Vanessa Sacchet im Gespräch mit Doris Tortelli
27.06.2026 Leute aus der RegionDie «Elgger/Aadorfer Zeitung» porträtiert in regelmässigen Abständen Leute aus der Region.
Doris Tortelli, geboren am 6. April 1971 in Winterthur, wuchs gemeinsam mit ihrer älteren Schwester auf. Sie ist gelernte Charcuterieverkäuferin, verheiratet und ...
Die «Elgger/Aadorfer Zeitung» porträtiert in regelmässigen Abständen Leute aus der Region.
Doris Tortelli, geboren am 6. April 1971 in Winterthur, wuchs gemeinsam mit ihrer älteren Schwester auf. Sie ist gelernte Charcuterieverkäuferin, verheiratet und Mutter von drei erwachsenen Kindern. Nach ihrer langjährigen Tätigkeit als Polizistin ist sie seit rund 20 Jahren als Schwimmlehrerin aktiv.
«Ich arbeitete damals als Polizistin. Als ich mein zweites Kind bekam, nahm ich am Babyschwimmen teil, weil ich es eine grossartige Sache fand, kleinen Kindern zu zeigen, dass es entspannt und sicher ist, sich im Wasser aufzuhalten. Besonders faszinierte mich, wie man ihnen die Angst nehmen kann, wenn sie mit dem Kopf unter Wasser tauchen. Das motivierte mich, und ich dachte, es wäre schön, selbst Babyschwimmen zu unterrichten. Zufälligerweise entdeckte ich ein Inserat, in dem jemand für Baby-Schwimmunterricht gesucht wurde. Das war meine Gelegenheit. Ich begann mit dem Kurs und absolvierte ein Praktikum. Anschliessend machte ich diverse Ausbildungen, bis ich schliesslich selbst unterrichten konnte. Es war für mich sehr schön zu sehen, wie Eltern mit grossem Respekt in den Kurs kamen und ihn später mit viel Freude wieder verliessen. Für viele ist es nicht selbstverständlich, ihr Baby mit dem Kopf unter Wasser zu sehen. Ich versuche stets zu vermitteln, dass das Wasser trägt und dass man sich davor nicht fürchten muss. Mit der Zeit merkte ich, dass es mir auch Freude bereiten würde, Kinder ab vier Jahren sowie Erwachsene zu unterrichten, und absolvierte alle notwendigen Ausbildungen.»
Wenn Kinder Vertrauen ins Wasser gewinnen
«Mir bereiten alle Kurse grosse Freude, da ich mit Leidenschaft unterrichte. Am liebsten arbeite ich jedoch im Babyschwimmen. Ich finde es wichtig, dass Kinder bereits im frühen Alter erste Erfahrungen im Wasser sammeln, da sie dadurch von Anfang an eine positive Beziehung dazu entwickeln. Gleichzeitig ist es mir ein grosses Anliegen zu betonen, dass ein gesunder Respekt vor dem Wasser wichtig bleibt. Manchmal sind Eltern sehr unsicher, und diese Unsicherheit überträgt sich auf ihre Kinder. Hier versuche ich, Vertrauen aufzubauen und Sicherheit zu vermitteln. Schlussendlich spielt es keine Rolle, in welchem Alter Kinder am Schwimmunterricht teilnehmen. Entscheidend ist, dass sie schwimmen lernen. Die grösste Freude bereitet es mir, wenn ein Kind, das anfangs sehr zurückhaltend ist, Schritt für Schritt Vertrauen fasst, Freude entwickelt und das Wasser für sich entdeckt. Genau in solchen Momenten wird mir bewusst, weshalb ich diesen Beruf ausübe. Auch wenn es nicht immer einfach ist und viel Geduld erfordert, ist es umso erfüllender zu sehen, wie Kinder Fortschritte machen und sich sicher im Wasser bewegen. Wenn ich sie später schwimmen sehe und erkenne, was sie alles gelernt haben, erfüllt mich das mit grossem Stolz. Besonders schön ist es, wenn ich Kinder, die ich im Babyschwimmen oder später in Kursen begleitet habe, irgendwann selbstständig und sicher schwimmen sehe.»
