Vanessa Sacchet im Gespräch mit Ueli Weber
24.01.2026 Leute aus der RegionUeli Weber, geboren am 16. Oktober 1957 in Spreitenbach, wuchs gemeinsam mit seinen fünf Geschwistern auf. Nach seiner Ausbildung zum Automechaniker besuchte er die landwirtschaftliche Schule. Er ist verheiratet und Vater von vier Kindern. Im Jahr 2023 übergab er den Familienbetrieb an ...
Ueli Weber, geboren am 16. Oktober 1957 in Spreitenbach, wuchs gemeinsam mit seinen fünf Geschwistern auf. Nach seiner Ausbildung zum Automechaniker besuchte er die landwirtschaftliche Schule. Er ist verheiratet und Vater von vier Kindern. Im Jahr 2023 übergab er den Familienbetrieb an seine beiden Töchter. Obwohl er inzwischen pensioniert ist, unterstützt er weiterhin häufig die Arbeiten auf dem Hof. Seine grosse Leidenschaft gilt historischen Feuerwehrartikeln, die er über viele Jahre hinweg gesammelt hat. Aus dieser Sammlung entstand auf dem Hof ein eigenes Museum.
«Ich war zunächst bei der Ortsgemeinde Ettenhausen tätig. Mit der Eingemeindung im Jahr 1997 wurde daraus die politische Gemeinde, und ich setzte dort meine Arbeit im Werkhof und der Feuerwehr fort. Insgesamt war ich 30 Jahre lang Mitglied der Feuerwehr. Zudem war ich als Materialwart sowohl für den Zivilschutz als auch für die Feuerwehr verantwortlich. Mit dem Sammeln von Feuerwehrartikeln begann ich, weil wir viele Schutzanlagen räumen mussten. Einen grossen Teil des Materials gaben wir damals nach Rumänien. Darunter auch zwei Operationssäle. Alles, was von der Feuerwehr und vom Zivilschutz übrigblieb und nicht mehr benötigt wurde, nahm ich mit nach Hause, da die Räumung jeweils schnell gehen musste. Ich fand es schade, das alte Material wegzuwerfen und hatte Freude daran. Zunächst lagerten wir die Gegenstände in einem alten Munitionsdepot. Als auch dieses geräumt werden musste, nahm ich alles mit nach Hause. Darunter waren Schlauchwagen, Schlauchanhänger, alte Motorspritzen sowie aus dem Zivilschutzraum eine alte Telefonzentrale, die noch mit Kabeln gesteckt wurde, und diverse Funkgeräte. Auch aus dem Werkhof, wo ich gearbeitet habe, nahm ich alte, ausrangierte Gegenstände mit. So wuchs meine Sammlung nach und nach immer weiter an.»
Feuerwehrwelten rund um den Globus
«Immer, wenn ich im Ausland in den Ferien war, ging ich Feuerwehrwachen besichtigen. Sehr speziell war mein Besuch in Hongkong, wo ich mit der ganwohnte und arbeitete. Eines Tages spazierten wir alle gemeinsam um einen See, und wollten ein Familienfoto machen. Dafür sprachen wir einen Jogger an, der ein Feuerwehr-T-Shirt trug. Ich erkundigte mich, ob er etwas mit der Feuerwehr zu tun habe. Da meinte er, dass er der Kommandant der Feuerwehr Hongkong sei und fragte, warum ich das wissen wolle. Da erzählte ich ihm, dass ich in der Schweiz als Materialwart bei der Feuerwehr tätig bin und fragte, ob wir die Möglichkeit hätten, das Feuerwehrdepot zu besichtigen.
Das sei kein Problem, meinte er. Am nächsten Tag konnten wir uns das riesige Depot anschauen gehen. Es war fast sechsmal so gross wie unseres in der Schweiz. Besonders beeindruckend war ein Lieferwagen, der ausschliesslich mit Lebensmitteln und Getränken beladen war, um die Einsatzkräfte im Notfall zu versorgen. Auch während eines anderen Urlaubs in Norwegen, hatte ich die Gelegenheit, ein Feuerwehrdepot zu besichtigen und mir zudem die Löschboote anzuschauen. Interessant war auch mein Besuch in Laos. Dort erinnerte vieles an die Schweiz vor 30 Jahren. Die Feuerwehr verfügte nur über ein einfaches Dach, unter dem die Fahrzeuge untergebracht waren. Neben diesen Ländern war ich ausserdem in Bali, Kalifornien, England und Mazedonien.»
