Vanessa Sacchet im Gespräch mit Gabriele Abbondio
07.03.2026 AadorfGabriele Abbondio, geboren am 1. Februar 1968 in Bülach, wuchs gemeinsam mit ihrem jüngeren Bruder auf. Die gelernte Damen- und Herrencoiffeuse ist verheiratet und hat eine Tochter. Seit über 30 Jahren führt sie ihren eigenen Salon. Vor einigen Jahren entdeckte sie ihre ...
Gabriele Abbondio, geboren am 1. Februar 1968 in Bülach, wuchs gemeinsam mit ihrem jüngeren Bruder auf. Die gelernte Damen- und Herrencoiffeuse ist verheiratet und hat eine Tochter. Seit über 30 Jahren führt sie ihren eigenen Salon. Vor einigen Jahren entdeckte sie ihre Leidenschaft fürs Reisen, am liebsten mit dem Wohnmobil, unterwegs zu neuen Orten.
«Wir waren im Jahr 2021 in Mexiko und hatten gerade unseren letzten Ferientag, als Alain Berset verkündete, dass der Lockdown kommt. So kehrten wir in die Schweiz zurück und der Flughafen war wie ausgestorben, nichts ging mehr. Es war klar, dass das Reisen ins Ausland für unbestimmte Zeit nicht mehr möglich sein wird. Unabhängig davon habe ich mich davor nach einem Wohnwagen oder Wohnmobil umgesehen, war mir aber noch unschlüssig. Ich hatte das Gefühl, dass ich Spass daran haben könnte. Durch die ganze Corona-Geschichte war man gezwungen, in der Schweiz zu bleiben. Also habe ich mich für einen Wohnwagen entschieden.
Mein Mann Sandro hat zu mir gesagt: . Also habe ich die Sache selbst in Angriff genommen und den Wohnwagen gekauft. Sandro meinte, dass es ihm wohler ist, wenn ich einen Kurs belege. So habe ich beim TCS ein Fahrkurs für Wohnwagen gemacht. Schlussendlich kam es so weit, dass er nicht mal mit mir im Auto mitfahren konnte, weil er mir vor lauter Angst viel zu sehr reinredete. Da er mich viel zu nervös machte, kam es dazu, dass Sandro mit seinem Motorrad oder dem Zug an den Zielort gereist ist, und wir uns dort getroffen haben».
Auf Entdeckungstour durch den Norden
«Es stellte sich heraus, dass mein Auto nicht optimal dafür geeignet war, einen Wohnwagen zu ziehen. Immer wenn es bergauf ging, gab es durch einen Elektronikfehler Probleme. Am Ende haben wir alle Teile am Auto auswechseln lassen, aber man konnte nicht herausfinden, warum es in den Bergen nur noch 40 Kilometer pro Stunde fahren konnte. Das wurde mir mit dem Wohnwagen irgendwann zu gefährlich. In Aadorf gibt es einen Wohnwagen- und Wohnmobilhändler, und zufällig entdeckten wir dort ein Wohnmobil zu einem sehr guten Preis und mit wenigen Kilometern. So entschieden wir uns, den Wohnwagen gegen das Wohnmobil einzutauschen.
Sandro hatte ebenfalls Spass an der Sache und so haben wir angefangen, Reisen zu planen, und konnten endlich wieder gemeinsam im Fahrzeug unterwegs sein. Unsere erste grössere Reise ging im Jahr 2024 ans Nordkap, für sechs Wochen. Auf dem Rückweg haben wir vor allem Norwegen erkundet. Der Norden hat es mir richtig angetan. Früher war ich nie ein grosser Fan davon, ich fand es zu kalt dort und bevorzugte den Süden. Inzwischen mag ich den Norden fast lieber. Mich faszinieren die weiten Landschaften, die Ruhe, die besondere Vegetation. Auch die Tierwelt ist unglaublich vielfältig und die Menschen sind viel weniger gestresst als bei uns in der Schweiz.»
