Vanessa Sacchet im Gespräch mit Sabine Schweingruber
11.07.2026 Leute aus der RegionDie «Elgger/Aadorfer Zeitung» porträtiert in regelmässigen Abständen Leute aus der Region.
Vanessa Sacchet im Gespräch mit Sabine Schweingruber
Sabine Schweingruber, geboren am 5. Februar 1975 in Münsterlingen, wuchs gemeinsam ...
Die «Elgger/Aadorfer Zeitung» porträtiert in regelmässigen Abständen Leute aus der Region.
Vanessa Sacchet im Gespräch mit Sabine Schweingruber
Sabine Schweingruber, geboren am 5. Februar 1975 in Münsterlingen, wuchs gemeinsam mit ihrem Bruder auf. Sie ist gelernte kaufmännische Angestellte, verheiratet und Mutter von drei Kindern. Heute widmet sie sich der Zucht von Australian Labradoodle-Welpen.
AADORF «Mein Traum war es schon immer, einmal einen Bauern zu heiraten. Dieser Wunsch hat sich jedoch nicht erfüllt, und ich habe stattdessen einen Mann aus der IT-Branche geheiratet. Tiere waren mir stets wichtig, und ich bin ein grosser Hunde Fan. Mit meiner ersten Hündin Cara war ich sogar in der Rekrutenschule. Nach ihrem Tod haben wir uns bewusst Zeit gelassen und uns intensiv mit verschiedenen Hunderassen auseinandergesetzt. Schliesslich entschieden wir uns für Chihuahuas, mit denen wir während sechs Jahren gezüchtet haben. Dabei mussten wir feststellen, dass diese Rasse sehr anspruchsvoll und in der Erziehung nicht einfach ist. Mit der Zeit merkte ich, dass mich diese Situation mehr belastete als erfreute. Zwar fand ich die Hunde nach wie vor herzig, doch als unsere beiden Zuchthündinnen ein Alter erreichten, in dem keine Zucht mehr möglich war, orientierten wir uns neu. Im selben Zuchtverein brachte Corinne Groth die Australian Labradoodle in die Schweiz. An dieser Rasse fasziniert mich besonders ihr fröhliches, lernfreudiges Wesen. Ihre Lebensfreude empfinde ich als sehr erfrischend. »
Frühe Prägung als Grundlage einer stabilen Hunde-Entwicklung
«Ich halte es für besonders wichtig, die Zucht mit Fachwissen und grosser Verantwortung anzugehen, da dabei vieles falsch gemacht werden kann. Welpen, die in einer reizarmen und eintönigen Umgebung aufwachsen, sind später im Leben oft deutlich eingeschränkt. Wer in der frühen Entwicklungsphase wenig unterschiedliche Reize kennenlernt, zeigt im Erwachsenenalter häufig eine geringere Anpassungsfähigkeit und reagiert auf Veränderungen schneller mit Stress. Gerade in der heutigen Zeit, in der Hunde vielfältigen Anforderungen begegnen, ist eine sorgfältige und umfassende Prägung besonders entscheidend. Während der sogenannten sensiblen Entwicklungsphase ist es wichtig, auch ungewohnte Reize positiv und kontrolliert einzuführen. Dazu gehören beispielsweise Alltagsgeräusche wie der Staubsauger, oder beim Australian Labradoodle auch der Föhn. Diese Rasse besitzt kein vollständig wetterfestes Fell, weshalb eine regelmässige Pflege notwendig ist. Wird das Fell einfach an der Luft getrocknet, kann es schnell verfilzen. Deshalb ist es von Vorteil, wenn die Hunde früh an das Geräusch und die Pflege gewöhnt werden. Ab der fünften Lebenswoche beginne ich zudem, die Welpen behutsam ans Autofahren zu gewöhnen, solange der Parasympathikus noch besonders aktiv ist und neue Eindrücke gut verarbeitet werden können. Auch Umweltreize spielen eine zentrale Rolle. Die Welpen verbringen Zeit im Garten, und da wir in der Nähe eines Kreisels wohnen, werden sie ganz selbstverständlich mit Alltagsgeräuschen wie Verkehrslärm und spielenden Kindern konfrontiert. Ebenso achte ich darauf, dass sie regelmässig Kontakt zu freundlichen und gut sozialisierten Hunden haben, meist aus meiner eigenen Zucht. Wichtig ist zudem der Umgang mit unterschiedlichen Menschen. Kinder und Erwachsene, Menschen mit verschiedenen Hautfarben und äusseren Erscheinungsbildern. Ich achte darauf, dass Besucher alltägliche Gegenstände mitbringen, wie Hüte, Sonnenbrillen oder Regenschirme. So lernen die Welpen von Anfang an eine Vielzahl von Eindrücken kennen, die ihnen später im Leben begegnen können. »
Ernährung, Pflege und intensive Aufzuchtphase
«Die Ernährung ist mir ebenfalls sehr wichtig. Während bei uns Menschen selbstverständlich zwischen frischen Lebensmitteln und Fertigprodukten unterschieden wird, wird dieser Aspekt bei Hunden oft weniger beachtet. Deshalb lege ich grossen Wert auf eine bewusste und sorgfältige Fütterung. Bei den Welpen beginne ich behutsam mit der Ernährung, ähnlich wie bei Babys, die zuerst einfache Nahrung wie Rüebli Brei erhalten und diese Schritt für Schritt erweitern. Dieses Vorgehen ist besonders wichtig, da diese Rasse tendenziell etwas magenempfindlich ist. Auch Entwurmen und Impfen gehören selbstverständlich zur Aufzucht dazu. Die ersten Wochen erfordern eine enge Betreuung, da ständig darauf geachtet werden muss, dass sich die Welpen nicht verletzen. Nachts sorgt meist die Mutterhündin für Ruhe, während ich ihr Wohlergehen sowie die Entwicklung der Welpen regelmässig kontrolliere. Dabei ist mir wichtig, dass sie früh an Berührungen und verschiedene Reize gewöhnt werden. Auch die Sauberkeit der Wurfkiste spielt eine zentrale Rolle.
