Der morgendliche Stammtisch im Restaurant und Hotel «Heidelberg» in Aadorf ist wie jeden Tag gut besetzt. Rund zwölf Männer zwischen 65 und 85 Jahren belegen den Tisch im Freien.
Der gedankliche Austausch zwischen den Protagonisten scheint heute besonders rege zu sein. ...
Der morgendliche Stammtisch im Restaurant und Hotel «Heidelberg» in Aadorf ist wie jeden Tag gut besetzt. Rund zwölf Männer zwischen 65 und 85 Jahren belegen den Tisch im Freien.
Der gedankliche Austausch zwischen den Protagonisten scheint heute besonders rege zu sein. Es wird Gehör verschafft, gelacht, kommentiert und ergänzt. Frauen wagen sich allerdings kaum in die Höhle der Löwen. Diese zeigt ihre Präsenz etwas abseits bei ihrem wöchentlichen Treff.
An den zusammengerückten Tischen sitzen die gestandenen Männer meist unter sich. Die Charaktere sind so verschieden wie ihr Äusseres. Der eine ist ein begnadeter Witzerzähler, der seine Zuhörer dank seinem erstaunlichen Fundus immer wieder überraschen mag. Aber auch der aufmerksame Zuhörer ist gefragt und so geschätzt wie der Possenreisser. Selbst dann, wenn es nicht unbedingt etwas zu lachen gibt. Die Redeanteile unter den Anwesenden sind äusserst verschieden. Doch das tut der Unterhaltung keinen Abbruch. Tritt einmal Stille ein, so kann das aktuelle Wettergeschehen immer noch als willkommener Füller dienen.
Genügend Gesprächsstoff
Ansonsten liefert der Alltag genügend Gesprächsstoff. Dieser reicht vom lokalen Geschehen über ökonomische Fragen bis hin zur geopolitischen Entwicklung. Doch so weitschweifend und anspruchsvoll muss die Thematik nicht reichen. «Unfälle und Verbrechen» sind berührende Themen, die gerne aufgegriffen werden und unter die Haut gehen.
Gäbe es jedoch den König Fussball nicht, so schiene die Welt etwas ärmer zu sein. Und manchmal erfährt man sogar, wo den Bürger der Schuh drückt. Es sind seine Alltagssorgen, kleinere und grössere Baustellen, die vor sich hergeschoben oder bald angegangen werden. Da tut es wohl jedem gut, in einem persönlichen Gespräch wieder einmal etwas abladen zu können.
KURT LICHTENSTEIGER