Veränderungen mit einem bunten Strauss an Symptomen
14.02.2026 AadorfJeanette Kuster las am Dienstag in der Gemeindeund Schulbibliothek Aadorf aus ihrem Erstling über die Perimenopause. Darin hat sie Erfahrungen von Frauen über diese Zeit voller Veränderungen gesammelt.
Knapp 20 Frauen konnte Bibliotheksleiterin Erika Muri am vergangenen ...
Jeanette Kuster las am Dienstag in der Gemeindeund Schulbibliothek Aadorf aus ihrem Erstling über die Perimenopause. Darin hat sie Erfahrungen von Frauen über diese Zeit voller Veränderungen gesammelt.
Knapp 20 Frauen konnte Bibliotheksleiterin Erika Muri am vergangenen Dienstagabend zur Lesung begrüssen. Jeanette Kuster startete mit einem Einstieg ins Buch «Mittendrin – Die Perimenopause meistern – Gespräche und Erfahrungsberichte», in dem sie beschreibt, wie es ihr selbst ergangen war, als sie sich Symptome wie Niedergeschlagenheit, Schwindel, Tinnitus, Schlafstörungen oder Stimmungsschwankungen zunächst als Nachwehen einer Coronavirus-Erkrankung erklärte, dafür aber keine wirklich befriedigende Erklärung fand.
Schliesslich sei sie auf das Thema Perimenopause gestossen. Bekannt sei vor allem die Menopause. Die Zeit des Wechsels davor könne jedoch bis zu zehn Jahre dauern. Je nach Quelle würden 60 bis 70 Symptome genannt, bei denen man nicht immer sofort an die Wechseljahre denke, darunter Panikattacken, Allergien, Histaminintoleranz, Blasenentzündungen, trockene Augen und vieles mehr. «Alle Organe reagieren auf den Hormonabfall». Psychische Symptome träten jedoch häufig zuerst auf, so Kuster.
Frauen eine Stimme geben
Mit dieser Zeit der Umstellung beschäftigten sich Frauen nach wie vor zu wenig, und auch Ärztinnen und Ärzte führten die Beschwerden zum Teil nicht auf hormonelle Veränderungen zurück. Das könne zu falschen Diagnosen und zur Verschreibung unnötiger Medikamente wie Antidepressiva führen. «Frauen werden in dieser Lebensphase oft überrumpelt», sagte die Buchautorin.
Sie selbst sei empört darüber, dass so wenig über dieses Thema gesprochen werde. «Mit dem Buch wollte ich Frauen mit ihren Erfahrungen eine Stimme geben. Hier erzählen die Frauen ungefiltert ihre Geschichten.» Entgegen ihrer anfänglichen Befürchtung, zu wenige Interviewpartnerinnen für das Projekt zu finden, sei dies kein Problem gewesen. Für die Mitwirkenden sei es vielmehr eine Motivation gewesen, anderen mit ihrer Geschichte zu helfen.
Austausch wichtig
Die erste Frau, aus deren Porträt sie vorlas, war mit 33 noch sehr jung und schrieb die Beschwerden zunächst dem Stress mit kleinen Kindern zu. Für sie sei es vor allem schwierig gewesen, keine Gesprächspartnerinnen unter Gleichaltrigen zu finden. Eine weitere Frau, bereits Mitte 50, habe erstaunlich offen Auskunft gegeben, auch über intime Details, die oft schambehaftet seien. Über Tabuthemen wie Vaginalbeschwerden oder Inkontinenz zu sprechen, helfe jedoch, das eigene Erleben einzuordnen und die richtigen Behandlungen zu finden.
Ein wichtiges Thema ist gemäss Kuster auch die Gewichtszunahme, insbesondere bei Frauen, die zuvor keine Probleme damit gehabt hätten. Ebenso verändere sich die Haut, was viele plötzlich deutlich älter aussehen lasse. Auch Hitzewallungen – das wohl bekannteste Symptom der Wechseljahre – machten den betroffenen Frauen stark zu schaffen. «Auf der Suche nach Linderung ist es vor allem wichtig, auf den eigenen Körper zu hören. Es gibt nicht die eine Lösung für alle Frauen.»
Gerade beim Thema Hormonersatztherapie lohne es sich, sich gut zu informieren. Aber auch Coaching-Angebote und allgemeine Lebensstilanpassungen könnten nützlich sein. «Meistens hilft am besten eine Kombination aus verschiedenen Dingen», so Kuster.
Mehr Selbstbewusstsein
Neben den Beschwerden gebe es auch Frauen, die in dieser Zeit positive Veränderungen feststellten. So sei man wieder mehr bei sich und nehme die eigenen Bedürfnisse besser wahr, gerade dann, wenn man zuvor viel Care-Arbeit geleistet habe. Eine Frau erzähle im Buch, dass sie viel selbstbewusster geworden sei, eine andere, dass sie sich durch mehr Klarheit und Lebenserfahrung auch attraktiver fühle.
In der Frage- und Diskussionsrunde ging es unter anderem darum, wo man am besten einen medizinischen Check machen könne oder welchen Einfluss eine Detox-Kur habe. Jeanette Kuster ging auf jede einzelne Frage ein und erklärte nochmals Details zu spezifischen Symptomen und den Möglichkeiten, diese zu lindern. Bei den Hormontherapien sei auch Testosteron in «weiblicher» Dosierung eine Möglichkeit. Ihr persönlich habe dies gegen den Brain Fog geholfen. Beim anschliessenden Apéro blieb Zeit für weiteren Austausch.
Jeanette Kuster ist Journalistin, Kommunikationsexpertin, Yogalehrerin und seit Kurzem auch diplomierte Menopause-Coachin.
BETTINA STICHER

