Vanessa Sacchet im Gespräch mit Norbert Zehnder
21.03.2026 Leute aus der RegionNorbert Zehnder, geboren am 16. Februar 1963 in Frauenfeld, wuchs gemeinsam mit zwei Geschwistern auf. Der gelernte Automechaniker ist verheiratet. Heute ist der ehemalige Garagist als Helikopterpilot für die Alpstein Heli AG tätig. Wie es dazu kam, erzählt mir der heute ...
Norbert Zehnder, geboren am 16. Februar 1963 in Frauenfeld, wuchs gemeinsam mit zwei Geschwistern auf. Der gelernte Automechaniker ist verheiratet. Heute ist der ehemalige Garagist als Helikopterpilot für die Alpstein Heli AG tätig. Wie es dazu kam, erzählt mir der heute 63-jährige.
«nach meiner Zeit im Motorsport, ich fuhr unter anderem Formel Ford und Formel 3, suchte ich nach einem neuen Ersatz. Mit 36 Jahren machte ich deshalb das Flächenflug-Brevet und rund 13 Jahre später, mit etwa 49, folgte das Helikopter-Brevet. Nach einem einstündigen Schnupperflug wusste ich sofort, das ist genau das, was ich machen will. Ich ging das Ganze recht zügig an. Als Quereinsteiger absolvierte ich die theoretischen Prüfungsfächer und kam dadurch in relativ kurzer Zeit voran. Nach einem halben Jahr trat ich mit den vorgeschriebenen 45 Minimalstunden zur Prüfung an und bestand. Seither folgen jährlich sogenannte Checkflüge, das sind im Grunde verkürzte Prüfungsflüge mit einem Instruktor des BAZL
Diese jährliche Überprüfung ist obligatorisch. Am Helikopterfliegen fasziniert mich besonders die Ähnlichkeit zum Autorennsport. Das präzise Beherrschen eines hochkomplexen technischen Wunderwerks. Diese Herausforderung reizt mich immer wieder aufs Neue. Helikopterfliegen ist für mich ein Zusammenspiel von Technik, Können und Gefühl. Zudem schätze ich die grosse Freiheit, die man in der Schweiz als Helikopterpilot geniesst. Unter bestimmten Voraussetzungen dürfen wir Aussenlandungen durchführen, das ist ein Privileg, das in fast keinem anderen europäischen Land existiert. In Österreich, Deutschland oder Frankreich ist das nicht möglich. Dort darf man ausschliesslich von Flugplatz zu Flugplatz fliegen.»
Allein im Cockpit! Der unvergessliche First Solo
«An meinen allerersten Helikopterflug erinnere ich mich noch ganz genau. Man nennt ihn den Soloflug, er findet während der Ausbildung statt. Nach etwa 20 Flugstunden steigt der Fluglehrer aus, schaut einen an und sagt: ‹So, jetzt bist du parat. Jetzt fliegst du eine Runde allein›. In diesem Moment schiesst der Puls in die Höhe. Schliesslich sitzt plötzlich niemand mehr neben einem, der eingreifen oder helfen könnte. Diesen sogenannten First Solo vergisst kein Pilot jemals. Wenn man dann tatsächlich in der Luft ist und weiss, dass man den Helikopter allein wieder sicher auf den Boden bringen muss, ist das ein ganz besonderes Gefühl. Klar bleibt man per Funk mit dem Fluglehrer verbunden, sodass er bei Bedarf noch Hinweise geben könnte. Aber am Steuer sitzt du allein, und das macht diesen Moment so speziell. Das gilt für alle Piloten, egal ob im Helikopter oder im Flächenflugzeug. Der erste Soloflug ist ein unvergessliches Ereignis, das einem für immer in Erinnerung bleibt. Nach der bestandenen Prüfung ist man anfangs noch etwas angespannt, beim allein fliegen. Deshalb ist es wichtig, in dieser Phase möglichst viel zu fliegen und die Abstände zwischen den Flügen kurz zu halten. So gewinnt man Sicherheit und Routine. Mit der Zeit spielt es keine grosse Rolle mehr, mal ein oder zwei Monate nicht zu fliegen. Man steigt einfach ein, startet den Helikopter und los geht’s! Bis heute habe ich insgesamt rund 870 Flugstunden absolviert, davon 540 Stunden auf dem Helikopter.»
