell 75 Mietverhältnisse) ohne jeden Verlust oder Ausfall und Unterhaltskosten, die sich im absolut normalen Rahmen hielten. Der Personalaufwand sei etwas höher ausgefallen – allerdings beinhalte er auch die Verwaltung der Liegenschaften der Heimatschutzvereinigung – und er bewege sich mit zwölf Prozent vom Ertrag in einem gesunden Verhältnis.
Erich Wegmann führte die Abstimmung durch – die Jahresrechnung wurde einstimmig gutgeheissen.
Zusammen die Welt verbessern
Bevor die Versammlung zu Traktandum drei – der Wahl eines Nachfolgers für den abtretenden Bernhard Egg – überging, würdigte Erich Wegmann seinen langjährigen Freund und Weggefährten mit einer emotionalen Laudatio. «Ihn zu verabschieden, fällt mir alles andere als leicht. Berni ist Mitgründer der WAK, Vizepräsident und Kassier. Uns verbindet eine Freundschaft seit den 80ern, an deren Anfang stundenlange Telefongespräche stehen zu einer Zeit, als die PTT-Rechnungen noch existenzbedrohend waren. Wir haben zusammen politisiert mit keinem geringeren Ziel, als die Welt zu verbessern.» 1997 hätten sie beschlossen, die Weltrettung effizienter zu gestalten und eine Bürogemeinschaft gegründet. Um der damals etwas zu kurz kommenden Kultur in Elgg unter die Arme zu greifen, hätten sie zusammen mit weiteren Visionären den Verein WAK gegründet und Theater, Ausstellungen und Konzerte organisiert. «Als bekannt wurde, dass der Claro-Laden seinen Standort verlieren sollte, da haben wir beschlossen, kurzerhand das Haus zum Ochsen zu übernehmen, um den Laden so zu retten.» Gleichzeitig sei der Verein in eine Genossenschaft überführt worden. Ihr Büro hätten sie fortan im übernommenen Ochsen eingerichtet und hätten sich «Geschäftsleitung der WAK» genannt, was sehr seriös geklungen habe. «Trotzdem mussten wir bei Mieterwechsel selbst die Wohnungen streichen und kräftig mit anpacken.» Wegmann beschrieb in blumigen Worten die Erfolgsgeschichte von ihren Anfängen bis zum anstehenden 25-Jahr-Jubiläum und brachte damit die Anwesenden mehr als einmal zum Lachen. Als eine der herausragenden Stärken Eggs nannte er dessen Fähigkeit, «komplexe Texte so zu erklären, dass man am Ende glaubt, es schon vorher gewusst und verstanden zu haben.» Er erzählte, dass sie in den langen gemeinsamen Jahren nur einen einzigen Büroausflug unternommen hätten, der sie aufs Weinschiff in Zürich geführt habe. Allerdings: «Darüber, wie wir wieder heimgekommen sind, herrscht bis heute Stillschweigen.»
Wegmann verdeutlich, dass es die WAK ohne seinen Freund Bernhard Egg in ihrer heutigen Form wohl nicht gäbe. Mit seiner Beratungsarbeit, seiner Weitsicht und seinem Bedacht habe er die Genossenschaft durch manche Krise geführt. «Wir rechnen auch künftig mit dir im Büro – dass du kluge Sätze sagst, ein Problem löst und dann halt wieder gehst», schloss Wegmann seine Rede schmunzelnd.
Zum Abschied bekam der Scheidende einen Wanderführer mit den «schönsten Funklochwanderungen der Schweiz», ein Wink mit dem Zaunpfahl auf die eingangs erwähnten stundenlangen Telefonate, sowie einen Hotelgutschein geschenkt – ob in einem Funkloch oder mit Empfang wurde von Sonja Bisang nicht näher ausgeführt.
Egg bedankte sich für die Rede und Geschenke und lobte seinerseits die fruchtbare Zusammenarbeit mit Wegmann: «Mit der WAK ist ein unglaublich tolles Projekt entstanden. Wir haben schlicht den Kapitalismus überwunden – wir haben die Häuser einfach selbst gekauft; damit gehören sie nicht einer Person, sondern den 258 Mitgliedern». Sein grösster Erfolg, den er erreicht habe, sei, dass es ihm gelang, allen den Unterschied zwischen «Besitz» und «Eigentum» zu vermitteln ...