Von Einsatzfahrzeugen und T-Shirts
«In Mazedonien besichtigte ich ein altes Feuerwehrdepot, in dem aus einem Löschanhänger Wasser herausgetropft ist, weil schlicht das Geld für Reparaturen fehlte. Der Feuerwehrkommandant hat sich fast ein wenig geschämt, uns sein Depot zu zeigen. Die Feuerwehrleute dort müssen einen Einsatzradius von rund 23 Kilometern abdecken. Bei uns in Aadorf beträgt der Radius lediglich drei Kilometer, und wir löschen in der Regel nur innerhalb der politischen Gemeinde. Bis die mazedonischen Feuerwehrleute am Einsatzort eintreffen, kann es sein, dass bis dahin bereits vieles abgebrannt ist. Von den verschiedenen Feuerwehren, die ich besucht habe, habe ich meistens ein T-Shirt als Geschenk erhalten.
Manchmal bekam ich auch eine Kappe oder andere kleine Aufmerksamkeiten. Umgekehrt habe ich selbst häufig T-Shirts aus der Schweiz mitgenommen, die wir nicht mehr benötigten, weil wir neue beschafft hatten. Besonders stolz bin ich auf das T-Shirt aus Hongkong, das ich von der grossen Feuerwehrwache erhalten habe. Es bedeutet mir sehr viel, weil es mir persönlich vom Kommandanten überreicht wurde. Mit diesem Geschenk verbinde ich starke Erinnerungen und Emotionen.»
Die Sammlung bleibt vorerst privat
«Wie viele Feuerwehr-Exponate mittlerweile in meiner Scheune zusammengetragen habe, kann ich gar nicht genau sagen. Ich weiss nur, dass die Scheune inzwischen ziemlich vollgestellt ist. Momentan sind wir am Sortieren und Ausmustern. Noch stehen viele Kisten herum, aber wir haben bereits einen Ausstellungsraum eingerichtet. Wir haben zum Beispiel eine Puppe mit Feuerwehrkleidung eingekleidet, pflegen alte Rucksäcke und Lederwaren, fetten sie ein und erledigen kleinere Unterhaltsarbeiten gemeinsam.
Wenn ich von wir spreche, meine ich unseren Feuerwehrverein, den wir gegründet haben. Entstanden ist er, weil ich über all die Jahre so viel Material gesammelt habe. Mir wurde klar, dass ein Verein dahinterstehen muss, denn die Gemeinde darf solche Gegenstände nicht einfach an Privatpersonen verschenken. An einen Verein hingegen kann sie das Material abgeben, oft zu einem symbolischen Preis. Mittlerweile zählen wir 30 Mitglieder. Momentan ist das Museum nicht öffentlich.
Ob wir es je für die breite Bevölkerung zugänglich machen, ist noch ungewiss. Sollte sich jedoch ein Verein dafür interessieren, kann die Sammlung nach Absprache gerne besichtigt werden. Ich bin weiterhin dran, Material zu sammeln und erhalte auch von ehemaligen Feuerwehrkameraden immer wieder wertvolle Stücke. So bekam ich beispielsweise von der Familie des ehemaligen Feuerwehrkommandanten Beda Blöchlinger einen Hydranten und weitere besondere Erinnerungsstücke, die ihm einst überreicht wurden. Auch alte Feuerwehralarm Raketen habe ich erhalten, die früher zur Alarmierung dienten, in einer Zeit, als es weder Telefone noch Pager gab. Zündete man diese Raketen, gab es entweder ein oder mehrere Schüsse. Je nach Signal musste dann die ganze Munizipalgemeinde oder nur ein Teil der Ortsgemeinde zum Brandplatz einrücken.»
Ein Museum, das bleibt
«Wenn mich jemand fragt, was meine Frau zu meiner Sammelleidenschaft sagt, muss ich immer lachen. Sie meint dann jeweils: Was bringst du jetzt schon wieder nach Hause? Das Gute ist, dass ich das ganze Zeug nicht in der Wohnung lagere, sondern in der Scheune. So kommt es ihr nicht in die Quere. Meine beiden Töchter, die den Betrieb übernommen haben, brauchten den Platz in der Scheune für ihre Fahrzeuge. Deshalb haben wir alles in den Heustock hinaufgebracht und ihn so eingerichtet, dass er klimatisiert und beheizbar ist. Ich habe das beruhigende Gefühl, dass das Museum auch dann noch bestehen wird, wenn ich eines Tages nicht mehr da bin.
Im Moment mache ich ausserdem noch Feuerwehrauto-Überführungen für einen Fahrzeughersteller. Dabei komme ich in die verschiedensten Depots und sehe unglaublich viele spannende Dinge. Für mich ist das jedes Mal wie ein kleiner Ausflug in eine andere Welt, und genau das macht diese Leidenschaft für mich so erfüllend.»
VANESSA SACCHET


