Vanessa Sacchet im Gespräch mit Thomas Bachmann
13.12.2025 Leute aus der RegionThomas Bachmann, geboren am 14. November 1955 in Frauenfeld, wuchs mit drei Geschwistern auf. Nach seiner kaufmännischen Lehre bei der Firma Sulzer fand er seinen Weg in die Fotografie. Der Vater von drei Kindern ist verheiratet und seit mehr als 50 Jahren selbstständig in diesem Beruf ...
Thomas Bachmann, geboren am 14. November 1955 in Frauenfeld, wuchs mit drei Geschwistern auf. Nach seiner kaufmännischen Lehre bei der Firma Sulzer fand er seinen Weg in die Fotografie. Der Vater von drei Kindern ist verheiratet und seit mehr als 50 Jahren selbstständig in diesem Beruf tätig. Wie es dazu kam, erzählt mir der heute 70-Jährige.
«Bereits während meiner Lehre besass ich einen Presseausweis und war häufig an verschiedenen Veranstaltungen unterwegs, um zu fotografieren. Oft kam es vor, dass ich an einem Tag zwei bis drei Anlässe besuchte. Im Elternhaus richtete ich mir in einer kleinen Kammer ein eigenes Schwarz-Weiss-Labor ein und fotografierte unter anderem für den «Landboten» und die «Aadorfer Zeitung.»
Die Berichte dazu schrieb meist jemand anderes, da mir das Schreiben weniger liegt. Ich fotografierte Eishockeyspielen und machte Fotos für den EHC-Frauenfeld. Dazu verfasste ich selbst einen kurzen Matchbericht. Zur damaligen Zeit gab es sogenannte autofreie Sonntag, an denen man wegen des Benzinmangels nicht mit dem Auto fahren durfte.
Wenn ich für die Presse mit meinem Töffli unterwegs war, musste mir die Zeitung jeweils eine Bescheinigung ausstellen, damit ich fahren durfte. Militärdienst habe ich keinen geleistet. Stattdessen war ich im Zivilschutz tätig. Dort fragte man mich, ob ich die Porträtaufnahmen für die Ausweise machen würde. Dadurch musste ich an den Übungen jeweils nur ein bis zwei Stunden teilnehmen.
Irgendwann habe ich mein Schwarz-Weiss-Labor aufgegeben, da ich nicht mehr regelmässig für Zeitungen arbeitete und davon nicht leben konnte. Ich begann mich auf die Schulfotografie zu konzentrieren und machte mit meiner Mittelformatkamera, einer Rollei Flex Schülerporträts und Klassenfotos.»
Mein Weg in die Selbstständigkeit
«Ich war noch nicht ganz 20 Jahre alt, als ich mich direkt nach meiner Lehre im April 1975 selbstständig machte. Damals galt man nicht mit 18 Jahren als volljährig. Ich blieb bei meinen Eltern wohnen, war viel auswärts unterwegs, um zu fotografieren, und erledigte die gesamte Büroarbeit selbst. Meine Mutter unterstützte mich, indem sie Telefonanrufe entgegennahm. Früher war es üblich, dass man nach einem Fototermin alle Abzüge beschriftete. Diese Arbeit erledigte ich während der Mittagszeit, stellte eine Mappe zusammen und schickte diese der Schule zu. Nach dem eine Auswahl getroffen wurde, kam die Bestellung zurück und ich musste die Fotos beim Labor anfordern. Später haben wir das System vereinfacht. Wenn es zum Beispiel 20 Kinder in einer Klasse gab und wir ein Klassenfoto machten, schickten wir 20 Fotos an die Schule. Die Portraitbilder, die nicht gekauft wurden, bekamen wir anschliessend zurück. Lange Zeit führte ich das Geschäft als Einmannbetrieb. Nach meiner Heirat und dem Einzug ins eigene Haus stellte ich schliesslich eine Bürokraft ein, während ich weiterhin allein fotografierte. Erst später kamen nach und nach mehrere Fotografinnen und Fotografen hinzu.»
