Vanessa Sacchet im Gespräch mit Monika Zehnder
09.05.2026 Leute aus der RegionDie «Elgger/Aadorfer Zeitung» porträtiert in regelmässigen Abständen Leute aus der Region.
Monika Zehnder, geboren am 1. August 1964 in Basel, wuchs gemeinsam mit ihrem Bruder und ihrer Schwester auf. Die gelernte Kauffrau begegnete bereits mit 17 Jahren ihrer ...
Die «Elgger/Aadorfer Zeitung» porträtiert in regelmässigen Abständen Leute aus der Region.
Monika Zehnder, geboren am 1. August 1964 in Basel, wuchs gemeinsam mit ihrem Bruder und ihrer Schwester auf. Die gelernte Kauffrau begegnete bereits mit 17 Jahren ihrer grossen Liebe. Eine Begegnung, die ihr Leben nachhaltig prägte. Von Anfang an hielt sie ihre Gefühle in Liebesbriefen fest. Über die Jahre hinweg entstand so ein beeindruckendes Archiv von rund 1200 Briefen. Dieses einzigartige Zeugnis ihrer Liebe bewegte sie schliesslich dazu, sich bei der Sendung Happy Day zu melden.
«Als ich Norbert kennenlernte, war ich 17 Jahre alt, er 18. Bei mir hat es sofort Klick gemacht. Wir waren in der Disco, haben miteinander getanzt, und ich spürte gleich, dass die Gefühle auf Gegenseitigkeit beruhten. Von Anfang an war es eine besondere Beziehung, nicht zuletzt, weil ich in Basel lebte und er in Ettenhausen. Eine Fernbeziehung, die ganze fünf Jahre dauern sollte. Damals fuhr er Mini-Racing mit ferngesteuerten Autos. Fast jedes Wochenende waren wir auf dem Rennplatz anzutreffen. Am Anfang war das nicht ganz einfach für mich. Es fiel mir schwer, mich mit dieser Situation abzufinden. Doch nach und nach sprang seine Begeisterung auch auf mich über. Ich sah, mit wie viel Leidenschaft Norbert dabei war, und lernte die Menschen kennen, die zur Rennszene gehörten. Die besondere Atmosphäre begann mir immer besser zu gefallen. Je wichtiger ihm das Rennfahren wurde, desto mehr unterstützte ich ihn. Schritt für Schritt wuchs ich in diese Welt hinein und sie wurde ein Teil von mir.»
Liebe per Express! Wie Briefe fünf Jahre Herzklopfen brachten
«Wir lernten uns am 1. Mai 1981 kennen und schon am nächsten Tag musste ich wieder nach Hause reisen. Um noch ein wenig mehr Zeit miteinander zu haben, brachte mich Norbert nach Zürich an den Bahnhof, damit ich nicht bereits in Aadorf in den Zug steigen musste. Kaum sass ich im Zug, begann ich meinen ersten Brief zu schreiben. Am Montagmorgen gab ich ihn in Basel per Express auf. Ein normaler Brief kostete damals 40 Rappen, ein Expressbrief zwischen zwei, drei Franken. Doch das war es mir wert. Von da an schrieb ich täglich: am Montag für Dienstag, am Dienstag für Mittwoch, am Mittwoch für Donnerstag. Nur am Donnerstag setzte ich keinen Brief auf, weil wir uns ja bereits am Freitag wiedersahen. Und kaum sass ich am Sonntagabend wieder im Zug, entstand, oft unter Tränen, der nächste Brief.
Die Expressbriefe aus Basel trafen in Ettenhausen häufig erst ein, nachdem der Postbote Artur Schranz bereits Feierabend hatte. Also machte er sich jeweils nochmals zu Fuss auf den Weg, um Norbert die Liebespost zu bringen. Was ihn mit der Zeit verständlicherweise etwas strapazierte. Norberts Vater meinte irgendwann scherzhaft: ‹kannst du dieser Baslerin nicht sagen, sie soll einfach normale Briefe schicken?› Fünf Jahre lang lieferte der Postbote die Expressbriefe dennoch zuverlässig aus. Norbert selbst griff lieber zum Telefonhörer, als Briefe zu schreiben. Doch Telefongespräche waren damals kostspielig, und sein Vater bestand darauf, sie so kurz wie möglich zu halten. Keine einfache Vorgabe für zwei frisch Verliebte.»
Von der Radiostimme zum Sofa im Fernsehen
«Vor etwa 14 Jahren gab es im Radio, damals noch DRS 3, einen Aufruf: ‹schreibt uns eure Liebesgeschichte zum Valentinstag!› Ich dachte aus Spass, das mache ich. Kurz darauf rief mich die Radiomoderatorin Judith Wernli an und sagte, unsere Geschichte sei der absolute Hammer. Ich müsse sie unbedingt im Radio erzählen. Ein unvergesslicher Moment! Jahre später, im Oktober 2025, sahen Norbert und ich die Sendung Happy Day, die zum ersten Mal von Nik Hartmann moderiert wurde. Er rief auf, Wünsche einzureichen und am Valentinstag 2026 ebenfalls Liebesgeschichten zu teilen. Norbert drehte sich lachend zu mir um: ‹Hey, du könntest dich dort melden›. Genau dieser Satz reichte, um mich zu motivieren. Zwei Tage später schrieb ich im Büro unsere Geschichte nieder und schickte sie ein, ohne mir weitere Gedanken darüber zu machen. Zwei Wochen später kam die erste Rückmeldung.
