Vanessa Sacchet im Gespräch mit Dominique Trepp
29.11.2025 ElggDominique Trepp, geboren am 9. November 1970 in Winterthur, wuchs als jüngstes mit ihren beiden älteren Geschwistern auf. Sie ist verheiratet und Mutter von drei Kindern. Ihre jüngste Tochter verstarb tragischerweise am plötzlichen Kindstod. Sie selbst entdeckte früh die ...
Dominique Trepp, geboren am 9. November 1970 in Winterthur, wuchs als jüngstes mit ihren beiden älteren Geschwistern auf. Sie ist verheiratet und Mutter von drei Kindern. Ihre jüngste Tochter verstarb tragischerweise am plötzlichen Kindstod. Sie selbst entdeckte früh die Leidenschaft fürs Dekorieren und führt heute ihr eigenes Geschäft Dekoplus, in dem sie ihre Kreativität verwirklicht.
«Ich hatte eine wunderschöne Kindheit in Dickbuch, wo ich aufgewachsen bin, umgeben von viel Natur und zwei Eseln. Es war ein kleines Paradies. Das Gespür fürs Dekorieren habe ich von meinen Eltern in die Wiege gelegt bekommen. Mein Vater war Dekorateur, meine Mutter Innendekorateurin. Schon als Kind habe ich mein Zimmer alle drei Monate komplett umgestaltet und dabei manchmal sogar selbst die Wände gestrichen. Ich war ein lebhaftes Kind, bei mir war immer etwas los. Viel Zeit verbrachte ich draussen und entdeckte früh meine Leidenschaft für Blumen. Ich hatte die Fähigkeit, Kränze zu binden. Es war eine Tradition hier in Dickbuch, dass wir in der Advents- und Weihnachtszeit die älteren Menschen damit beschenkten. Auch meiner Gotte habe ich oft Dekorationen für besondere Anlässe kreiert und sogar ganze Ställe mit Blumen geschmückt. Ich liebte es einfach, kreativ zu sein und mit dem zu gestalten, was gerade verfügbar war.
Nach der Oberstufe verbrachte ich mit 15 Jahren ein Jahr in einem Internat im Welschland. Mein Traumberuf war seit jeher Floristin, da ich leidenschaftlich gern mit Blumen arbeitete. Deshalb absolvierte ich eine Schnupperlehre. Statt jedoch Sträusse zu binden, verbrachte ich eine Woche damit, Blumen zu giessen und welke Blätter zu entfernen, ohne auch nur einmal selbst einen Strauss gestalten zu dürfen. Diese Erfahrung nahm mir die Freude an dem Beruf, sodass ich meinen ursprünglichen Wunsch, Floristin zu werden, nicht weiterverfolgte.»
Vom Schreibtisch zur Schweizer Meisterin
«Während meiner Internatszeit durfte ich nur einmal im Monat nach Hause fahren. Das erschwerte es mir, von daheim aus, eine Lehrstelle zu organisieren. Als ich schliesslich zurückkam, begann ein neues Jahr und ich hatte noch nichts in Aussicht. Der Druck wuchs, und so entschied ich mich für eine kaufmännische Lehre: zwei Jahre Schule, gefolgt von einem Praktikum in einer Spedition.
Obwohl dieser Beruf wenig kreativ war, lernte ich, mich durchzubeissen und das Beste aus der Situation zu machen. Am Ende konnte ich eine solide Ausbildung erfolgreich abschliessen. Danach arbeitete ich ein Jahr als Sekretärin, bevor ich in die Fitnessbranche wechselte, in der ich insgesamt siebzehneinhalb Jahre tätig war.
In dieser Zeit unterrichtete ich unzählige Stunden, unter anderem Aerobic-Kurse. 1991 wurde ich sogar Schweizer Meisterin im Aerobic, ein Erfolg, für den ich täglich vier bis sechs Stunden trainierte. Sport war für mich ein wichtiges Ventil und eine unverzichtbare Art, mich auszudrücken. Auch als Fitnesstrainerin und Masseurin blieb der kreative Aspekt im engeren Sinn zwar aus, doch die Arbeit mit dem Körper war für mich ebenso erfüllend. Bewegung war etwas, das ich brauchte.»
