Vanessa Sacchet im Gespräch mit Tom Meier
23.05.2026 Leute aus der RegionDie «Elgger/Aadorfer Zeitung» porträtiert in regelmässigen Abständen Leute aus der Region.
Vanessa Sacchet im Gespräch mit Tom Meier
Tom Meier, geboren am 4. Mai 1984 in Wil, wuchs mit zwei Geschwistern auf. Nach einer Lehre im ...
Die «Elgger/Aadorfer Zeitung» porträtiert in regelmässigen Abständen Leute aus der Region.
Vanessa Sacchet im Gespräch mit Tom Meier
Tom Meier, geboren am 4. Mai 1984 in Wil, wuchs mit zwei Geschwistern auf. Nach einer Lehre im Detailhandel mit Schwerpunkt Verkauf, verschieden Weiterbildungen und Stationen mit Schwergewicht Leadership und Organisationsentwicklung ist er heute verheiratet und Vater einer Tochter. Seit vier Jahren arbeitet er als Projektleader für Kultur-Transformation in der Schweizer Armee. Als leidenschaftlicher Biker war er selbst Teil der Initiative, aus der gemeinsam mit der Gemeinde und dem Forstamt der Bike-Trail Elgg entstand. Wie es dazu kam, erzählt der 42-Jährige im Gespräch.
«Einige Kollegen und ich hatten das Bedürfnis, uns mit dem Velo im Wald zu bewegen, und stiessen schnell auf Gleichgesinnte. Wir merkten, wie spannend es ist, gemeinsam etwas zu erschaffen. Konkret einen Bike-Trail im Wald. Das Biken selbst war dann gewissermassen das Tüpfelchen auf dem i. In den Anfangszeiten waren wir nur mit Klappspaten ausgerüstet, und für eine Kurve brauchten wir einen ganzen Tag. Einer stand Wache und achtete darauf, dass wir uns in den Büschen verstecken konnten, falls jemand kam. Das war schon witzig. Wir entwickelten den Trail Schritt für Schritt weiter. Dabei war uns wichtig, Rücksicht auf die Natur zu nehmen. Wir wollten keine Bäume beschädigen und achteten darauf, bestehende Wege zu nutzen.
Oft handelte es sich um Trampelpfade oder alte Wege, die wir weiterverwenden konnten. Irgendwann liefen wir dem Betriebsleiter unseres Forstteams, mit dreckigen Hosen und Schaufeln, die hinten aus dem Rucksack ragten über den Weg und wurden mit einem Augenzwinkern gefragt, was wir da eigentlich machten. So kamen wir mit der Gemeinde und dem Forstamt Elgg in Kontakt und erhielten Unterstützung. Das war ein entscheidender Schritt für die Weiterentwicklung des Trails. »
Bei dem Projekt war das Forstamt Elgg federführend tätig
«Es wurde ein runder Tisch initiiert, gemeinsam mit dem Naturschutz, der Wandergruppe, dem Tourismus, den Waldbesitzern, den Vereinen und den Jägern. Alle Interessensgruppen wurden an einen Tisch geholt, und ihre Anliegen offen dargelegt. Für mich war das ein Musterbeispiel dafür, wie man Dinge angehen kann. Raum schaffen, die Anliegen teilen und gemeinsam die bestmögliche Lösung finden. Dabei kamen Punkte wie: oder stört die Tiere, sie brauchen Ruhe>. So hatten wir die Möglichkeit, auf die Bedürfnisse aller Rücksicht zu nehmen und es hat funktioniert. Ein echter Dialog entstand zwischen den einzelnen Instanzen. Das Ganze lief über den offiziellen Weg, wurde beim Kanton beantragt, Baugesuche eingereicht und die Landbesitzer einbezogen.
