Vanessa Sacchet im Gespräch mit Thomas Egli
08.08.2026 Leute aus der RegionDie «Elgger/Aadorfer Zeitung» porträtiert in regelmässigen Abständen Leute aus der Region.
Vanessa Sacchet im Gespräch mit Thomas Egli
Thomas Egli, geboren am 29. August 1970 in Winterthur, wuchs als Einzelkind in Elgg auf. Der ...
Die «Elgger/Aadorfer Zeitung» porträtiert in regelmässigen Abständen Leute aus der Region.
Vanessa Sacchet im Gespräch mit Thomas Egli
Thomas Egli, geboren am 29. August 1970 in Winterthur, wuchs als Einzelkind in Elgg auf. Der gelernte kaufmännische Angestellte ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder. Seit mehreren Jahrzehnten ist er Mitglied beim Tambourenverein Elgg. Als aktiver Tambour nimmt er regelmässig an Umzügen sowie regionalen bis internationalen musikalischen Veranstaltungen teil und bereichert diese mit seinem musikalischen Können.
ELGG «Die ersten fünf Jahre meiner Kindheit wohnte ich an der Vordergasse, direkt gegenüber dem Volg. Ich erinnere mich noch gut an die traditionellen Äschli-Mittwochmorgen. Bereits um vier Uhr früh durfte ich aufstehen und vom Fenster aus beobachten, wie die Tambouren im Dunkeln durch die Strassen zogen, gefolgt von den Pfeifern. Aus der Ferne erkannte man nur die gelegentlich im Laternenlicht aufblitzenden Trommeln, was dem Anlass eine besondere, mystische Stimmung verlieh. Schon damals stand für mich fest, dass ich eines Tages selbst zu den Tambouren gehören wollte. Allerdings galt die Regel, dass man mindestens zehn Jahre alt sein musste, um die Ausbildung starten zu können. Mit neun Jahren begann ich deshalb meine erste musikalische Ausbildung auf der Hammondorgel. Nach einem Jahr stellte ich fest, dass dieses Instrument nicht wirklich meinen Interessen entsprach. Zwar verfügte die Orgel über definierte Schlagzeugbegleitungen, doch meine Begeisterung galt dem Trommeln mit den Händen. Es bot sich folglich während eines Jahres privater Schlagzeugunterricht bei einem Elgger Militärschlagzeuger an. Dank des Unterrichts beherrschte ich die Schlegeltechnik sowie die verschiedenen Wirbelfiguren bereits so gut, dass ich 1981 beim Eintritt in den Anfängerkurs einen Kurs überspringen und direkt in die nächsthöhere Gruppe wechseln konnte.»
Der Äschli-Mittwoch als prägendes Erlebnis
«Viele Kinder möchten unbedingt am Äschli-Mittwoch mitlaufen und trommeln. Würden sie bereits im Alter von acht Jahren beginnen, fehlte ihnen mit zehn die nötige körperliche Grösse und Kraft, um die Trommel einen ganzen Tag lang durch die vier Gassen zu tragen. Beginnt man hingegen im Alter von zehn, verfügen die Jungtrommler zwei Jahre später über die genügende Grösse für einen Äschlitambour. Damit erkannte ich auch den Sinn des in Elgg praktizierten späten Eintrittsalters. Die Elgger Trommelausbildung ist mit grosszügiger Unterstützung der Aschermittwochsgesellschaft, welche die Trommeln gratis zur Verfügung stellt, auf den Äschlitambour ausgerichtet. Insgesamt dauert es zwei Jahre bis zur erforderlichen Reife. In dieser Zeit lernt man die traditionellen Ordonnanzmärsche, die ursprünglich aus dem Militär stammen. Ich selbst war insgesamt dreimal als Tambour dabei. In den Jahren 1985 und 1986 hatte ich zudem die besondere Ehre, zwei Jahre lang als Tambourmajor an der Spitze der Gruppe zu marschieren. Als solcher trommelt man nicht mehr selbst, sondern führt die Formation mit dem Majorsstab und gibt die Kommandos. Diese Aufgabe hatte einen besonders hohen Stellenwert für mich. Vielleicht sogar einen höheren, als wenn ich als Hauptmann oder Offizier eingeteilt worden wäre.»
Die Vielfalt der Tambouren Musik
«Am Äschli spielen sie noch weitere Signale wie den Fahnenmarsch, die Äschli-Tagwache oder den Zapfenstreich, die zusätzlich eingeübt werden müssen. Tagwache und Zapfenstreich nehmen dabei eine besondere Stellung ein, da hier auch die aus dem Äschlibuben-Alter herausgewachsenen Tambouren, auch weibliche, gemeinsam auftreten. Gerade das macht seinen besonderen Reiz aus. Man spielt nicht nur in einer kleinen Gruppe, sondern zusammen mit über vierzig Trommlerinnen und Trommlern. Wer selbst nicht trommelt, hat oft den Eindruck, dass immer derselbe Ton erklingt. Ja, die Tonhöhe lässt sich während dem Spiel nicht verändern. Die musikalische Ausdruckskraft entsteht erst durch Dynamik, Rhythmus, unterschiedliche Lautstärke, Tempo und gezielt gesetzte Akzente. Gerade der rasche Wechsel von harten lauten und sanften leisen Schlägen baut eine Spannung auf. Genau darin liegt die musikalische Kunst des Tambouren Spiels.»
