Velo-Kino feierte Premiere in Aadorf
18.08.2026 AadorfAm Samstag gab es in Aadorf zum ersten Mal ein Velo-Kino. Organisiert wurde es von der IG Velo Hinterthurgau. Zahlreiche Besucherinnen und Besucher genossen einen spannenden und gemütlichen Abend auf dem Gemeindeplatz.
Ein Kinoabend, bei dem ein Stromausfall möglich gewesen ...
Am Samstag gab es in Aadorf zum ersten Mal ein Velo-Kino. Organisiert wurde es von der IG Velo Hinterthurgau. Zahlreiche Besucherinnen und Besucher genossen einen spannenden und gemütlichen Abend auf dem Gemeindeplatz.
Ein Kinoabend, bei dem ein Stromausfall möglich gewesen wäre. Aber natürlich war das nicht der Fall. Zu gross war die Motivation. Die für die Filmvorführung benötigte Energie wurde nämlich mit Muskelkraft generiert. Mitglieder des Vereins IG Velokino Hinterthurgau traten dafür auf zehn Fahrrädern in die Pedale und sorgten gemeinsam dafür, dass der Film über die Leinwand flimmern konnte. Etwa alle 20 Minuten wurde gewechselt.
Auch der angekündigte Regen liess einmal mehr auf sich warten. Für Mensch und Natur schade zwar, für den Kinoabend aber ein Glück, denn bei starken Schauern hätte dieser abgebrochen werden müssen, ebenso bei zu geringer Stromproduktion, wie Vereinspräsident Kurt Egger , der die Technik betreute, im Gespräch mit der «Elgger/ Aadorfer Zeitung» erklärte. Für die IG und auch für Aadorf war das Velokino eine Premiere.
Andreas Schmidt vom Vorstand der noch jungen IG Velo Hinterthurgau begrüsste die rund 80 anwesenden Gäste und erklärte das Konzept. Ein besonderer Dank ging an den VCS Thurgau, der die gesamte Einrichtung finanziert und damit einen kostenlosen Kinoabend ermöglicht hatte. Die Mitglieder des Vereins hatten den Anlass vorbereitet, die Technik aufgebaut und sorgten auch während der Vorführung für einen reibungslosen Ablauf, sei es an der Bar, auf den Velos oder beim Betreuen der Technik.
Ein halbes Kilowatt für einen Film
«Wie viel Energie braucht es für einen Kinoabend?», fragte Schmidt das Publikum. Für die Filmvorführung werde mit einem Strombedarf von rund 0,5 Kilowattstunden gerechnet. Um diese Energiemenge anschaulicher zu machen, zog Andreas Schmidt einen Vergleich: Damit könnten ungefähr 30 Smartphones aufgeladen werden. Ein Elektroauto käme mit derselben Energiemenge hingegen lediglich rund 2,5 Kilometer weit.
Damit Bild und Ton nicht plötzlich ausfielen, mussten die Velofahrerinnen und Velofahrer kontinuierlich in die Pedale treten. Bereits für den Vorfilm nahm die erste Gruppe ihre Arbeit auf. Während der insgesamt rund eineinhalbstündigen Vorführung wechselten sich die Teilnehmenden auf den Fahrrädern ab. Nach etwa 45 Minuten gab es eine Pause, nicht nur für das Publikum, sondern auch für müde Beine. Für die Verpflegung der Gäste war ebenfalls gesorgt.
Ein Mädchen träumt vom Fahrrad
Mit der Wahl des Films «Wadjda» bauten die Veranstalter eine passende Brücke zum Thema Velo. Der Film erzählt die Geschichte eines Mädchens in Riad, das sich nichts sehnlicher wünscht als ein eigenes Fahrrad. Doch in der von strengen gesellschaftlichen Regeln geprägten Umgebung Saudi-Arabiens ist die Erfüllung dieses Wunsches alles andere als selbstverständlich.
Wadjda ist der erste Spielfilm der saudi-arabischen Regisseurin Haifaa Al Mansour und der erste abendfüllende Film unter saudi-arabischer Regie überhaupt. Der Spielfilm gewann weltweit mehrere Filmpreise und galt bei den Filmfestspielen von Venedig 2012 als «kleine Sensation».
Die Dreharbeiten waren mit zahlreichen Schwierigkeiten verbunden, wie man im Vorfilm, in dem die Regisseurin zu Wort kommt, erfuhr. Besonders in konservativen Wohnvierteln seien Kameras nicht gerne gesehen, und auch die gesellschaftlichen Einschränkungen für Frauen hätten die Arbeit erschwert.
Gesellschaftliche Veränderungen
Die junge Hauptdarstellerin Waad Mohammed verkörpert im Film eine Generation, die trotz gesellschaftlicher Abschottung ihren eigenen Weg sucht und sich für Dinge begeistert, die andernorts selbstverständlich erscheinen, darunter Fussball und Velofahren. Regisseurin Haifaa al-Mansour wollte mit ihrem Film deshalb nicht nur auf bestehende Probleme aufmerksam machen, sondern auch Mut machen, Veränderungen anzustossen.
In den vergangenen Jahren wurden gesellschaftliche Einschränkungen gelockert. Frauen dürfen inzwischen unter anderem Auto fahren und Sportveranstaltungen besuchen. Auch die männliche Vormundschaft wurde in verschiedenen Bereichen eingeschränkt. Gleichzeitig bleiben die politischen Freiheiten stark begrenzt.
IG Velo Hinterthurgau
Die IG Velo Hinterthurgau wurde 2025 gegründet. Der Verein bezweckt die Förderung des Veloverkehrs in der Region Hinterthurgau. Ziel der Interessengemeinschaft ist es, sich für die Bedürfnisse der velofahrenden Hinterthurgauer Bevölkerung zu engagieren und zur Schaffung einer sicheren und attraktiven Veloinfrastruktur beizutragen. Angestrebt wird eine Zusammenarbeit mit den politischen Gemeinden und weiteren Organisationen mit gleicher Zielsetzung. Vorstand: Kurt Egger (Präsident), Mathias Dietz, Susan Bosshart, Andreas Schmidt. Flyer zur IG lagen an der Veranstaltung auf.
BETTINA STICHER