Viele Einsendungen seien eingegangen, und sollte ich 12 Wochen lang nichts hören, hätten sie sich für etwas anderes entschieden. Am 18. Dezember 2025 schliesslich erhielt ich die endgültige Nachricht aus der Produktion von Happy Day. Wir würden in der Sendung vorne auf dem Sofa sitzen! Ich war völlig aus dem Häuschen und konnte es kaum glauben. Fünfzehn Minuten später kam meine Freundin zu Besuch. Wir hatten uns vor Weihnachten zu Kaffee und Kuchen verabredet. Kurz überlegte ich, ihr die Neuigkeit zu verraten, entschied mich dann aber, das Geheimnis für mich zu behalten. Es fiel mir unglaublich schwer und kostete viel Energie, mit niemandem darüber zu sprechen. Doch die Vorfreude auf den Tag machte alles mehr als wett.»
Hunderttusig Liebeslieder, unsere Geschichte wird zum Song.
«Am Valentinstag schenke ich Norbert jedes Jahr einen kleinen Brief und ein Geschenk. Dieses Mal jedoch war es etwas ganz Besonderes. Eintrittstickets für die Happy Day Sendung am 14. Februar 2026 für uns beide. Ich erzählte ihm, dass die Redaktion unsere Liebesgeschichte zwar sehr beeindruckend fand, wir aber nicht offiziell ausgewählt wurden. Trotzdem durften wir live im Publikum dabei sein.
Ich war unglaublich nervös und nahm an diesem Samstag regelmässig Similasan-Globuli zur Beruhigung ein. Norbert fragte besorgt, warum ich so aufgeregt sei. Ich erklärte, dass es etwas Besonderes ist, ein Fernsehstudio von innen zu erleben und den Ablauf der Sendung mitzuerleben. Er glaubte mir. Als wir im Publikum Platz nahmen, wusste ich, dass wir am Ende der Sendung dran sein würden. Vor Aufregung wurde mir fast schlecht, und immer wieder schaute ich auf die Uhr. Dann kam der Moment: ‹Und jetzt begrüssen wir Monika und Norbert!› Von diesem Moment an, fühlte ich mich erleichtert. Norbert hingegen wurde nervös und flüsterte: ‹Oh nein!›, als wir nach vorne gehen sollten. Doch Nik beruhigte ihn sofort:‹Doch, doch, Norbert, du kommst auch mit!› endlich auf dem Sofa sitzend, erzählte Nik von meinen 1200 Liebesbriefen an Norbert. Der Frontmann Thomas Graf sowie der Musikproduzent Georg Schlunegger der Schweizer Mundart-Rockband MEGAWATT durften einige dieser Briefe lesen und verwandelten sie in eine ganz besondere Überraschung. Einen Song nur für uns: ‹Hunderttusig Liebeslieder›. Ein Geschenk fürs Leben, von dem ich zuvor nicht den geringsten Schimmer hatte und das mich tief berührt sowie emotional geprägt hat.»
Ein gemeinsamer Lebensweg von 45 Jahren
«Der Inhalt dieses Liedes rührte uns zu Tränen. Ich sah mich selbst am Pult sitzen, Briefe schreiben, weinend im Zug am Sonntagabend und freudestrahlend am Freitag! 45 Jahre Liebe zogen wie ein Film an mir vorbei. Der Text berührte uns zutiefst, und die Melodie ist eine wunderschöne Ballade. Unser Lied wird vermutlich auf dem nächsten Album von MEGAWATT erscheinen, und wir wurden zudem am 17. April 2026 zum Konzert in Rapperswil eingeladen.
Nach der Happy Day Sendung sassen wir erschöpft im Auto, fühlten uns wie auf Wolken und mussten zu Hause erst ein Glas Wein trinken, bevor wir schlafen konnten. Alles wirkte surreal! Eine Erfahrung, die uns tief bewegt hat. Nach 45 Jahren Beziehung bin ich für jeden einzelnen Moment mit Norbert unendlich dankbar. Wenn ich unsere Liebe in einem Satz beschreiben müsste: Sie ist ein Geschenk des Himmels! Hunderttusig Liebeslieder würden nicht ausreichen, um sie zu beschreiben. Wir sind einfach füreinander bestimmt. Norbert ist für mich wie mein zweites Ich. Ein lieber Freund von uns sagte einst: ‹solltet ihr einmal nicht mehr zusammen sein, dann muss entweder der Dritte Weltkrieg ausgebrochen oder die Erde untergegangen sein.›
VANESSA SACCHET