Dekoplus – 1999 ins Leben gerufen von meinem Vater Franz Hermann
«Mein Vater führte das Geschäft siebeneinhalb Jahre bis zu seiner Pension.
Schon früh hatte er sich vorgenommen, nicht länger zu arbeiten. Er hatte unser Haus umgebaut, in dem wir Kinder aufwuchsen, und sein ganzes Leben gearbeitet. Mein Bruder und ich waren bereits nebenberuflich bei Dekoplus tätig. Mit 21 Jahren wurde ich Mutter, blieb aber im Geschäft aktiv und leistete Unterstützungsarbeiten. Neben den Kindern war ich immer berufstätig und gab zusätzlich Aerobic-Stunden. Als die Frage aufkam, ob mein Bruder das Geschäft übernehmen wolle, überliess ich ihm den Vortritt. Doch er entschied sich dagegen, da sein Hauptberuf besonders in der Weihnachtszeit sehr anspruchsvoll war. Nachdem er abgesagt hatte, dachte ich: Wenn nicht jetzt, wann dann?
So übernahm ich im Jahr 2006 das Geschäft, zu einer Zeit, als meine Kinder noch klein waren. Ich startete praktisch bei null, obwohl Material und Inventar bereits vorhanden waren. Das Geschäft befindet sich im ehemaligen Schuhfabrik-Gebäude, umfasst 850 Quadratmeter und bietet über eine Million Artikel: Figuren, Requisiten, Möbel, Wohnaccessoires und Verbrauchsmaterialien, sowohl zum Mieten als auch zum Kaufen. Meine Kundschaft ist breit gefächert: Eventagenturen, Restaurants, Kleingewerbe, die ihre Schaufenster selbst dekorierten, Theater, Zirkusse und Privatpersonen.»
Zwei Jahrzehnte! Jetzt geht es weiter im kleineren Rahmen
«Im Jahr 2026, nach 20 Jahren als Geschäftsführerin von Dekoplus, werde ich das Geschäft in den bisherigen Gewerberäumen Ende April auflösen. Ganz aufhören werde ich jedoch nicht. Ich starte neu. Kleiner, fokussierter und unter einem neuen Namen. Im selben Gebäude ziehe ich ins Dachgeschoss, in mein neues DekoLoft31 mit 220 Quadratmetern, und konzentriere mich ausschliesslich auf den Verkauf. Eine Vermietung von Artikeln wird es künftig nicht mehr geben. Es ist ein kompletter Neuanfang. Kein Sammelsurium, keine unzähligen Themenwelten wie Frühling, Sommer, Herbst, Winter oder ferne Länder wie Asien und Amerika. Stattdessen lege ich den Fokus gezielt auf stilvolles Home-Dekor und darauf, private Kundinnen und Kunden anzusprechen.
Rückblickend habe ich unglaublich viel gelernt. Gerade auch als blonde Frau in einer Geschäftswelt, die Männern oft leichter zugänglich ist. Mein Vater hatte es damals in vielerlei Hinsicht einfacher. Trotzdem würde ich nichts anders machen. All diese Erfahrungen haben mich zu der Person gemacht, die ich heute bin. Zwei Jahrzehnte voller Lektionen, Herausforderungen und Vorurteile haben mich geformt, doch nie gebrochen. Ich bin ein Stehaufmännchen, das aus jeder Situation das Beste zieht, und mein Lebensmotto bleibt: Jede Person verdient es, so angenommen zu werden, wie sie ist. Mit diesem Glauben starte ich nun voller Vorfreude in ein neues Kapitel und sehe die kommenden Herausforderungen als Chance, weiter zu wachsen.»
VANESSA SACCHET


