Vanessa Sacchet im Gespräch mit Silvan Brändli
07.10.2023 Leute aus der RegionSilvan Brändli, geboren am 12. August 2004 in Frauenfeld, wuchs als Einzelkind auf. Der Automatiker EFZ in Ausbildung, ist begeisterter Drohnenpilot. Er wird für diverse Anlässe gebucht und gibt uns einen Einblick, wie es dazu kam, dass er mit seiner Drohne sogar schon zwei Mal ...
Silvan Brändli, geboren am 12. August 2004 in Frauenfeld, wuchs als Einzelkind auf. Der Automatiker EFZ in Ausbildung, ist begeisterter Drohnenpilot. Er wird für diverse Anlässe gebucht und gibt uns einen Einblick, wie es dazu kam, dass er mit seiner Drohne sogar schon zwei Mal fürs Schweizer Fernsehen im Einsatz war. «Bereits als kleiner Bub hielt ich mich mit meinem Vater auf dem Modellflugplatz auf, da er Modellflieger baute. Als ich sechs Jahren alt war, besass ich meinen eigenen Flieger. Mit zunehmendem Alter war ich nicht mehr so oft auf dem Flugplatz anzutreffen. Irgendwann später sah ich per Zufall auf YouTube ein Video von einer Drohne mit Videobrille: First-Person View (FPV). Das Video hat mich dermassen fasziniert, dass ich sofort zu recherchieren anfing, was das für eine Drohne ist und wo man sie kaufen kann. Ziemlich genau ein halbes Jahr später hat das Einzelprojekt von der dritten Sekundarschule begonnen. Ich nutzte die Gelegenheit, das Thema Drohne in das Projekt einfliessen zu lassen und fand so den Einstieg in mein neues Hobby und baute meine erste Drohne zusammen. Gedauert hat es zwei Wochen. Einfach war es nicht, doch mit viel Recherche, Nachlesen und Informationen einholen habe ich es geschafft. An der Drohne ist vieles speziell. Sie besitzt keine Flugunterstützung, wie die herkömmlichen Drohnen. Bei meiner Drohne hat man eine komplett manuelle Kontrolle. Durch die Brille, die ich aufsetze, wird das Livebild übertragen und ermöglicht mir eine Sicht, als würde ich direkt in der Drohne sitzen. Das kennt man bei den Standarddrohnen nicht. Diese sind auch viel einfacher zu fliegen und sind für langsamere Aufnahmen gedacht. Am Anfang habe ich das Drohnenfliegen als Hobby betrieben und bin vor allem hier in der Gegend herumgeflogen. Ich hatte sie bei Familienausflügen und Wanderungen mit dabei, oder wenn wir Ferien im Engadin machten. So konnte ich lernen und Erfahrungen sammeln. Fliegt man spasseshalber, möchte man ans Limit gehen und alles austesten. Deshalb kam es oft zu Abstürzen. Doch die Drohnen sind so gebaut, dass sie praktisch nicht kaputt gehen. Mal wird ein Propeller beschädigt, oder ein anderes Teil geht zu Bruch. Der Vorteil ist, wenn man die Drohne selbst zusammengebaut hat, weiss man genau, wie man sie reparieren muss. Es gibt verschiedene Lieferanten in der Schweiz, die sich auf Drohnen spezialisiert haben, bei denen die Teile bestellt werden können. Meine allererste Drohne besitze ich immer noch und nehme sie hin und wieder mit. Mittlerweile sind acht selbst zusammengebaute Drohnen dazu gekommen. Zu den Anfangszeiten hatten die Drohnen extreme Vibrationen, besassen keine starken Prozessoren und eine nicht allzu gute Software. Ein Jahr nachdem ich eingestiegen bin, hat sich alles weiterentwickelt und es gab einen grossen Sprung.»
Ich frage den jungen Drohnen-Pilot, was eine Drohne kostet. Er erklärt: «Eine Drohne mit allen Teilen zusammengerechnet ohne Kamera kostet circa 500 Franken. Man kann sie auch günstiger bauen. Aber da ich sie nutze, um damit Geld zu verdienen, kaufe ich hochwertige Teile. Bei der Kamera rechnet man zwischen 400 bis 500 Franken. Die Videobrille kostet 900 Franken und die Fernsteuerung 400 Franken. Alleine für die Grundausrüstung habe ich in etwa 1200 Franken ausgegeben.»