Schwimmen lernen mit individueller Förderung
«Je nach Alter tauchen die Kinder sehr gerne nach Ringen oder springen mit viel Freude ins Wasser, zum Beispiel auf den Po, sodass es richtig spritzt. Jüngere zeigen dabei oft noch etwas mehr Zurückhaltung, gehen aber ebenfalls mit Interesse an die Übungen heran. In den Kursen gibt es nach wie vor Schwimmabzeichen wie Krebs und Seepferdchen. Die Abzeichen eins bis sieben vermitteln grundlegende Fähigkeiten wie Schweben im Wasser, richtige Atemtechnik und weitere wichtige Basisfertigkeiten. Danach folgen Technikabzeichen wie Wal, Hecht und Hai. Das Schöne an meinem Beruf ist, dass ich individuell auf jede Person eingehen kann. Ich hatte einmal ein Kind, das zunächst nicht in den Kinderkurs kommen wollte. Es begann mit Einzelstunden, und nach und nach konnte ich es so weit begleiten, dass es sich in der Gruppe wohlfühlte. Es freut mich sehr, wenn ich sehe, dass ich etwas Wertvolles mit auf den Weg geben kann. Gleichzeitig gibt es den Eltern die Sicherheit, dass ihre Kinder schwimmen können. Manchmal empfehle ich, den Schwimmkurs noch nicht zu beenden, wenn noch nicht die nötige Sicherheit vorhanden ist. Wenn sie dieser Empfehlung folgen und mir vertrauen, zeigt mir das die Bedeutung einer guten Zusammenarbeit. Eltern, die sich Schwimmkurse nicht leisten können, empfehle ich, mit ihren Kindern so oft wie möglich selbst ins Wasser zu gehen. Das ist sehr wichtig. Es gibt viele, die nicht schwimmen können, was teilweise auch mit einem Migrationshintergrund zusammenhängt. Ich habe erlebt, dass einige Wasser fast nur aus dem Schulschwimmunterricht kennen.»
Rettungsschwimmerin – Ausbildung und Erfahrung
«Einmal habe ich als Gast in einem Freibad ein Ereignis erlebt, das mir bis heute in Erinnerung geblieben ist. Leider gibt es immer wieder Eltern, die zu wenig auf ihre Kinder achten, weil sie zum Beispiel mit ihrem Handy beschäftigt sind oder anderweitig abgelenkt sind. Es ist wichtig, dass Eltern ihre Kinder im Wasserbereich stets aufmerksam begleiten. Auch wenn ein Kind schwimmen kann, bedeutet das nicht, dass keine Gefahr besteht. Es kann jederzeit passieren, dass ein anderes Kind auf jemanden springt oder eine unvorhergesehene Situation entsteht. In solchen Momenten ist schnelle Reaktion entscheidend. Ich konnte beobachten, wie ein Kind, das nicht schwimmen konnte, ins Wasser sprang und unterging. Es hatte Glück, dass ich die Situation gesehen habe. Ich bin sofort ins Wasser gesprungen und habe es herausgeholt. Da die Eltern nicht aufgepasst hatten, war das Kind unbeaufsichtigt ins Wasser gelangt. Dieser Vorfall hat mir erneut gezeigt, wie wichtig Aufmerksamkeit im Schwimmbad ist. Deshalb ist es mir ein grosses Anliegen, Eltern immer wieder darauf hinzuweisen, ihre Kinder im und am Wasser nie aus den Augen zu lassen.»
Schwimmlehrerin: Ein Beruf mit Verantwortung und Zukunft
«Früher war ich als Wasserbotschafterin unterwegs. Ich besuchte Kindergärten und brachte den Kindern zehn wichtige Regeln rund ums Wasser bei. Dazu gehörte zum Beispiel, dass man das Schwimmbecken nur verlässt, nachdem man es den Eltern mitgeteilt hat. Oder dass man nicht mit vollem Magen ins Wasser geht. Ebenso erklärten wir, dass man sich vor dem Schwimmen immer duschen sollte und sich gut eincremen muss. Eine besonders wichtige Regel war, dass sich Eltern in der Badi nicht auf dem Tüechli, sondern sich immer in der Nähe der Kinder aufhalten sollen. Heute gibt es dieses Projekt nicht mehr. Was ich bedaure. Wenn ich zurückblicke, sehe ich auf eine 20-jährige Karriere als Schwimmlehrerin zurück. Dieser Beruf bereitet mir nach wie vor genauso viel Freude wie am Anfang. Ich habe mir immer gesagt, dass es Zeit ist aufzuhören, wenn ich keine Freude mehr daran habe. Davon bin ich jedoch weit entfernt. Schwimmlehrerin zu sein ist ein wunderschöner Beruf, es gibt jedoch viel zu wenige Fachpersonen in diesem Bereich. Wir haben grosse Mühe, neue Leute zu finden. Mein Wunsch wäre, dass Menschen, die Freude am Schwimmen und am Wasser haben, diesen Beruf näher kennenlernen. Er erfordert viel Einsatz und Verantwortung, ist aber gleichzeitig erfüllend und bereichernd.»
VANESSA SACCHET


