Vanessa Sacchet im Gespräch mit Judith Schaufelberger
06.09.2025 Leute aus der RegionJudith Schaufelberger wuchs mit vier Geschwistern in Rapperswil-Jona auf. Sie ist verwitwet, hat zwei Kinder und lebt in einer Partnerschaft. Als Schicksalscoach hat sie sich im Jahr 2018 auf Energetisches Heilen, Spirituelles NLP und Emotionale Transformation spezialisiert. Wer bestimmt unser ...
Judith Schaufelberger wuchs mit vier Geschwistern in Rapperswil-Jona auf. Sie ist verwitwet, hat zwei Kinder und lebt in einer Partnerschaft. Als Schicksalscoach hat sie sich im Jahr 2018 auf Energetisches Heilen, Spirituelles NLP und Emotionale Transformation spezialisiert. Wer bestimmt unser Schicksal? Können wir es bewusst verändern? Und wenn ja, wie? Darüber spreche ich mit der heute 65-Jährigen.
«Als Kind habe ich mich mit niemandem wirklich verstanden und war oft alleine. Einsam gefühlt habe ich mich deswegen nicht, da ich mich mit mir unterhalten konnte. Es fühlte sich so an, als hätte ich ein Gegenüber in mir drin. So habe ich mich zurückgezogen und hatte immer jemanden mit dem ich reden konnte. Mir war stets bewusst, dass man mit den Menschen liebevoll umgehen soll, egal wie einem das Gegenüber begegnet. Denn alles, was man sagt und tut, kommt auf einem zurück. Für mich stand immer fest, dass ich versuche keinen Menschen zu hassen oder ihm bewusst etwas zu leide tue. Dieses Ur-Wissen war schon immer da. Auch wie man respektvoll und liebevoll miteinander umgeht. Als ich lesen konnte, war die Bibliothek für mich das Tor zur Welt. Ich habe viel über Psychologie und das Leben gelesen, so auch Romane. Bücher waren für mich ein Fluchtpunkt und ich konnte durch sie in eine andere Welt abtauchen und viel lernen. Zu einem späteren Zeitpunkt absolvierte ich einen Fernkurs in Psychologie und ergänzte dies durch weitere Ausbildungen».
Ich bin nicht, was mir passiert ist. Ich bin, was ich daraus gemacht habe
«Das ich heute als Schicksalscoach tätig bin, entstand durch verschiedene Schlüsselerlebnisse. Meine Schwester starb, als ich sieben Jahre alt war. Als ich dreizehn war, starb mein Vater. Dadurch war meine Kindheit nicht leicht. Für mich war es wichtig zu erkennen, dass das Schicksal nicht vorbestimmt ist. Viele Menschen glauben, sie seien aufgrund einer schwierigen Kindheit so, wie sie sind, und könnten daran nichts ändern. Das habe ich nie so gesehen. Für mich gilt, ich habe einiges erlebt und mache etwas Gutes aus meinem Schicksal, weil ich daraus gelernt habe. Man kann sich mit dem Schicksal versöhnen. Ich hatte damals das Gefühl ich war das Kind, dessen Schwester gestorben ist und die Jugendliche, dessen Vater verstarb. Als ich Witwe wurde, war ich die Frau, dessen Mann gestorben ist. So trägt man durch all das Erlebte eine Art Rucksäcke mit und identifiziert sich damit und denkt, was so ist, muss auch so bleiben. Aber das stimmt nicht.
Meine Mutter ist Witwe geblieben und hat sich darüber definiert. Als ich Witwe wurde, war das für mich etwas, dass ich erlebt habe, aber es ist nicht mein Sein. Wichtig ist, dass man sich weiterentwickelt. Der Antrieb für mich war immer die Liebe und das Licht. Mir wurde gesagt: du siehst auch im negativen immer etwas positives. Wenn man das Licht nicht mehr sehen kann, dann kann man sich in der Dunkelheit verlieren. Das ist mir nicht passiert, da ich immer einen Zugang zu einem Wissen hatte, dass ich nicht benennen kann».
Mit dem Leben Aufräumen und alte Muster verlassen
«Die Seele ist vergleichbar mit einem Haus. Füllt man es mit zu vielen Dingen, wird es irgendwann zu viel und man weiss nicht, wo man mit dem Aufräumen beginnen soll. Mit dem Seelischen Haus verhält es sich genauso. Dann kann es Sinnvoll sein, einen Coach zur Seite zu haben, der einem Schritt um Schritt beim Aufräumen hilft. Viele sind bei diesem Prozess überfordert und wissen nicht, wo sie beginnen sollen. Was mir wichtig ist, ist die Hilfe zur Selbsthilfe. Denn wirklich aufräumen muss der Klient alleine. Ich kann ihm Tipps geben, wie er gewisse Dinge entsorgt. Vergleichbar mit dem Entrümpeln eines Hauses. Man weiss, dass die Flaschen in den Glascontainer gehören, man die Kleider in die Brocki- oder in den Kleidercontainer bringen kann und dass das Papier in die Altpapiersammlung gehört».
