Verkehrskonzept: vom Wünschbaren zum Machbaren
23.04.2026 ElggIn einer ersten Runde zum Verkehrskonzept Elgg konnte die Bevölkerung Vorschläge platzieren. Es wurden Ideen für Verkehrsberuhigungen, Umfahrungen oder Velowege diskutiert, um die Situation für alle zu verbessern und den übergeordneten Vorschriften zu ...
In einer ersten Runde zum Verkehrskonzept Elgg konnte die Bevölkerung Vorschläge platzieren. Es wurden Ideen für Verkehrsberuhigungen, Umfahrungen oder Velowege diskutiert, um die Situation für alle zu verbessern und den übergeordneten Vorschriften zu genügen.
Am vergangenen Samstagmorgen startete in Elgg ein Mitwirkungsprozess zur Verkehrsplanung. Rund 50 Interessierte nahmen am Workshop zum Gesamtverkehrskonzept (GVK) teil. Ziel war es, Schwachstellen im Verkehrsnetz zu identifizieren und Handlungsansätze zu sammeln.
Gemeindepräsidentin Ruth Büchi-Vögeli begrüsste die Anwesenden im Werkgebäude und blickte auf die Vorgeschichte zurück. In den vergangenen Jahren hatte sich die Gemeinde intensiv mit der Zukunft des Ortskerns beschäftigt. Verschiedene Dorfgespräche sowie die Arbeit der seit 2016 bestehenden Arbeitsgruppe «Netzwerk Altstadt» legten wichtige Grundlagen. Im Jahr 2019 wurde das Raumentwicklungskonzept Elgg vom Gemeinderat verabschiedet und 2024 wurde unter Einbezug externer Fachleute ein Leitbild Altstadt erarbeitet, das zentrale Ziele zum Verkehr, zu Verkehrsberuhigungsmassnahmen im Städtli und zur Parkierung definiert.
GVK als strategische Grundlage
Das Verkehrskonzept Elgg soll auf den Grundlagen aufbauen. Hintergrund ist unter anderem die für 2032 geplante Sanierung der kantonalen Durchgangsstrassen, die durch das historische Zentrum führen. Die Projekterarbeitung hat die Firma Raum AG (entstanden aus der Ingesa AG und der Müller Ingenieure AG) inne.
Projektleiter Philipp Rütsche stellte zu Beginn die Zielsetzungen vor: «Das Verkehrskonzept wird in bestehende Planungsgrundlagen eingebettet, die Bedürfnisse der Bevölkerung aufgenommen und konkrete Massnahmen für eine nachhaltige Verkehrsentwicklung definiert», erklärte er. Mit dem GVK sollen alle Verkehrsteilnehmer aufeinander abgestimmt werden. Es diene als strategische Grundlage für zukünftige Planungen und habe zum Zweck, sowohl Sicherheit als auch Aufenthaltsqualität im Dorf verbessern.
Analyse der aktuellen Verkehrssituation
Ein Blick auf die aktuelle Verkehrssituation gemäss Analyse der Raum AG zeigt: Der Verkehr in Elgg ist insgesamt moderat, jedoch dominiert der motorisierte Individualverkehr mit rund 85 Prozent. Besonders stark belastet ist die St. Gallerstrasse mit täglich etwa 6000 Fahrzeugen. Innerhalb des Ortskerns konzentriert sich der Verkehr auf die Post- und Aadorferstrasse. Gleichzeitig ist die Altstadt durch Parkierung entlang der Strassen geprägt, während Tempo-30-Zonen bereits grossflächig umgesetzt sind.
Der öffentliche Verkehr macht rund 15 Prozent des Gesamtverkehrs aus. Die Erschliessung erfolgt hauptsächlich über die S-Bahn sowie ergänzende Busverbindungen. Im Bereich des Langsamverkehrs bestehen erste Infrastrukturen, dennoch gibt es Defizite: Veloverbindungen sind teilweise lückenhaft, sichere Querungen fehlen, und der Fussverkehr spielt bislang eine eher untergeordnete Rolle.
Fünf Gruppenarbeiten
Vor diesem Hintergrund arbeiteten die Teilnehmenden in fünf Gruppen an unterschiedlichen Themen. In zwei Diskussionsrunden konnte man seine Perspektive einbringen. Dabei standen Schwachstellen, Gefahrenstellen und Verbesserungsvorschläge im Fokus. Moderiert wurde der Workshop von Benjamin Müller.
Als wichtige Regel galt die Gleichbehandlung aller Meinungen und Personen. Zwischen den einzelnen Blöcken konnten sich die Teilnehmenden mit Kaffee und Gebäck stärken. Zum Schluss wurden die Vorschläge präsentiert.