Zwei Freunde und ein Helikopter. Wie aus Leidenschaft ein Projekt wurde
«Ein guter Freund von mir, Stefan Meier, absolvierte gemeinsam mit mir das Helikopter-Brevet. Wir sind seit vielen Jahren befreundet und fassten vor rund zweieinhalb Jahren den Entschluss, uns gemeinsam den Traum vom eigenen Helikopter zu erfüllen. Im Jahr 2023 konnten wir diesen Plan umsetzen. Wir fanden eine ausgezeichnete Occasion, einen amerikanischen Robinson R44, vom Erstbesitzer, der aus Altersgründen mit dem Fliegen aufhörte. Die Maschine war in Balzers stationiert und in einem hervorragenden Zustand. Mit dem Kauf gründeten wir die Alpstein Heli AG, mit dem langfristigen Ziel, vielleicht eines Tages eine eigene Flugschule aufzubauen. Das ist allerdings kein einfaches Unterfangen, weshalb wir derzeit Schritt für Schritt daran arbeiten. Aktuell betreiben wir einen Charterbetrieb, das heisst, andere Piloten können unseren Helikopter mieten, was hilft, die laufenden Kosten zu decken. Unterstützt werden wir dabei von einem guten Kollegen, unserem ehemaligen Fluglehrer, der auf unserem Helikopter für andere Piloten die jährlichen Checkflüge abnimmt. Ein weiteres Ziel ist es, künftig eine Mountain-Ausbildung anzubieten, also eine Schulung für Gebirgslandungen, eine spezielle Disziplin in der Schweiz. Stefan und ich sind selbst keine Ausbilder, sondern Privatpiloten, doch unser ehemaliger Fluglehrer könnte dies mit unserem Helikopter im Rahmen unserer Firma übernehmen. Das würde das Ganze auch wirtschaftlich interessanter machen. Neben dem Charterbetrieb bieten wir zudem private, entgeltliche Rundflüge an, etwa für Hochzeiten, Firmenanlässe oder besondere private Ereignisse. Als Privatpilot darf man Helikopterflüge nur kostendeckend durchführen, ein Gewinn darf damit nicht erzielt werden.»
Stationiert im Fliegermuseum St. Gallen Altenrhein
«Unser Helikopter steht dort im Fliegermuseum, zusammen mit anderen, flugfähigen Fliegern. Wenn wir ihn benötigen, holen wir ihn heraus. Ansonsten bleibt er sicher im Museum untergestellt. Die Charterflüge werden von ausgewählten, erfahrenen Piloten durchgeführt, die wir persönlich kennen. Sie nutzen den Helikopter sowohl für private Flüge als auch für Rundflüge. Stefan Meier nimmt zudem an Präzisionsflug-Meisterschaften teil. Auf unserem Helikopter hat er sogar im Jahr 2025 die Deutsche Meisterschaft gewonnen. Grundsätzlich kann jeder das Helikopterfliegen erlernen, der Talent und technisches Verständnis mitbringt. Ich empfehle Interessierten jedoch unbedingt, zunächst einen Schnupperflug zu machen. So kann man prüfen, ob man sich in der dritten Dimension wohlfühlt. Ein einfaches Hobby ist es jedoch nicht. Es erfordert gründliche Vorbereitung und Verantwortung. Vor jedem Flug müssen Maschine sowie Unterlagen geprüft und ausgefüllt werden. Zudem gehören jährliche Sicherheitskurse und Checkflüge dazu. Viele Piloten hören deshalb nach einer Weile wieder auf, weil der Zeitaufwand mit Familie oder dem Beruf zu gross wird.»
Nächtliche Flüge und alpine Abenteuer. Wenn Heimat am schönsten leuchtet
«Stefan und ich veranstalten zweimal im Jahr einen Gebirgstag. Wenn das Wetter mitspielt, fliegen wir die Gebirgsflugplätze an, von denen es in der Schweiz insgesamt 40 gibt. Es ist ein besonderes Gefühl, zum Beispiel auf dem Jungfraujoch zu landen oder im Wallis unterhalb der 4000er-Gipfel aufzusetzen. Besonders im Winter, wenn alles schneebedeckt ist, bieten diese Flüge nicht nur eine landschaftliche Schönheit, sondern auch eine echte Herausforderung. Wir nutzen diese Flüge regelmässig zu Trainingszwecken, um unsere Fähigkeiten zu verbessern. Ein weiterer Traum, den wir uns gerade erfüllen ist die Nachtflugausbildung. Nach Abschluss dürfen wir dann auch in der Nacht fliegen, allerdings nur von Flugplatz zu Flugplatz. Die nächtlichen Flüge sind eine andere Herausforderung, denn die Orientierung und Navigation unterscheiden sich deutlich vom Tagesflug. Die Ausbildung umfasst sowohl Flugstunden im Simulator als auch praktische Flugerfahrung». Auf meine Frage, wo er nach Abschluss der Nachtflugausbildung am liebsten fliegen würde, vielleicht in New York, antwortet Norbert lachend: «Über unsere Heimat! Da die Lichter zu sehen wäre grossartig! Denn egal wo man fliegt, dort wo man zu Hause ist, ist es am schönsten.»
VANESSA SACCHET


