Vanessa Sacchet im Gespräch mit Céline Birrer
19.09.2026 Leute aus der RegionDie «Elgger/Aadorfer Zeitung» porträtiert in regelmässigen Abständen Leute aus der Region.
Vanessa Sacchet im Gespräch mit Céline Birrer
Céline Birrer, geboren 1990 in St. Gallen, wuchs als Einzelkind auf. Nach ihrer ...
Die «Elgger/Aadorfer Zeitung» porträtiert in regelmässigen Abständen Leute aus der Region.
Vanessa Sacchet im Gespräch mit Céline Birrer
Céline Birrer, geboren 1990 in St. Gallen, wuchs als Einzelkind auf. Nach ihrer Ausbildung zur Bereiterin absolvierte sie eine zweite Lehre als Autolackiererin. Heute ist sie bei einem Helikopterunternehmen tätig, wo sie für die professionelle Lackierung von Helikoptern verantwortlich ist. Zusätzlich engagiert sie sich als Expertin bei den Lehrabschlussprüfungen.
«Zu meiner zweiten Ausbildung als Autolackiererin kam ich durch meinen Vater, der selbst in diesem Beruf tätig war. Anfangs war ich jedoch nicht besonders begeistert von der Idee, diesen Weg einzuschlagen, und war mir nicht sicher, ob der Beruf wirklich zu mir passt. Eher meinem Vater zuliebe absolvierte ich eine Schnupperlehre. Nach dieser ersten Woche stellte ich jedoch fest, dass mir die Arbeit überraschend gut gefiel. Als ich gefragt wurde, ob ich noch eine zweite Woche bleiben möchte, sagte ich zu. Nach dieser Zeit bot man mir einen Lehrvertrag an, den ich gerne annahm. So begann mein Weg als Autolackiererin. Besonders fasziniert hat mich an diesem Beruf die Arbeit selbst, aber auch das sichtbare Endergebnis. Es ist motivierend zu sehen, was man mit den eigenen Händen geschaffen hat. Grundsätzlich entscheiden sich viele Frauen für diesen Beruf. In der Berufsschule war das Verhältnis zwischen Männern und Frauen ungefähr ausgeglichen. Allerdings bleiben viele Frauen nach der Lehre nicht dauerhaft in diesem Beruf. Einige wechseln beispielsweise in die Fahrzeugannahme oder ins Büro, da die Arbeit als Lackiererin körperlich anspruchsvoll ist und man häufig mit Staub und Schmutz in Kontakt kommt.»
Mein Einstieg in die Helikopterlackierung
«Ich hätte nach meiner Ausbildung im Lehrbetrieb bleiben können, wollte dann aber für drei Monate nach Amerika reisen. Die Firma teilte mir mit, dass sie die Stelle während dieser Zeit nicht freihalten könne. Falls sie jemanden finden würden, wäre sie vergeben. Nach meiner Rückkehr arbeitete ich an verschiedenen Orten und half unter anderem im Bereich Nutzfahrzeuge aus. Dort hätte ich gerne eine Festanstellung erhalten, jedoch konnte mir keine angeboten werden. Anschliessend arbeitete ich fast drei Jahre bei der Marag Garagen AG in Toffen im Automobilbereich. Danach war ich knapp drei Jahre bei der Remund AG und arbeitete an Lastwagen, Cars und Baggern. Im Dezember 2021 kehrte ich in die Ostschweiz zurück und begann bei Norbert Zehnder als Autolackiererin zu arbeiten. Norbert selbst fliegt Helikopter und kannte den Chef von der Rotortec AG in Sulgen. Eines Tages stand der erste kleine Zweisitzer-Helikopter bei uns, an dem ich Lackierarbeiten durchführen durfte. Meine Arbeit wurde sehr geschätzt, und in der Folge lackierte ich pro Jahr ein bis zwei Helikopter. Später ergab sich die Gelegenheit, bei der Firma Rotortec AG im Stundenlohn zu arbeiten. Als ich mich nach einer Festanstellung erkundigte, teilten sie mir mit, dass ich vorerst mit einem Pensum von 50 Prozent im Lager arbeiten kann. Ich stimmte zu und war bereit, mich auch in diesen Bereich einzuarbeiten, da mir die Lageradministration noch nicht vertraut war. Jetzt bin ich hauptsächlich in der Lackiererei tätig, da die Auftragslage sehr gut ist.»