Freiheit auf Rädern und Reisen nach eigenem Rhythmus
«Im Jahr 2025 haben wir mit dem Wohnmobil eine dreiwöchige Rundreise durch Sizilien gemacht. Wir fuhren den ganzen Stiefel entlang, nur für den Absatz hat es nicht gereicht. Ich wollte Sandro mehr von Apulien zeigen, weil ich dort früher einmal war. Die Städte haben wir mit Mietautos besucht, denn gerade in Italien ist es mit dem Wohnmobil oft zu eng in den Strassen. Mit dem Fahren wechselten wir uns ab. Ganz am Anfang war ich diejenige, die mehr gefahren ist. Inzwischen fährt Sandro mehr, weil es ihm zu langweilig ist, nur nebendran zu sitzen. Während er fährt, häkle ich oder suche nach kreativen Beschäftigungen, oder ich lotse ihn als Beifahrerin. Das Schönste am Reisen mit dem Wohnmobil ist die Freiheit. Man ist viel ungebundener. Ich muss nicht zu einer bestimmten Zeit mit dem Frühstück fertig sein, wie es in Hotels vorgeschrieben ist.
Im Wohnmobil kann man sich den Tag selbst einteilen und spontan entscheiden, länger an einem Ort zu bleiben. Wir übernachten immer auf Campingplätzen, weil wir gerne die Infrastruktur wie Toiletten nutzen. Eigentlich heisst es, im Norden sei Wildcampen erlaubt, dem ist aber nicht so. Das gilt nur für Zeltcamper. Früher war das ein Recht für Handelsleute, die weite Strecken unterwegs waren und nicht immer ein Hotel in der Nähe hatten. Heute wird das oft falsch interpretiert, und die Leute hier ärgern sich, weil überall Autos herumstehen.»
Freundschaften und kleine Abenteuer
«Unterwegs haben wir immer wieder Leute kennengelernt, auch solche, die eine Panne mit ihrem Wohnmobil hatten. Im Norden wird teilweise rasant gefahren, vor allem von Leuten, die ein Wohnmobil mieten und wenig Erfahrung damit haben. Sie rasen dann an einem vorbei, und dabei kann es passieren, dass sie einem den Seitenspiegel abreissen. Ich wusste schon vorher, dass die Spiegel heikel sind, und habe mir spezielle Schutzkappen gekauft. Ein anderer Wohnmobilfahrer hat unseren Spiegel gestreift. Dieser blieb zum Glück ganz, nur die Schale wurde beschädigt, während sein Spiegel auf der Strasse in viele Teile zerbrach. Ein Muss für jeden Wohnmobilfahrer ist Klebeband. Davon sollte man immer eine Rolle dabeihaben.
So haben wir sogar neue Kollegen kennengelernt, weil wir ihnen damit ausgeholfen haben. Lustig war auch, als wir auf der Skandinavien Reise in Schweden auf einen Campingplatz gefahren sind. Nach Tagen, an denen wir kaum Schweizer begegnet waren, sehen wir ein Wohnmobil mit St. Galler Kennzeichen. Wir hatten die Fenster geöffnet, und Sandro rief: Die Frau dieses Wohnmobils stand draussen und rief zurück: Dann ging das Gaudi los. Wir sind bis zum Nordkap und das erste Stück durch Norwegen gemeinsam unterwegs gewesen. So ist eine richtig coole Freundschaft entstanden, die bis heute hält.»
Wohnmobil, Hund und neue Pläne
«Wir waren mit unserem Wohnmobil bereits an vielen schönen Orten in der Schweiz. Am Thunersee, in Graubünden, am Brienzersee und in Landquart. Ganz bestimmt möchten wir noch einmal in den Norden fahren. Ausserdem würde ich gerne die deutsche Küste entlangreisen, und von Belgien bis nach Polen fahren. Es ist so, dass wir so oft wie möglich Ferien mit unserem Wohnmobil verbringen möchten. Eingelagert haben wir es in einer Wohnmobil Halle. Das ist nicht günstig, aber es lohnt sich auf jeden Fall.
Am Wohnmobil haben wir im Innenbereich einen neuen Tisch eingebaut, eine Klimaanlage nachgerüstet und ich habe das Badezimmer renoviert. Es ist eine richtige Liebe entstanden zu diesem Gefährt. Unser kleiner Hund, den wir letztes Jahr im Tierheim in Räterschen geholt habe, war gerade mal drei Wochen bei uns, als wir zu unserem ersten grossen Ziel ans Nordkap aufgebrochen sind. Er ist ein echter Streuner, und wir hatten am Anfang Angst, dass wir ihn verlieren könnten. Aber er reist souverän und gerne mit uns. Für dieses Jahr haben wir noch keine grossen Pläne. Aber im Herbst wartet sicher wieder ein grosses Abenteuer.»
VANESSA SACCHET