Velo: Schulwege im Fokus
Im Bereich Veloverkehr standen sichere Schulwege im Zentrum. Mehrere Routen wurden analysiert, zum Beispiel die Strasse Hagenstal/Egghof, der Veloweg an der Winterthurerstrasse sowie der Nutzungskonflikt beim «Promillewägli» (alte Aadorferstrasse). Zur Verbesserung vorgeschlagen werden bessere «Einlenker», Schutzräume mit gelben Streifen, die Entfernung von Mittellinien, separate Velowege sowie ein Zubringerdienst. Als weiteres Thema angesprochen wurden Veloabstellplätze.
Übergänge für Fussgänger
Beim Fussverkehr identifizierten die Teilnehmenden ebenfalls problematische Zonen. Der Übergang vom Lindenplatz zum Gemeindehaus wird als unübersichtlich und für Fussgängerinnen und Fussgänger schwierig beurteilt sowie auch weitere Kreuzungen, zum Beispiel beim Bärenhof, an der Aadorfer-, oder der Poststrasse. Als verbesserungswürdig angesehen wird die Situation bei der Bushaltestelle in Hofstetten. Vorgeschlagen werden bessere Signalisationen, klarere Markierungen oder Verkehrsberuhigungen. Weiter solle ein attraktiver Fussweg entlang der Eulach zum Bahnhof geprüft werden.
Schwachstelle Nord-Süd-Achse
Grundsätzlich habe man in Elgg bisher einen guten Konsens und sei gar nicht in Not, wurde von der Gruppe «motorisierter Verkehr» festgehalten. Während die Ost-West-Verbindung im Dorf als funktionierend gilt, wird die Nord-Süd-Achse als Schwachstelle bezeichnet. Dies führe dazu, dass ein Teil des Verkehrs durch den historischen Ortskern geleitet wird. Als Lösung wird eine zusätzliche Entlastungsachse eingebracht, die aber geschützte Fruchtfolgeflächen benötigen würde. Auch Themen wie Einbahnverkehr und Entlastung durch mehr Parkierungsangebote im Städtli wurden vorgetragen. Die anschliessende humorvolle Aufforderung, am Clean Up Day des Nachmittags die Verkehrsrouten zu säubern, sorgte für Lacher.
Busverbindungen gewünscht
Die Arbeitsgruppe «öffentlicher Verkehr» identifizierte zwei Schwachpunkte: Die Abstimmung der Busse mit der Ostverbindung Richtung Frauenfeld, Wil, St. Gallen sowie die zu seltene Bedienung der Bushaltestellen im Dorf und der fehlende Bus nach Neuelgg. Ein grosses Thema sind auch die Busverbindungen in die Weiler, zum Beispiel zur Guhwilmühle Hofstetten oder auf den Schauenberg sowie nach Dickbuch, vorgeschlagen wird ein autonomer oder ein Ruf-Bus.
Toleranz gefordert
Weitere Ideen wurden zum Thema «Mensch und Verkehr» präsentiert. Eine davon war die Bedienung der Aussenwachten mit einem autonomen Bus. Für die Verkehrslenkung schlug die Gruppe an verschiedenen Stellen Pfosten vor. Vier mögliche Standorte für Parkhäuser werden vorgeschlagen und im Ortskern Elgg stand die Planung einer Begegnungszone im Fokus. Im Konflikt zwischen Begegnungszone und Verkehr müsse vor allem Toleranz herrschen, so das Fazit.
Zweiter Workshop im September
Philipp Rütsche informierte zum Schluss zum weiteren Vorgehen. Erste Resultate aus dem Workshop werden an der Gewerbeausstellung vom 8. bis 10. Mai gezeigt. Dann werden die Erarbeitung des Verkehrskonzeptes in Angriff genommen und Handlungsmassnahmen erarbeitet. In einem zweiten Workshop im September 2026 werden die Resultate vorgestellt. Die Umsetzung der ersten Massnahmen kann für 2027 vorgesehen werden.
Ruth Büchi-Vögeli schloss mit der Feststellung, die Diskussionen seien sehr spannend gewesen. «Eigentlich funktioniert es im Grossen und Ganzen gut, aber es gibt sicher Verbesserungsmöglichkeiten.» Am Schluss brauche es vermutlich einen Kompromiss. Alles sei gar nicht möglich. Zudem gebe es gesetzliche Grundlagen. Die Gemeindepräsidentin: «Unsere Wünsche sind nicht immer machbar».
BETTINA STICHER