Präzision bis ins kleinste Detail
«Im Januar durfte ich nach Kitzbühel reisen, um dort eine dringende Lackierarbeit an einem Helikopter auszuführen, da ein Transport des Helikopters in die Schweiz aus zeitlichen Gründen nicht möglich war. Die Unterschiede zwischen der Autolackiererei und der Helikopterlackierung sind deutlich. Im Bereich Helikopter gibt es wesentlich mehr administrative Anforderungen. Jeder Arbeitsschritt muss genau dokumentiert werden und die verwendeten Lackprodukte sind klar vorgeschrieben. Zudem gibt es viele Nieten und Details, die besondere Aufmerksamkeit erfordern. Auch die Kunden haben sehr hohe Ansprüche, was ich gut verstehen kann. Es macht mich stolz, wenn ich sehe, dass meine Lackierarbeiten den Kunden gefallen und ich mit meiner Arbeit einen Beitrag zur Qualität und zum Erscheinungsbild dieser besonderen Fluggeräte leisten kann.»
Seit fünf Jahren Fachexpertin an den Lehrabschlussprüfungen
«Im Februar oder März erhalte ich jeweils das Aufgebot für die Expertensitzung. Anfang April bekomme ich die definitiven Prüfungstermine. In der Regel dauert der Einsatz drei Tage. Ich finde es sehr spannend, als Expertin tätig zu sein, weil man dadurch immer wieder mit den aktuellen Entwicklungen im Autogewerbe konfrontiert wird. Das Grundkonzept der Ausbildung bleibt zwar gleich, aber neue Lacktechnologien oder veränderte Arbeitsweisen werden auch in die Prüfungen aufgenommen. Dadurch bleibt man selbst fachlich auf dem neuesten Stand. Gerade wenn man Lernende ausbildet, ist diese Tätigkeit sehr wertvoll, weil man genau sieht, welche Anforderungen an zukünftige Berufsleute gestellt werden. In den letzten fünf Jahren hat sich bei den Lehrabschlussprüfungen sehr viel verändert, insbesondere bei den Anforderungen. Viele Arbeiten, die wir früher an der Prüfung ausführen mussten, sind heute nicht mehr Bestandteil der Prüfung. Diese Entwicklung sehe ich kritisch, da die Anforderungen meiner Meinung nach teilweise stark gesunken sind. Auch die Qualität der Lernenden ist abnehmend. Einerseits entscheiden sich weniger Jugendliche für diesen Beruf, andererseits wird der Beruf der Lackiererin oder des Lackierers teilweise zu schnell empfohlen, wenn schulische Leistungen nicht optimal sind. Gerade in der Industrielackiererei ist die Ausbildung noch anspruchsvoller, wie in der Autolackiererei. Sie dauert drei Jahre und erfordert ein umfangreiches Fachwissen, das deutlich über das reine Ausführen von Lackierarbeiten hinausgeht. Deshalb finde ich es wichtig, dass die Anforderungen dem tatsächlichen Anspruch des Berufs entsprechen. Ein Beruf mit hohen Qualitätsanforderungen braucht auch entsprechend gut ausgebildete Fachkräfte.»
Die Freude am Beruf und die Lust auf Weiterentwicklung
«Grundsätzlich bin ich selten sofort zufrieden mit einer Lackierung. Nicht, weil sie schlecht ist, sondern aufgrund meines eigenen Perfektionismus. Eine zweite Lackierung bedeutet jedoch nicht automatisch, dass das Ergebnis besser wird. Man muss abwägen, ob eine Korrektur tatsächlich notwendig ist oder ob es lediglich das eigene Empfinden ist, das stört. Entscheidend ist, ob auch der Kunde den Unterschied wahrnehmen würde oder ob nur die eigene hohe Erwartung dahintersteht. Der Beruf der Lackiererin und des Lackierers ist momentan sehr gefragt. Wer Interesse hat, sollte unbedingt eine Schnupperlehre machen. Ob Mädchen oder Junge spielt keine Rolle. Es ist ein vielseitiger und spannender Beruf. Zwar ist die Arbeit manchmal schmutzig, aber wenn man am Ende das fertige Ergebnis sieht, ist die Zufriedenheit und der Stolz über die eigene Arbeit umso grösser. Mir gefällt der Beruf als Helikopterlackiererin sehr gut und ich möchte ihn auch weiterhin ausüben. Eine Weiterbildung, die mich besonders interessieren würde, wäre eine Vertiefung im Bereich Speziallackierungen. Man könnte es vielleicht mit dem Bereich Airbrush vergleichen. Dort gibt es sehr viele kreative Möglichkeiten und Techniken zu lernen. Ich finde es jedoch schade, dass es nur wenige Fachleute gibt, die ihr Wissen gerne weitergeben. Teilweise besteht die Einstellung, dass man sich durch das Teilen von Wissen selbst Konkurrenz schafft oder etwas verliert. Ich bin der Meinung, dass Fachwissen weitergegeben werden sollte, damit sich auch andere weiterentwickeln können und so das Handwerk erhalten bleibt.»
VANESSA SACCHET