Trommeln als Leidenschaft und Ventil
«Während meiner Lehrzeit gaben viele Kollegen das Trommeln auf und meinten, sie hätten inzwischen andere Interessen. Für mich stand jedoch fest, dass die Trommel mein Instrument ist, weshalb ich 1986 vom Tambourenverein Elgg als stimmberechtigtes Mitglied aufgenommen wurde. Meine Mutter sagte oft, sie höre meinem Spiel sofort an, wie es mir gehe. Je nachdem, was und wie ich trommelte, erkannte sie, ob mich etwas beschäftigte oder in welcher Stimmung ich war. Das Trommeln ist für mich bis heute ein Ventil, um abzuschalten und Gedanken zu verarbeiten. Offenbar verfügte ich über ein gewisses Talent. Damals führte der Militärtambour-Instruktor jährlich Inspektionen in den Vereinen durch, stets auf der Suche nach geeigneten Rekruten. Er gab fachliche Hinweise für den gesamten Verein und liess Jugendliche zwischen 16 und 18 Jahren auch einzeln vorspielen. So wusste er bereits früh, welchen Nachwuchs er später bei den Aufnahmeprüfungen wiedersehen würde. Natürlich war man sehr nervös, wenn wenige Minuten darüber entscheidend sind, ob einem am ersten Tag der Rekrutenschule ein Gewehr oder aber eine nagelneue, rot-weisse Trommel ausgehändigt wird. Bei mir hat es funktioniert. Mit 19 Jahren absolvierte ich die Aufnahmeprüfung zum Militärtambour und bestand sie erfolgreich. Im Jahr 1990 durfte ich die Tambouren-Rekrutenschule in Birmensdorf besuchen, gemeinsam mit siebzehn weiteren Tambouren und rund 40 Blasmusikern aus der gesamten Ostschweiz. Für mich war das ein absolutes Highlight. Man beginnt als Zehnjähriger mit dem Trommeln und erhält zehn Jahre später die Möglichkeit, sein Hobby während des Militärdienstes auf höchstem Niveau auszuüben. Diese zusätzliche Ausbildung öffnete Türen zum Beispiel für Sektionsleiter-Tätigkeiten oder als Wettspiel-Juror.»
Ein später, aber leidenschaftlicher Einstieg
«Mit Giovi De Martin begleitet mich seit Jahren ein sehr guter Freund. Wir hatten uns beim Vater-Kind-Turnen kennengelernt. Eines Tages sagte er zu mir: ‹Mein Sohn möchte trommeln lernen, und ich mache gleich mit.› Sein Junior hörte nach kurzer Zeit auf, Giovi hingegen blieb. Er begann erst mit vierzig Jahren zu trommeln und musste sich dies mit viel Fleiss erarbeiten. Als Erwachsener lernt man ein Instrument nicht mehr so leicht wie als Kind. Kinder entwickeln schneller eine gewisse Lockerheit und Routine. Umso bemerkenswerter ist es, dass Giovi durchgehalten hat und bis heute als aktiver Tambour im Verein mitwirkt. Wichtig sind das regelmässige Üben zu Hause und die Freude am Vereinsleben. Der Tambourenverein ist vielfältig zusammengesetzt. Es engagieren sich Jugendliche, die bereits mit 16 Jahren als Ausbilder tätig sind, Berufstätige und auch Pensionierte. Viele junge Mitglieder tun sich zunächst etwas schwer damit, die historische Uniform des Tambourenvereins Elgg zu tragen. Doch sie entfaltet ihre Wirkung erst in der Gruppe. Sobald sie erleben, wie positiv und begeistert die Reaktionen der Bevölkerung ausfallen, wächst auch ihr Stolz auf diese Tradition. In der Gemeinschaft fühlt man sich zugehörig und spürt unmittelbar, welche Bedeutung und Ausstrahlung dieses gelebte Brauchtum bis heute besitzt.»
Abschied vom Alten, Aufbruch ins Neue
«Meine Laufbahn als Tambour begann 1981 im alten Tambouren Häuschen, einer verwitterten, seit über 50 Jahren hinter der ELIBAG stehenden Holzbaracke. Dort habe ich weit mehr als die Hälfte meines Lebens verbracht, ob beim Üben, beim Instandhalten des Materials und während unzähliger Vereinsstunden. Es war mehr als nur ein Probelokal. Es war Treffpunkt, Werkstatt, Ausbildungsstätte und ein Stück zuhause. Nun geht diese Ära zu Ende. Ein bedeutender und erfreulicher Meilenstein für den Tambourenverein ist der Bezug des neuen Probelokals an praktisch gleicher Stelle. Gleichzeitig erfüllt mich der Abschied mit einer gewissen Wehmut. Wenn ich heute vom alten Hüsli erzähle, merke ich, wie viele Erinnerungen damit verbunden sind. Es ist ein seltsames Gefühl zu wissen, dass dieser vertraute Ort, der mich über Jahrzehnte begleitet hat, nicht mehr existiert. Es gilt nun altes loszulassen, um Platz für Neues zu schaffen. So überwiegt die Freude auf das, was vor uns liegt. Das neue Lokal wird uns Möglichkeiten bieten, von denen wir lange nur träumen konnten.»
VANESSA SACCHET