Die «Ära Egg» endete mit einem langanhaltenden Applaus, bevor sein Nachfolger, Martin Fäh, einstimmig in den Vorstand gewählt und von allen herzlich willkommen geheissen wurde.
10 bis 15 neue Wohnungen am Humbergweg
Abschliessend stand die Vorstellung neuer und laufender Projekte auf der Traktandenliste. Zuerst stellten die beiden Architekten Markus Brunner und Markus Bosshard vom Winterthurer Studio Arco den geplanten Neubau am Humbergweg 3 vor, wo 10 bis 15 Hindernisfreie, Generationen durchmischte Wohnungen erstellt werden sollen. Das Bauvorhaben stellt das Planungsduo vor einige Herausforderungen, weil für Bauten in der Kernzone II spezielle Anforderungen gelten. Nach diversen Gestaltungsvorschlägen und Varianten mit einem oder zwei Gebäuden, Machbarkeitsstudien sowie mehreren Sitzungen im kleineren und grösseren Kreis, werde nun definitiv eine einteilige Objektvariante weiterverfolgt. Die Visualisierung liege zurzeit der Denkmalpflege und dem Kanton zur Prüfung vor. «Im Juli findet die nächste Sitzung statt, danach soll das Baugesuch ausgearbeitet und per Ende des laufenden Jahres eingereicht werden. Bauen in der Kernzone ist knifflig und langwierig», fassten die Architekten ihre Erläuterungen zusammen, nicht ohne abschliessend die WAK als äusserst angenehme Bauherrschaft zu loben.
Die «Gumele» nimmt Fahrt auf
Danach rückte jenes Projekt in den Fokus, das wohl einiges zum grossen Aufmarsch beigetragen hatte: die «Gumele». Projektleiter Martin Glaunsinger präsentierte die erarbeitete Strategie. Die Guhwilmühle soll demnach jener besondere Ort bleiben, der sie heute ist: ein Ort der Begegnung, des regionalen Genusses und der Kultur. In naher Zukunft ist zudem die Sanierung der historischen, vollständig mechanischen Kegelbahn vorgesehen. Mittelfristig sollen die kulturellen Angebote ausgebaut und einfache Übernachtungsmöglichkeiten geschaffen werden. Langfristig rückt der Nachhaltigkeitsgedanke ins Zentrum – sowohl bei der Infrastruktur als auch in den Bereichen naturnahe Landwirtschaft, Arbeitsintegration und Energienutzung. Unterstützt wird die WAK dabei erneut vom Architektenteam Arco.
Damit habe das Projekt eine Stufe erreicht, wo sich die 40-köpfige Kommission, die sich für die Erarbeitung der Strategie verantwortlich zeigt, auflöst – nun gehe es an die Umsetzung, erklärte Sonja Bisang. Sie verdankte das grosse Engagement, das enorme Herzblut und die vielen Stunden, die jeder einzelne investiert habe: «Ohne euch wäre so ein Resultat nicht möglich gewesen – die ‹Gumele› hätte sich nie so weiterentwickeln können».
Ein halb geschenktes Abenteuer zum Schluss
Zum Abschluss dieser Generalversammlung stellten Sonja Bisang und Michèle Zwicky den Outdoor-Rätselspass mit Gaston und Baptiste vor, ein interaktives Spiel quer durch Elgg. Alles, was es dafür brauche, sei ein Smartphone mit vollem Akku und die entsprechende App. Das Spiel sei extra für Elgg entwickelt worden und verspreche echtes Abenteuer. Mit dem Gutschein sei die Teilnahme für WAK-Genossenschafter sogar noch viel günstiger – und: «Andere Organisationen verschenken Kugelschreiber, wir verschenken ein halbes Abenteuer!»
Damit endete der offizielle Part und die Gäste gingen zum gemütlichen Teil über – mit Snacks, Getränken und vielen Gesprächen. Die zufriedenen Gesichter zeigten: Das Abenteuer WAK ist weiterhin auf Kurs.
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