Von Hof zu Hof die Landwirtschaft entdecken
26.09.2026 ElggAm vergangenen Samstag präsentierten acht Landwirtschaftsbetriebe in der Region Winterthur ihre Bauernhöfe. Die Bevölkerung zeigte reges Interesse und genoss bei schönstem Spätsommerwetter das Angebot.
Seit 2010 wird «Vo Puur zu Puur» vom Zürcher ...
Am vergangenen Samstag präsentierten acht Landwirtschaftsbetriebe in der Region Winterthur ihre Bauernhöfe. Die Bevölkerung zeigte reges Interesse und genoss bei schönstem Spätsommerwetter das Angebot.
Seit 2010 wird «Vo Puur zu Puur» vom Zürcher Bauernverband (ZBV) jährlich organisiert. Da sich die präsentierende Region jedes Mal ändert, ist die Region Winterthur erst zum zweiten Mal nach 2015 wieder Gastgeber. Erfreulicherweise waren dieses Jahr auch zwei Elgger Betriebe mit dabei. Die Familie Kupper vom Biohof Hohbüel und die Familie Büchi vom Milchbauernhof in Heurüti.
Lokale Betriebe
Dass heute ein Bauernhof vielseitig aufgestellt sein muss, zeigt die Familie Kupper eindrücklich mit ihrem Hof. Zu ihrem Betrieb gehört die ammengebundene Kälberaufzucht, ein Hühnermobil sowie ein Hofladen. Zudem pflanzen sie unter anderem den Ur-Dinkel an. Bei diesem handelt es sich um ein Label, welches die Rettung des Dinkelanbaus in der Schweiz zum Ziel hat. All dies wurde von den geschätzten 2000 Besuchern rege und interessiert begutachtet. Doch auch nebst der Besichtigung wurde es den Familien nicht langweilig. In der Strohburg konnten sich die Jüngsten austoben und beim Schlangenbrot-Backen wieder sättigen. Highlights waren die Auftritte des Liedermachers Bruno Hächler, welcher in der Region bestens bekannt ist. Zudem präsentierte der Bienenzüchterverein seinen selbstgemachten Honig.
Der perfekte Tag
Die vielen Besucher erfreuten auch Petra Kupper. «Das schöne Wetter und die gelassene Atmosphäre rundeten den Tag perfekt ab.» Dies sei eine riesige Motivationsquelle nach einem nicht einfachen Sommer. «Das Wetter können wir nicht beeinflussen, da unser Betrieb aber sehr breit aufgestellt ist, ist man resilienter gegen Hitze- sowie Nassperioden», erklärt Petra Kupper. Doch der Bauernberuf ist eine Passion und verlangt auch viel ab. So hofft die Familie Kupper, dass sie in den Herbstferien für ein verlängertes Wochenende verreisen kann und sich unter anderem auch vom Anlass «Vo Puur zu Puur» erholen kann.
Auch bei der Familie Büchi in Heurüti gab es viel zu entdecken. Bei Andrea und Jörg Büchi stand die Milchproduktion im Vordergrund. So konnten die Mutigen mit einer Melkmaschine eigenhändig das Melken ausprobieren. Dass Jörg Büchi ein gewiefter Redner ist, erfuhr man spätestens bei der Stallführung. So hatte er viel zu erzählen und gab sein Fachwissen an die Interessierten sehr gerne weiter. Unter anderem konnte man erfahren, dass Jörg Büchi bei seinen Kühen ein elektronisches Gesundheitsmonitoring verwendet. Durch einen Chip im Magen werden unter anderem die Temperatur sowie das Ess- und Trinkverhalten getrackt. So erkenne man kranke Tiere viel schneller und könne diese individuell angepasst behandeln. Doch die meist gestellten Fragen seien aber «Wie heisst dieses Kalb?» oder «Wie alt ist das Kälbchen?» gewesen, meint Jörg mit einem Schmunzeln. Auch dies gehört zur Wissensvermittlung. Sein persönlicher Höhepunkt seien die unzähligen Kinder, welche meistens zum ersten Mal eine Kuh gestreichelt hätten oder auf den Traktor gestiegen seien.
Nach dem grossen Anlass «Vo Puur zu Puur» gehe es Schlag auf Schlag mit der Aussaat des Winterweizens weiter. Durch den trockenen Sommer sind wir vergleichsweise gut gekommen, meint Jörg Büchi. «Durch das viele Heu im Frühling und das Verwenden von trockenheitsresistenten Grasmischungen konnten wir gut mit der Trockenheit durchkommen.» Er hofft nun auf einen frühen Frühling, sodass seine Kühe früh auf der Wiese grasen können. Doch wie es so ist, sind Wettervoraussagen in dieser Zeitdimension sehr schwierig. «Am Schluss trägt der Bauer oder die Bäuerin das Wetterrisiko», fasst Jörg Büchi nüchtern zusammen. Wie bei der Familie Kupper versuchen auch sie immer wieder neue Sorten oder Pflanzenarten anzubauen, um das Wetterrisiko zu minimieren.
Initiative des Bauernverbandes
Ausserhalb der Gemeinde Elgg beteiligten sich dieses Jahr noch fünf weitere Betriebe. Vom Weinbau, über die Geflügelproduktion bis zu den Beerenplantagen zeigten die unterschiedlichen Bauernfamilien ihre Produktpaletten. So meint der Verband auch: «Durch den Anlass «Vo Puur zu Puur» können die Besucher und Besucherinnen die Schweizer Landwirtschaft in ihrer Vielfalt und aus nächster Nähe erleben.» Auch sei wichtig, einen aktiven Austausch zwischen den Produzenten und Konsumenten zu pflegen. Schliesslich sind beide voneinander abhängig. Damit die Interessierten möglichst viele Betriebe erleben konnten, wurde ein Shuttlebus organisiert. So wurde dieser rege genutzt – was sicherlich auch dem schönen Wetter zu verdanken war.
Die acht Bauernfamilien machten beste Werbung für die Schweizer Landwirtschaft und es bleibt zu hoffen, dass die Konsumenten beim nächsten Einkauf vielleicht zum Produkt aus der Region greifen oder direkt in einem der vielen Hofläden einkaufen gehen. Wer den Anlass «Vo Puur zu Puur» verpasst hat, kann sich das Datum für die nächste Durchführung am 19. September 2027 vormerken oder persönlich mit den Landwirten in Kontakt treten. So meint Petra Kupper abschliessend: «Wir Bauern freuen uns immer, wenn sich Leute für die Produktion ihres Essens interessieren und geben gerne Auskunft.»
ANDREJ BLASER