Ab der fünften Woche wird die Aufzucht deutlich intensiver, da die Welpen in ihren Wachphasen viel Aufmerksamkeit, Betreuung und Beschäftigung benötigen. Wenn sie schliesslich in ihr neues Zuhause ziehen, ist das für mich immer mit einem lachenden und einem weinenden Auge verbunden. »
Verantwortungsvoller Umgang und sorgfältige Welpen Vermittlung
«Diese Hunderasse ist grundsätzlich für viele Menschen geeignet. Wo ich jedoch klare Grenzen setze, ist bei Familien mit Kindern, wenn ich spüre, dass der Hund nicht respektvoll behandelt wird. Ich hatte auch schon eine Situation, in der ein Kind meinen Hund am Kopf gepackt, sein Gesicht direkt vor das des Hundes gehalten und ihm intensiv in die Augen geschaut hat. Das ist gefährlich. Auch wenn die Eltern dies als harmlose Tierliebe des Kindes abgetan haben, ist mir ein respektvoller Umgang sehr wichtig. Ein Hund ist kein Plüschtier, sondern ein Lebewesen, das klare Grenzen und Ruhezeiten benötigt. Eine weitere Herausforderung bei dieser Rasse ist die Fellpflege, die nicht unterschätzt werden darf. Regelmässiges Baden, Bürsten und Föhnen gehört zwingend dazu und erfordert Zeit und Freude daran. Der Australian Labradoodle wird oft als Familien- und teilweise als antiallergischer Hund beschrieben. Dennoch zeigen sich innerhalb eines Wurfs sehr unterschiedliche Charaktere. Von ruhig bis sehr lebhaft. Deshalb ist es entscheidend, sorgfältig zu prüfen, welcher Welpe wirklich für welche Familie geeignet ist. »
Charaktereinschätzung und passende Platzierung der Welpen
«Interessenten für einen Welpen aus meiner Zucht werden in ein Online-Programm aufgenommen, in dem sie wöchentlich wichtige Informationen zu Themen wie Fellpflege, Fütterung und geeigneten Hundeschulen erhalten. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, die Hunde zweimal zu besuchen. Dabei bespreche ich mit ihnen ihre Erwartungen und Anforderungen an den zukünftigen Hund. Ergänzend führe ich eine Welpen Analyse durch, bei dem der Körperbau der einzelnen Hunde beurteilt wird. So kann ich besser einschätzen, welcher Hund zu welcher Lebenssituation passt. Wer sich beispielsweise einen sportlich aktiven Hund wünscht, sollte auch einen Welpen erhalten, der körperlich und charakterlich dazu passt. In Familien mit Kindern achte ich darauf, dass kein übermässig aktiver Hund vermittelt wird. Häufig besteht der Wunsch nach einem bestimmten Welpen. In solchen Fällen erkläre ich, dass nicht jeder Hund zu jeder Person passt, auch wenn sich Mensch und Hund später gut entwickeln können. Grundlegende Charakterzüge sind angeboren und sollten von Anfang an stimmig sein. Andernfalls ist es sinnvoll, auf den nächsten Wurf zu warten. Viele Menschen haben zudem bestimmte Vorstellungen über das Verhalten der Welpen. Oft wird angenommen, der zuerst herankommende habe sich den Menschen ausgesucht. Tatsächlich handelt es sich dabei meist um einen besonders offenen Hund, der grundsätzlich als Erster auf alle Menschen zugeht. Solche Hunde eignen sich häufig gut für den Einsatz als Therapiehund. Auch ruhig wirkende Welpen werden oft falsch eingeschätzt. Zurückhaltendes Verhalten bedeutet nicht automatisch Ausgeglichenheit, sondern kann ebenso auf Unsicherheit hinweisen. »
Nachhaltige und verantwortungsvolle Hundezucht
«Ich finde es sehr wichtig, dass Zuchtvereine Züchter fundiert ausbilden und regelmässig weiterbilden. Dabei sollte der Fokus nicht nur auf klassischen Gesundheitsuntersuchungen wie Hüftdysplasie, Ellbogendysplasie oder Gentests liegen, sondern auf dem gesamten Körperbau. Dazu gehören beispielsweise stabile Sprunggelenke, gute Pfoten Stellungen und eine funktionelle Anatomie, damit Hunde langfristig gesund aufwachsen können. Zunehmend habe ich jedoch den Eindruck, dass die Optik teilweise stärker gewichtet wird als die Gesundheit. Gleichzeitig wird Züchtern schnell Geldgier unterstellt, obwohl in dieser Arbeit viel Zeit, Fachwissen und Herzblut steckt. Ein gewisses Einkommen ist jedoch notwendig, um Qualität zu sichern, in Gesundheit zu investieren und sich laufend weiterzubilden und ist aus meiner Sicht daher absolut gerechtfertigt. »
VANESSA SACCHET


