Vanessa Sacchet im Gespräch mit Sabine Schönenberger
10.01.2026 HagenbuchSabine Schönenberger wurde am 23. Mai 1981 in Herisau geboren und wuchs gemeinsam mit ihrem jüngeren Bruder auf. Nach ihrer Ausbildung zur Charcuterie-Verkäuferin heiratete sie und ist heute Mutter von zwei Kindern. Seit 2013 steht sie als Präsidentin an der Spitze des ...
Sabine Schönenberger wurde am 23. Mai 1981 in Herisau geboren und wuchs gemeinsam mit ihrem jüngeren Bruder auf. Nach ihrer Ausbildung zur Charcuterie-Verkäuferin heiratete sie und ist heute Mutter von zwei Kindern. Seit 2013 steht sie als Präsidentin an der Spitze des Sportvereins Hagenbuch.
«Schon als Kind war ich sehr sportbegeistert und besuchte durchgehend die Mädchenriege. Besonders gerne rannte ich und war stets die schnellste Trognerin von Appenzell Ausserrhoden. Ich habe den 60-Meter-Schnelllauf geliebt. Auch die Jugendsporttage mochte ich sehr gerne, die Wettkämpfe weniger. Ich war immer viel zu nervös. Das Vereinsleben wusste ich schon damals zu schätzen. Mit Beginn meiner Lehre legte ich eine Pause ein. Im Jahr 2013 kam dann die Anfrage von Doris Vonwiller, da der Sportverein Hagenbuch dringend das Präsidialamt das vakant war, besetzen wollte. So übernahm ich die Funktion der Präsidentin, obwohl meine Kinder noch klein waren. Für mich stand fest, wenn ich das Amt übernehme, sollen auch meine Töchter in der Mädchenriege mitmachen. Ausser sie hätten sehr gute Gründe, die dagegensprechen. Und tatsächlich waren beide von Anfang an dabei. Genau wie ich damals, haben sie es geliebt.»
Engagement aus Leidenschaft
«In meiner Funktion bin ich in erster Linie Ansprechperson für Eltern und Kinder. Neben der umfangreichen Administration unterstütze ich unseren Kassier und den Aktuar und übernehme oft Aufgaben, die eigentlich gar nicht in meinen Bereich fallen. So habe ich beispielsweise während eineinhalb Jahren das Mutter-Kind-Turnen geleitet, weil sich keine andere Leitung fand. Ich sehe mich als eine Art Notnagel. Bevor ein Angebot eingestellt wird, springe ich ein. Seit 2018 leite ich zudem das Kinderturnen. Am wichtigsten ist mir, dass wir unsere grossartigen Vereinsleute halten können und niemand das Handtuch wirft. Gleichzeitig merke ich zunehmend, wie schwierig es geworden ist, Erwachsene für ehrenamtliches Engagement im Verein zu gewinnen. Ganz anders als bei den Kindern. So viele wie heute hatten wir noch nie. Auch ausserhalb des Sportvereins bin ich stark ins Dorfleben eingebunden. Bei Anlässen in Hagenbuch bin ich fast immer involviert, aus Überzeugung und weil ich es wichtig finde. Als Präsidentin trete ich überall in Erscheinung und bin den Leuten bekannt. Gemeinsam mit meinem Mann, der im Männerturnverein aktiv ist, engagieren wir uns gerne. Wir stellen nicht nur privat Infrastruktur wie vier Kaffeemaschinen, Grill, Fritteuse, Hotdog Maschinen und Scherenzelt zur Verfügung, sondern übernehmen auch Arbeitsplaneinteilungen. So werden wir bei vielen Projekten angefragt. Obwohl ich eigentlich nicht vorhatte, mich auch noch beim Dorffest einzubringen, habe ich mich schliesslich dem Organisationskomitee angeschlossen. Für mich war klar: Es wäre schade, wenn der Sportverein auf dem Dorfplatz nicht vertreten wäre, und die Kinder nicht integriert sind.»
Führung und Spielspass: Den Verein lebendig gestalten
«Am meisten Freude als Präsidentin des Sportvereins bereitet mir die Arbeit mit den Kindern. Sie erkennen mich überall, selbst beim Einkaufen im Coop Grüze ruft plötzlich ein Kind ‹Sabi!› und springt mich an. Das finde ich super. Ich sage immer, dass ich nicht nur meine beiden eigenen Kinder habe, sondern noch ganz viele ‹fremde› Kinder dazu. Auch beim Sport ist es spannend zu beobachten, wie unterschiedlich die Charaktere der Kinder sind. Natürlich macht nicht jede Turnstunde allen gleichermassen Freude, aber wichtig ist, dass sie für jedes Kind etwas Besonderes bietet. Es gibt zum Beispiel einen Jungen, der sonst immer im Hintergrund bleibt, bis wir Donut Hockey gespielt haben. Die Ringe sehen aus wie Donuts, und plötzlich habe ich ihn kaum wiedererkannt, da er völlig aus sich herauskam. Auch ein schüchternes Mädchen hat sich bei einem anderen Spiel entfaltet. Es ist einfach schön zu beobachten, wie jeder einzelne seinen Spass findet. Den Verein erfolgreich zu führen, erfordert in meinen Augen bestimmte Eigenschaften: Offenheit, den Mut, auf Kinder zuzugehen, und den Dialog mit den Eltern zu suchen. Flexibilität ist wichtig, spontan einspringen, neue Wege ausprobieren und auch mal alternative Lösungen finden, wenn etwas nicht funktioniert. Genau diese Mischung macht die Arbeit mit den Kindern und für den Verein so erfüllend.»
Mit Herzblut für die nächste Generation
«Früher war ich Hausfrau, da war der Sportverein für mich ein wichtiger Ausgleich. Heute bin ich beruflich und ehrenamtlich in vielen Bereichen aktiv. Familie, Beruf und Vereinsleben unter einen Hut zu bringen, gelingt mir dank der grossen Unterstützung innerhalb meiner Familie. Vor etwa vier Jahren spielte ich mit dem Gedanken, das Amt der Präsidentin niederzulegen. Doch meine Kinder und der Verein machten mir klar, wie wichtig es ist, weiterzumachen. Ich bin überzeugt: Jeder Verein ist ein wichtiges Kulturgut eines Dorfes. Von der Gemeinde erhalten wir grosse Unterstützung, und als einziger Verein in Hagenbuch nehmen wir viermal jährlich an der Altpapiersammlung teil. Da wir ausschliesslich Kinder haben, sind wir auf die Hilfe der Eltern angewiesen. Es ist fantastisch, wie sie mit privaten Fahrzeugen und Anhängern einspringen. Dafür sind wir sehr dankbar. Pro Sammlung erhalten wir zudem eine kleine Entschädigung, die wir für unsere Angebote wie kostenlose Jugendsporttage, Ausflüge und das Chlaus Turnen verwenden. Hagenbuch bedeutet mir als Ort und Gemeinschaft sehr viel. Es fühlt sich an wie eine grosse Familie. Für die Zukunft hoffe ich, eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger zu finden, vielleicht übernimmt sogar eines meiner Kinder. Meine Töchter, 14 und 16 Jahre alt, sind bereits langjährige Hilfsleiterinnen. Zudem haben wir eine Oberstufenriege speziell für Mädchen eingerichtet, damit sie weiterhin mit Freude dabeibleiben. Mein Ziel ist es, die Kinder zu begeistern und den Verein langfristig jung, lebendig und zukunftsfähig zu gestalten.»
VANESSA SACCHET