Plötzlich erhielt ich einen Auftrag nach dem anderen
«Jemand fragte mich, ob ich mit der Drohne ein Video machen kann. Das tat ich gerne und habe mir damit ein wenig Sackgeld verdient. Es hat mir Spass bereitet und ich überlegte mir, weitere Aufträge wahrzunehmen, um nebenbei etwas Geld zu verdienen. So kam ich über Weiterempfehlungen und Mund-zu-Mund-Propaganda immer wieder zu neuen Aufträgen, von Leuten, die meine Videos gesehen haben. Einer meiner ersten Aufträge war ein Rundflug durch die Firma Vibraplast in Aadorf. Mein erster, richtig grosser Auftrag war das Sunice Festival letztes Jahr in St Moritz. Das ist ein Musikfestival in den Bergen. Diesen Auftrag habe ich liebend gerne angenommen. Danach explodierte die Nachfrage. Ich bekam viele Anfragen von verschiedenen Festivals und Agenturen. Ich erhielt einen Auftrag für das Openair Frauenfeld, das ‹Big Air Chur›, die ‹Snowboard and Freeski Weltmeisterschaft›, das ‹Hive Air› in Birrfeld, das auf einem rund 35’000 Quadratmeter grossen Gelände stattfindet. So bin ich für ein ganzes Jahr nur an Festivals geflogen. Bis im Jahr 2023 das neue Drohnengesetz eingeführt wurde. Seit dann ist das Fliegen mit der drohne an Festivals nur mit Bewilligung möglich, wegen dem Personenschutz. Es darf mit der Drohne nicht mehr über Menschen geflogen werden. Diese Bewilligung ist schwer zu bekommen und beansprucht viel Zeit und Geld. Ebenfalls seit 2023 benötigt man als Drohnen-Pilot eine Ausbildung. Jeder der eine Drohne über 250 Gramm besitzt, muss eine Prüfung ablegen. Ich habe sie gleich zu Beginn gemacht. Heute muss man dafür nach Bern gehen. Bei der Theorie geht es darum, was man alles beachten muss, wie Mindestabstand, was sind die Gefahren, was ist zu tun, wenn man während dem Flug die Kontrolle verliert. Es geht vor allem um die rechtlichen Aspekte, dass keine Personen gefährdet werden und die Privatsphäre nicht verletzt wird. Auch sollte man immer gefasst sein auf eine Störung. Ich habe zwei Signale, zum einen das Funksignal, dass ich die Drohne steuern kann und zum anderen das Videosignal, damit die Drohne mir das Video live sendet. Beides kann jederzeit ausfallen. Es können Störungen von einem anderen Sender auftreten, oder wenn ein Hindernis dazwischen liegt. Bei einem Baum oder Haus ist das weniger schlimm. Wenn ich aber hinter einen Felsen fliege, oder einen grösseren Erdhügel, kann es durchaus vorkommen, dass das Videosignal abbricht. Ich muss mir überlegen, gebe ich jetzt einfach Vollgas und wie lenke ich die Drohne, damit ich da wieder herauskomme. Es gilt innerhalb von Sekunden zu reagieren und zu hoffen, dass das Funksignal wieder ankommt.»
Auftrag vom Schweizer Fernsehen SRF
«Zurzeit erhalte ich verschiedene Aufträge. Im August war ich zum zweiten Mal für das Schweizer Fernsehen (SRF) für die Sendung ‹Games of Switzerland› im Einsatz. Wir sind vier Tage lang herumgereist und ich war für die Drohnenaufnahmen zuständig. Mit den Teammitgliedern von SRF gilt ein sehr strikt einzuhaltendes Drehbuch. Mit den Kameraleuten oder der Regie ist alles abgestimmt. Es ist klar definiert, wann es Drohnen- und wann Kameraaufnahmen gibt. Ist die Drohne in der Luft, fliege ich nahe am Geschehen vorbei und verursache bei den anderen eine schlechte Tonqualität. Deshalb müssen wir uns genau absprechen. Ich mache kurz meine Aufnahmen und lande gleich wieder, um möglichst effizient zu arbeiten. Das Arbeiten fürs Fernsehen hat mir grossen Spass bereitet.
Mein grösster Traum wäre ein Auftrag für Red Bull oder GoPro. Zum Beispiel ein Action-Sport-Anlass wie Base-Jumping, Wingsuit-Fallschirmspringen, Mountainbiking oder ein Motocross-Event. Da gibt es unendlich viele Möglichkeiten. Der Extremsport interessiert mich sehr. Einen solchen Auftrag ergattern zu können, ist nicht einfach und erfolgt zu 80 Prozent durch Empfehlung. Ich kenne jemanden bei Red Bull und hoffe, dass ich so meinem Ziel näherkomme. Zudem besitze ich eine eigene Webseite, habe einen Instagram-Kanal, bin bei Tiktok und Youtube. Die meisten Aufträge erhalte ich immer noch, weil mich jemand weiterempfohlen hat.»
VANESSA SACCHET