Die Gemeinde koordinierte alles sehr gut und brachte die Interessensgruppen auf politischer und behördlicher Ebene zusammen. Innerhalb von zwei Jahren erhielten wir schliesslich das Go, den Trail offiziell zu bauen. Es wurde eine Bautrail-Gruppe als Untersektion des RMV, Rad- und Motorsportvereins Elgg, gegründet. An einem Vorbereitungstag begehen wir gemeinsam mit den Abschnittsverantwortlichen, dem Forstamt und den Landbesitzern den Wald. Vor Ort erläutern wir, welche Korrekturen vorgenommen, welche Neuerungen eingeführt und welche bestehenden Streckenabschnitte angepasst werden sollen. Das erforderliche Material wird von der Gemeinde zur Verfügung gestellt. »
Mit Herz, Schaufel und Teamwork durch den Wald
«Dreimal im Jahr findet ein Trail-Bautag, der sogenannte Schaufeltag statt. Die Termine legen wir zu Beginn des Jahres fest und treffen uns jeweils an einem Samstagmorgen um acht Uhr. Die Helfer werden auf die verschiedenen Abschnitte eingeteilt. Von Kindern bis zu Pensionierten ist alles vertreten. Insgesamt sind wir etwa 20 bis 30 Personen. Beim Bau des Trails kommt es immer wieder zu spannenden Auseinandersetzungen. Lehrer, Schüler, Ingenieure und Handwerker bringen jeweils ihre eigene Perspektive ein, und gerade die unterschiedlichen Sichtweisen führen oft zu überraschenden und kreativen Lösungen. Einer kommt mit der Motorsäge, macht etwas, der Ingenieur sagt: <hey, das="" funktioniert="" so="" nicht="">. Dann diskutiert man kurz, und am Ende merkt man, dass es doch eine bessere Lösung gibt.
Für unsere Arbeit erhalten wir keinen Lohn. In den meisten anderen Projekten würde so etwas normalerweise von einer externen Firma gebaut. Wir haben uns bewusst dagegen entschieden, weil wir die Bedürfnisse kennen und der Natur Zeit geben möchten, den Trail anzunehmen. Wir wollen nicht einfach eine Strasse durch den Wald bauen, das Ganze soll organisch wachsen. Für uns ist wichtig, dass die Menschen, die in den Wald kommen, sich mit dem Projekt identifizieren und einen Bezug zur Natur herstellen können. Sie erleben, wo sie sich bewegen, warum bestimmte Stellen nicht befahren werden dürfen, und lernen, Rücksicht zu nehmen.
Wir betreiben viel Prävention für Wald und Natur und natürlich darf das Gesellige beim gemeinsamen Grillen im Wald am Bautag und dem Jährlichen Helferessen auch nicht fehlen. Die Rückmeldungen zum Trail sind unterschiedlich. Manche sagen, er sei zu steil, andere meinen, er sei zu flach. Wenn ich solche Kritik höre, lade ich die Leute ein, am Schaufeltag teilzunehmen. Dann können sie mitbestimmen, wo der Trail verlaufen, oder wie die Beschaffenheit sein soll. Wer keinen Bezug zum Trail hat, fährt ihn einfach und bewertet ihn, ohne die Hintergründe zu kennen. »
Engagement und Kreislauf der Natur
«Der Bike-Trail ist ein Rundkurs, der hinter dem Schwimmbad beginnt, über den Schauenberg führt, weiter über den Scheunberg hinunter nach Gugenhard und von dort wieder zurück nach Elgg. Ich bin überrascht, wie intensiv er tatsächlich genutzt wird. Das sieht man auch an den Online-Apps. Mein Tipp an alle: Oben auf dem Schauenberg lohnt sich ein kurzer Stopp, um die Aussicht zu geniessen, bevor die Abfahrt durch wunderschöne Gegenden führt. Im Sommer fahre ich ihn zweimal pro Woche. Ich bin jemand, der Kontinuität mag. Die Strecke schätze ich, weil sie uns gehört.
Unser Ziel ist, den bestehenden Weg stets sicher, aber auch spassig zu gestalten. Wir bieten an, passiv Mitglied im RMV zu werden, wo ein Teil der Beiträge in Renaturierungsarbeiten oder das Pflanzen von Bäumen fliesst. Es ist ein Kreislauf. Wir bauen, pflegen und investieren gleichzeitig in die Natur. Mir ist wichtig, dass es ein Gesamtprojekt ist. Für die Schaufeltage kann sich jeder über unsere Homepage anmelden. Sogar Leute, die eigentlich nichts mit Biken zu tun haben, kommen und finden es grossartig, ein Teil davon zu sein.
Zu Beginn braucht es Menschen, die mutig vorangehen und neue Wege wagen. Manchmal bewegt man sich dabei nahe an der Grenze der Möglichkeit, das ist mir bewusst. Doch was wirklich zählt, sind Menschen, die anpacken, Verantwortung übernehmen und den Mut haben, ins Handeln zu kommen. Menschen, die nicht nur reden, sondern etwas bewegen. »
VANESSA SACCHET