Zwischen Filmen, Laboren und kleinen Wundern
«Früher war es so, dass Filme in Deutschland deutlich günstiger waren als in der Schweiz. Deshalb bestellte ich jeweils grössere Mengen und holte sie selbst ab. Um die Haltbarkeit über das Ablaufdatum hinaus zu verlängern, habe ich die Filme eingefroren. Ich erinnere mich an eine Hochzeit, bei der ich besonders viele Filme belichtet habe, da ich vieles doppelt aufnahm, um auf Nummer sicher zu gehen. Die Filme habe ich nie alle gleichzeitig ins Labor geschickt, falls bei der Entwicklung einmal etwas schiefgehen oder die Filme beschädigt werden sollten. Als ich nach Hause kam und aus dem Auto ausstieg, verlor ich einen der Filme, ohne es zu bemerken. In der Nacht regnete es dann heftig. Am nächsten Morgen, als ich losfahren wollte, sah ich den Film auf dem Boden liegen. Es war ein 220er Mittelformatfilm mit wertvollen Aufnahmen. Zum Glück war er so gefallen, dass er unter dem Auto lag und vom Regen weitgehend geschützt blieb. Alle Bilder darauf konnten entwickelt werden und waren in einwandfreiem Zustand. Hätte ich den Film am Morgen jedoch nicht entdeckt oder wäre über ihn gefahren, wäre er verloren gewesen. Über viele Jahre arbeitete ich mit verschiedenen Fotolaboren zusammen, unter anderem mit dem Max-Peter-Lab in Zürich, der Pro Ciné in Wädenswil und Industrial Copy Color in Lausanne. Von diesen existiert heute nur noch die Pro Ciné. Damals beschäftigten sie über 400 Mitarbeitende, heute sind es nur noch rund 20. Mit der Zeit hat sich vieles verändert, insbesondere durch die Umstellung auf die digitale Fotografie.»
Analog, digital und eine unerwartete Liebesgeschichte
«Wir hatten Fotografinnen, die direkt von der Ausbildung zu uns kamen und bereits digital fotografierten. So begannen wir damit, digitale Portraits anzufertigen. Die Gruppenbilder fotografierten wir zunächst weiterhin analog, später stellten wir schliesslich auch diese vollständig auf Digitalfotografie um. Früher, in der analogen Fotografie, konnte man ein Bild nach der Aufnahme nicht nachträglich bearbeite. Das Foto war endgültig. Mit der digitalen Fotografie hingegen ist es möglich, die Aufnahmen im Nachhinein zu optimieren und anzupassen.
Über mehrere Jahrzehnte hinweg habe ich unzählige Schulklassen fotografiert und so viele Kinder und Familien aufwachsen sehen. Eine weitere lustige Geschichte aus meiner Anfangszeit ist, als ich in der Oberstufe einmal ein Mädchen fotografiert habe, im letzten Schuljahr. Ich sagte ihr damals, wo sie sich hinsetzen solle, nämlich zwischen zwei Burschen. Das gefiel ihr gar nicht, und sie hat sich ziemlich darüber aufgeregt, dass ich sie genau dort platziert hatte. Etwa drei bis vier Jahre später lernte ich dieses Mädchen zufällig über ihre Schwester kennen und heute ist sie meine Frau. Wir sind schon viele Jahre glücklich verheiratet. Erst viel später hat sie mir erzählt, wie sehr sie sich damals über mich geärgert hatte.»
50 Jahre Fotografie: Wandel und Ausblick
«Mein Sohn Christian ist Informatiker und unterstützt uns massgeblich. Ohne ihn könnten wir heute gar nicht mehr existieren, denn die gesamte IT läuft über ihn. Im Vergleich zu früher ist alles digital. Bei der Schulfotografie erhält nun jedes Kind einen eigenen Code, den es mit nach Hause nimmt. So können die Fotos online bestellt werden, und die Lieferung erfolgt direkt nach Hause. Die Lehrperson ist nicht mehr involviert. Pro Jahr bearbeiten wir über 30’000 Bestellungen. Christian hat zudem TWINT für uns eingerichtet. Hätten wir all das extern einrichten lassen müssen, wäre es sehr teuer geworden.
In diesem Jahr haben wir unser 50-jähriges Jubiläum gefeiert. Ich bin mittlerweile 70 Jahre alt und hätte mein Unternehmen schon zweimal verkaufen können. Natürlich spielt meine Gesundheit eine entscheidende Rolle dabei, wie lange ich noch aktiv fotografieren kann. Momentan fühle ich mich gut. Wie lange das so bleibt, wird die Zukunft zeigen.»
VANESSA SACCHET