Die Seele erinnert sich:
Trauma, Ahnen und
Transformation
«Wir tragen oft viele Traumata in uns. Nicht nur aus unserem eigenen Leben, sondern auch aus unserer Herkunft.
Manche dieser Verletzungen können in unseren Genen gespeichert oder in unserer Ahnenreihe liegen. So kann es geschehen, dass sich bestimmte Muster, wie etwa Suizid, über Generationen hinweg wiederholen können.
Der erste Schritt zur Heilung ist, das Trauma im Hier und Jetzt bewusst wahrzunehmen. Von dort aus kann man sich auf eine Reise begeben, zurück in frühere Leben, bis zu dem Ursprungspunkt, an dem die Wunde entstanden ist. In einem Raum der Liebe kann das Trauma dort aufgelöst und diese Heilung setzt positive Energie frei. Nicht nur für uns selbst, sondern auch für unsere Ahnenlinie.
Wir sind einzigartige Individuen und gleichzeitig Teil eines grösseren Ganzen. Jeder Mensch ist besonders, mit seiner eigenen Geschichte und doch sind wir alle tief verbunden. Manchmal laufen wir immer wieder gegen dieselbe Wand, obwohl wir wissen, dass sie da ist. Dann geht es nicht darum, die Wand einzureissen, sondern zu erkennen, dass es einen anderen Weg gibt. Und dieser neue Weg kann uns dorthin führen, wo etwas ganz Neues entsteht.
Viele Blockaden entstehen in der frühen Kindheit, besonders dann, wenn ein Kind verletzt wurde und niemand da war, der ihm Geborgenheit und Halt gab. Unsere Reaktionen auf solche Erfahrungen sind instinktiv. Bei starker Angst übernimmt das sogenannte Reptiliengehirn. Es aktiviert uralte Überlebensmuster – Flucht, Kampf, Erstarrung oder Überanpassung. Wenn ein Trauma nicht geheilt wurde, kann ein Trigger uns jederzeit in genau diesen Zustand zurückversetzen. Angst ist dabei kein Feind, sie ist ein Schutzmechanismus. Doch wenn die Angst zu gross wird, können daraus sogar Phobien entstehen».
Angst verstehen, Sicherheit finden, Leben gestalten
«Um an traumatische Erfahrungen heranzugehen, braucht es vor allem eines. Einen sicheren Raum. Es ist die Aufgabe des Coaches oder Therapeuten, genau diesen Raum zu schaffen. Einen Ort, an dem sich der Mensch sicher und geborgen fühlt. Nur in diesem Gefühl der Sicherheit kann die Person behutsam zurück an den Schock herangeführt werden.
Denn unsere Angst ist ein Schutzmechanismus, der automatisch greift, wenn ein Trauma aktiv ist. Der Körper bleibt dann im Schockzustand gefangen. Der Verstand versucht, uns zu schützen, er sagt: Geh da nicht hin, das war zu schmerzhaft. So entsteht eine Art inneres Konstrukt aus Angst, das den Zugang zur Heilung versperren kann.
Was ich in meiner Arbeit oft beobachte, wenn Klienten kommen, dass die Angst riesig und wie ein undurchdringliches Gebilde ist. Doch wenn wir beginnen, langsam und achtsam damit zu arbeiten, offenbart sich dahinter oft etwas sehr Schmerzhaftes, aber gleichzeitig auch etwas, das sich plötzlich nicht mehr so schlimm anfühlt wie erwartet. Der Schlüssel liegt darin, behutsam durch diese Wand der Angst zu gehen. Erst dann kann die wahre Heilung beginnen.
Man sagt: Der grösste Kritiker sitzt in uns selbst. Doch wenn wir es schaffen, diesen inneren Kritiker zu unserem Freund zu machen, wird das Leben leichter und es entsteht Raum für Entwicklung. Es ist immer heilsam, wenn Körper, Geist und Seele miteinander verbunden sind und nicht gegeneinander kämpfen. Viele Menschen erleben sich eher als Einzelkämpfer. Doch aus Kampf entsteht kein Frieden. Erst wenn wir beginnen, innere Friedensverhandlungen zu führen, kann echter Frieden entstehen».
VANESSA SACCHET


